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ZAMBON-Verlag
ISBN 3-88975-107-5

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» Neue Hanauer Zeitung
Frankfurter Rundschau



Der Kampf gegen die Etablierten dauert an ;
Altachtundsechziger Hartmut Barth-Engelbart legt Lyrikband mit poetischen Pamphleten vor

Hanau · 12. April · Hartmut Barth-Engelbart ist ein bedingungslos gerechtigkeitsliebender und somit streitbarer Zeitgenosse, der sich noch nie damit anfreunden konnte, Missstände um des Friedens willen in schöne oder zumindest neutrale Worte zu packen. Das beweisen nicht nur seine donnerstäglichen Widerstandslesungen am Freiheitsplatz, sondern auch die Vielzahl seiner Leserbriefe in der FR. Der Altachtundsechziger reibt sich nicht nur am Gebaren mancher Volks- und Wirtschaftsvertreter, sondern auch am politischen Phlegma vieler Bürger. Der engagierte Gründauer hat nun einen Lyrikband mit dem Titel "unter schlag zeilen" veröffentlicht - mit einem Vorwort der Schriftsteller Ingrid und Gerhard Zwerenz.

Auf mehr als 300 Seiten nimmt der 56-Jährige in gewohnter Weise kein Blatt vor den Mund. Der Kampf gegen das Establishment ist für den Schriftsteller und Lehrer noch nicht vorbei, auch wenn einstige Weggefährten längst selbst zum Establishment gehören. Den grünen Außenminister rupft er wegen seiner Atompolitik. Er sieht in "Fischers Schwüren" heute nur "leere Worte". Bundeswehr, Nationalsozialismus, Wirtschaftspolitik, Hartz IV oder der Raubbau der Industrieländer an der so genannten Dritten Welt sind nur einige Generalthemen, mit denen Barth-Engelbart in bitterer Ironie abrechnet.Auch in Hessen schlägt er zu.

Dabei nimmt er nicht allein die große Weltpolitik oder die in Berlin aufs Korn; auch die hessischen Volksvertreter bekommen ihr Fett weg - so Innenminister Volker Bouffier (CDU) als "Polizistenfreund" oder Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der nun nach dem Rauswurf des "Täter-Opfer-Verdrehers Hohmann" laut Barth-Engelbart feststellen muss: "Mein rechter, rechter Platz ist leer."

Hartmut Barth-Engelbart hat in das Buch viele seiner älteren Werke aus Sponti-Zeiten gepackt. Beim Lesen verdeutlicht sich, dass seine poetischen Pamphlete und satirischen Bildcollagen aus dieser Zeit heute noch so aktuell und berechtigt anklagend sind wie damals. In "unter schlag zeilen" finden sich auch Texte aus den Hanauer Widerstandslesungen wieder und eine Chronologie der Geschehnisse drumherum. Mitte Dezember glaubten Passanten bei der öffentlichen Debatte, die Barth-Engelbart auf dem Freiheitsplatz zu der Patriotismus- und Deutsche-Werte-Diskussion im Berliner Bundestag hielt, den Tatbestand der Volksverhetzung zu erkennen, nur weil der ausgewiesene Linke in seiner Rede die Worte "zum deutschen Gruß" ironisch benutze. Die alarmierten Beamten beschlagnahmten daraufhin an Ort und Stelle die Manuskripte des Redners.

Wenige Wochen später gab die Staatsanwaltschaft Hanau das " Beweismaterial" zurück, entschuldigte sich und fragte sich, wie so etwas passieren konnte.

Detlef Sundermann 13.4.2005 FR


BIS DAHIN DER FR-ARTIKEL, jetzt folgt die notwendige Ergänzung durch HaBE:

Was Detlef Sundermann nicht schrieb: die beschlagnahmenden Beamten wurden von mir und dem Publikum über den satirischen Charakter der Zeile vom "deutschen Gruß" als deutscher Wert vorsichtgeduldig aufgeklärt. Ebenso wurden sie über die verfassungsrechtliche Lage informiert, über Grundrechte auf Freiheit der Kunst, der Meinungsäußerung, der Versammlungsfreiheit usw... Nur waren die beiden einen unbezahlten Überstunden-Tag lang im Auftrag des Innenministers unterwegs: der Tag vor dem Tag der Menschenrechte war von Buffier zum Großkampftag gegen das organisierte Verbrechen erklärt worden und die beiden hatten bis 18 Uhr noch keinen organisierten Verbrecher gefunden und wollten wohl nicht mit leeren Händen zurück ins Polizeipräsidium. Die Story mit der Beschwerde aus der Bevölkerung ist eine nachgereichte Rechtfertigung: in einer Lesepause während ich die Texte auf den Plakaten an den Arkadensäulen in der Fußgängerzone ergänzte und vielleicht zwei Menschen dabei standen und mitlasen, kam der Streifenwagen vorbeigefahren. Da ich auch einen Text dabei hatte darüber wie Bouffier die Polizei verheizt (und auch verhetzt) lief ich dem Streifenwagen hinterher und sprach die Beamten darauf an und machte sie auf meine Texte an den Arkadensäulen erst aufmerksam. Ich lud sie ein, sich doch auch den Text zur Debatte über "Deutsche Werte" durchzulesen. Daruafhin versammelte sich angesichts der lesenden Polizisten eine Menschenmenge und las mit. Dann erst kam die Aussage: "Das müssen wir beschlagnahmen" .....Die laute Aufklärung der weiterwegstehenden Menschen über den gerade anlaufenden Angriff der Staatsgewalt auf verbriefte Grundrechte führte dann zur Aufforderung: "den megaphonartiger Einsatz meine Stimme einzustellen" und als der nichts nützte, die Drohung mich fest- und auf das Präsidium inklusive aller meiner Texte mitzunehmen. Vor den langsam aufrückenden Menschen zogen sich die beiden zur Beratung in den Streifenwagen zurück und entschieden sich für die Beschlagnahme nur der Texte und Bücher und Schreibuntesilien und der sonstigen potentiellen ABC-Waffen, wie etwa noch unbeschriftete Papierbögen, Filzstifte, Klebstreifen, Schere, Taschenmesser (!), einen Spendentopf zur Sammlung von Literaturpreisen usw... ich verstehe schon, wenn Sundermann das alles hätte schreiben wollen, am 13. wäre keine FR- zeitung sondern ein FR-Buch erschienen.

Ironie des "Schiksals": 15 Minuten vor der Polizeistreife erschien unter den Mitlesenden ein türkisches Ehepaar auf Geschäftsreise in Deutschland. Die Frau war begeistert von den Texten und sie und ihr Mann sagten, sie verstünden nicht, warum man sich über die Lage in Deutschland so beschwerte, es sei doch toll, dass man solche Texte hier öffentlich plakatieren und verlesen könne. In der Türkei sei das nicht so, noch lange nicht! Schade, dass die beiden schon wieder weg waren, asl offensichtlich wurde, wie sich diese republik auf die Aufnahme der Türkei in die EU vorbereitet: Angleichung der verfassungsrechtlichen Realitäten ? Nun ja, die türkische Polizei hätte mich gleich mitgenommen und möglicherweise bei der Nachforschung nach Hintermännern nur ein bisschen gefoltert. Aber gekonnt hätten sie es schon. Den Text zu Daschner und seinen Folterproben hatte ich glücklicherweise noch nicht plakatiert und nur als Manuskript und Entwurf in der Jackentasche. Im Buch ist er aber enthalten.