“Das Trauerspiel von Afghanistan” – von Kriegsberichterstatter Theodor Fontane & Oberstleutnant Jürgen Rose

Jürgen Rose
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Liebe Freunde, verehrte Kollegen,

anläßlich der desaströsen Niederlage des Imperiums der Barbarei nebst dessen in Treue fest ergebenen NATO-Vasallen im Globalisierungskrieg am Hindukush übermittle ich im Dateianhang meine am 13. Oktober 2001 vor vielen Tausend FriedensdemonstrantInnen gehaltene Rede, in der ich erklärt hatte: “Dies ist nicht mein Krieg, Herr Schröder!”
Zur Erinnerung: Es war die rot-grüne Bellizisten-Mischpoke, allen voran Gerd Schröder, Joschka Fischer und Peter Struck, welche der “einzigen Weltmacht” Deutschlands “uneingeschränkte Solidarität” für die unter dem Rubrum “Global War on Terror” anstehenden Angriffskriege versichert hatte. Die Opfer dieser bellizistischen Wahnvorstellung gehen in die Hunderttausende. Wie sagte dereinst ein Taliban-Kommandeur? “Ihr im Westen habt die Uhren, wir aber haben die Zeit.” Quod erat demonstrandum!

Mit freundlichen Grüßen,

                                     Jürgen Rose

P.S.:
Eine Petitesse am Rande: Während die Sowjets immerhin nach zehn Jahren Krieg begriffen hatten, dass ein solcher in Afghanistan nicht zu gewinnen war, benötigten die Schwachköpfe im Westen doppelt so lange, um zu dieser eigentlich a priori evidenten Erkenntnis zu gelangen!

Was Jürgen Rose vergessen hat zu erwähnen: spätestens seit 1859 müssten die Herrschenden in Europa und in den USA wissen, dass sie Kriege gegen die Afghanen nicht gewinnen können: (nach der Ballade des Kriegsberichterstatters Fontane folgt die Rede des Bundeswehr-Oberstleutnants Jürgen Rose von 2001)

Das Trauerspiel von Afghanistan – Theodor Fontane

Autor: Theodor Fontane
Werk:
 Das Trauerspiel von Afghanistan
Jahr: 1859
Gedichtform: Ballade

Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält.
„Wer da!“ – „Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.“

„Afghanistan!“ er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:

„Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.“

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all,
Sir Robert sprach: „Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So laßt sie’s hören, daß wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter, blast in die Nacht hinaus!“

Da huben sie an und sie wurden’s nicht müd‘,
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,
Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.

Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.


Kreuzzug gegen den Terrorismus?

Rede auf der Friedensdemonstration in Stuttgart am 13. Oktober 2001

von Jürgen Rose

Sehr geehrte Versammelte, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde!

Sicherlich wird manch einer unter Ihnen sich fragen, was ein Soldat auf dem Podium einer Friedensdemonstration zu suchen hat, handelt es sich nach gängiger Vorstellung doch bei Soldaten um bloße Handwerker des Krieges. Und weiter: Darf denn einer, der üblicherweise als Staatsbürger in Uniform herumläuft, überhaupt so einfach in der Öffent- lichkeit reden? Ja, das darf er, wenn er es als Staatsbürger ohne Uniform tut und deutlich macht, daß er nichts weiter als seine eigene, ganz private Auffassung vertritt – was ich hiermit tue. Und außerdem: Wenn die Bundeswehr beansprucht, ein Spiegelbild der Ge- sellschaft zu sein, dann ist es doch ganz selbstverständlich, daß auch Bundeswehrsolda- ten als Teil dieser Gesellschaft sich angesichts der barbarischen Terroranschläge in den USA und des gnadenlosen Bombenkriegs gegen Afghanistan Sorgen um den Frieden machen.

Doch zurück zur eingangs gestellten Frage nach der Rolle des Militärs. Bereits im Jahre 1951 sagte einer der Gründungsväter der Bundeswehr, der spätere Generalleutnant und Professor des Hamburger Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Wolf Graf von Baudissin: „Welches sind nun die Aufgaben der Streitkräfte? Wir haben ernsthaft und redlich umzudenken und uns bewußt zu machen, daß der Soldat in allererster Linie für die Erhaltung des Friedens eintreten soll; denn im Zeitalter des absoluten Krieges mit seinen eigengesetzlichen, alles vernichtenden Kräften gibt es kein politisches Ziel, wel- ches mit kriegerischen Mitteln angestrebt werden darf und kann – außer der Verteidigung gegen einen das Leben und die Freiheit zerstörenden Angriff.“ Ich teile diese Ansicht un- eingeschränkt. Aber um nicht mißverstanden zu werden: Selbstverständlich muß der mör- derische Terrorismus eingedämmt und beseitigt werden; auch bin ich kein Anhänger fun- damentalpazifistischer Auffassungen. Dennoch habe ich ganz gravierende Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Terrorismusbekämpfung mittels militärischer Gewaltanwendung in der Form, wie wir sie derzeit erleben müssen.

Denn das Töten von Terroristen, Fundamentalisten, Islamisten oder sonstigen Fein- den der zivilisierten Völker und die Vernichtung ihrer eher armseligen, jedenfalls schnell zu ersetzenden Infrastruktur stellt doch nur ein Kurieren von Symptomen dar. Es ändert nicht das Geringste an den Ursachen für das Entstehen von Denkschablonen und Hand- lungsmustern, mit denen fundamentalistische Märtyrer in ihren Heiligen Krieg gegen eine als gottlos und zutiefst ungerecht empfundene Welt ziehen.

Doch anstatt nun innezuhalten, die Folgen bisheriger Weltpolitik der USA zu über- denken und diese gegebenenfalls grundlegend zu ändern, verkündet der amerikanische Präsident einen „Kreuzzug gegen den Terrorismus“, spricht von „jagen“ und „ausräu- chern“, schwört Rache und Vergeltung, fordert in Wildwest-Manier die Auslieferung des Hauptverdächtigen Osama bin Ladins „dead or alive“. Der amerikanische Kongreß erteilt ihm einen Freibrief zum Krieg, nur eine einzige Abgeordnete bringt den Mut auf, dagegen zu stimmen. Und weltweit stimmen die Regierungen in die Kriegsrhetorik ein, unter dem anfänglichen Beifall fast der gesamten Medienlandschaft.

Dabei starben an jedem Tag, an dem die silbernen Türme des World Trade Cen- ter‘s im Licht der aufgehenden Sonne erstrahlten, in der Dritten Welt vierzigtausend Kin- der an den Folgen von Elend, Hunger, Krankheit und Krieg. Vierzigtausend – das sind fast zehnmal soviel Opfer, wie nach dem Attentat von New York zu beklagen sind. Aber hat man jemals davon gehört, daß die Börse an der Wall Street ihren Handel mit einer Ge- denkminute für diese still und leise vor sich hinsterbenden Kinder in der Dritten Welt eröff- net hätte? Natürlich sind Entsetzen, Wut und Trauer über die eigenen Toten stets am größten, aber darf man deshalb den Tod der anderen schlichtweg ignorieren?

Die Rüstungsausgaben der USA erreichen in diesem Jahr die astronomische Summe von etwa 700 Milliarden DM – das entspricht mehr als dem Fünfzehnfachen des deutschen Verteidigungsetats. Diese ungeheuerliche Verschwendung von Ressourcen ist schlechterdings obszön. Nicht allein deswegen, weil die gewaltigste Militärmaschinerie der Weltgeschichte angesichts der eiskalten Rationalität, der kaum überbietbaren kriminellen Energie, der barbarischen Entschlossenheit und der selbstmörderischen Furchtlosigkeit der Täter grandios versagt hat, ja versagen mußte. Sondern vor allem deswegen, weil be- reits mit einem Bruchteil der für militärische Zwecke aufgewendeten Mittel die Ursachen und nicht nur die Symptome terroristischer Gewalt bekämpft werden könnten. Statt des- sen stellt der amerikanische Kongreß umstandslos, quasi aus der Portokasse, über 80 Milliarden DM für eine unsinnige Terroristenhatz mit militärischen Mitteln zur Verfügung. Man stelle sich die Entrüstung derselben Abgeordneten vor, hätte man von ihnen verlangt,

die gleiche Summe für Entwicklungshilfe bereitzustellen. Dabei ist offensichtlich, daß in einem Land wie Afghanistan, in dem seit Jahrzehnten der Bürgerkrieg tobt, Bomben und Raketen das letzte sind, was zur Friedensstiftung beitragen kann. Robert Bowman, der als Kampfpilot der amerikanischen Streitkräfte während des Vietnamkriegs selbst Tod und Vernichtung vom Himmel schickte und heute als Bischof der Vereinigten Katholischen Kir- che in Melbourne Beach, Florida wirkt, geißelt die Kriegspolitik seiner Regierung mit fol- genden Worten: „Anstatt unsere Söhne um die Welt zu schicken, um Araber zu töten, damit wir das Öl, das unter deren Sand liegt, haben können, sollten wir sie senden, um deren Infrastruktur wieder in Stand zu setzen, reines Wasser zu liefern und hungernde Kinder füttern.“ Und er fährt fort mit den Worten: „Kurzum, wir sollten Gutes tun anstelle von Bösem. Wer würde versuchen, uns aufzuhalten? Wer würde uns hassen? Wer würde uns bombardieren wollen? Das ist die Wahrheit, die die amerikanischen Bürger und die Welt hören müssen.“

Nicht Krieg also kann den Frieden bringen, sondern allein Gerechtigkeit. In Ab- wandlung des altbekannten römischen Wahlspruchs muß die Devise demnach lauten: Wenn du den Frieden willst, so diene dem Frieden! Dieser Kampf für den Frieden muß um die Seelen und Herzen der Menschen in den islamischen Ländern geführt werden – doch ist unvorstellbar, daß hierbei Bomben und Raketen zum Erfolg führen könnten. Jede Bombe auf Afghanistan steigert den Haß und die Ressentiments gegen die USA in der muslimischen Welt ins Unermeßliche. Jeder Raketeneinschlag dient der Stabilisierung von Regierungen im Nahen und Mittleren Osten, die durch und durch korrupt, menschen- verachtend und alles andere als demokratisch sind. Doch all dies zählt offenbar nichts, wenn frühere Schurken heute als Alliierte benötigt werden. Die sich zivilisiert nennenden Nationen dieser Welt sollten nicht dem Jargon von Terror und Gegenterror verfallen. An- gesichts der entsetzlichen Katastrophe von New York und Washington und der sich nun abzeichnenden, mindestens so grauenvollen Hunger- und Flüchtlingskatastrophe in Afg- hanistan sollten sie sich statt dessen mit aller Kraft der Verbesserung der unerträglichen politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse in jener Region der Welt zu widmen. Ich habe selbst afghanische Flüchtlingslager im Iran und Pakistan mit eigenen Au-

gen gesehen, das Elend in den Palästinenserlagern des Südlibanon und die unbeschreib- liche Armut der Menschen im Sudan. Zumindest ein Gedanke resultiert aus jenen Bildern, nämlich daß dies die Höllen sind, in denen jene zornigen jungen Männer geboren werden, die nur ein Wunsch beseelt: Ihre Hölle in unsere Hölle zu verwandeln.

Zugleich bin ich im Verlaufe vieler Reisen durch den Nahen und Mittleren Osten

ungezählten Menschen – Männern und Frauen, Kindern und Alten – begegnet, die mir als

„reichem Aleman“ trotz eigener Armut dutzendfach großartige Herzlichkeit und überwälti- gende Gastfreundschaft entgegenbrachten. Es ist an der Zeit, etwas von diesen Erfah- rungen zurückzugeben und wenn es nur ein wenig Solidarität und die Gewißheit ist, daß dieser Krieg nicht mein Krieg ist!

Der Autor, der in diesem Beitrag seine persönlichen Auffassungen vertritt, ist Oberstleutnant der Bundeswehr.

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

2 Gedanken zu „“Das Trauerspiel von Afghanistan” – von Kriegsberichterstatter Theodor Fontane & Oberstleutnant Jürgen Rose“

  1. Lieber Rainer, bevor wir die Großbäckerei wieder in eine n volkseigenen Berieb verwandeln, müssen wir erst wenige kleine Brötchen backen. Bzahlte Kabarett-Veranstaltungen, Lesungen und Konzerte waren Dank attac und RLS eh schon selten geworden und sind jetzt mit der Corona-Ausrede auch gut für “nicht möglich” erklärbar. Ich mache Straßen-Kabarett, Kabarett in Wartesälen der Arztpraxen und Kliniken und Schlangen vor den Kassen, beim Schwimmbadbesuch, wo man viele Menschen treffen kann, auch zwangsmaskiert im ÖPNV und bei meinen Fahrten zum Einkaufen auf den Radwegen, in der Nachbarschaft. Ich spreche die Menschen, besonders die abhängig Beschäftigen offensiv-direkt an, beginne oft mit Kalauern, die sich auf die aktuelle Nachrichtenlage beziehen, die schon richtungserkennbar sind, aber nicht “missionarisch”. So die Biden-Lieferung von fastabgelaufenen Impofdosen nach Haiti oder eine Millionen deutsche CORONA-Masken nach Griechenland gegen Rauchgasvergiftung. Das bringt zwar selten etwas Klingelbeutel-Geld, aber es entwickeln sich wunderbare Gespräche, neue Kabarett-Nummern, weil die Leute so toll einsteigen. 95% Zustimmung, 4 % gute Debatten mit schon/noch Corona-Gläubigen und nur 1% aggressive Reaktionen von Drosten-Jüngern und Wieler-Schülern. Und dabei sind die Meisten mit hoher Vor-Ein-Bildung. So erreiche ich täglich zwischen 20 und 200 Menschen. Und das nicht virtuell sondern analog. Dazu kommen meine texte im Internet, die täglich von 500 bis 2000 Menschen weltweit abgerufen werden. Viele lesen mehrere Texte pro Tag. Dienstlich werden im Durchschnitt von 5 bis 10 Schlapphüten in Deutschland, Irland, Norwegen, Schweden, Israel, Südafrika, USA, Ukraine, Rumänien, Estland, Litauen oder von Al Gore-Rhythmen 2000 bis 5000 Artikel aufgerufen. Die zivilen Besuche und Abrufe pendeln sich so um die 1000 täglich ein. Was fehlt, sind Basis-Strukturen, die uns handlungsfähig machen und wirkliche “Volkshochschulen”
    Ganz liebe rote Grütze, Dein Hartmut

  2. Lieber Hartmut, erneut meinen brüderlichen Dank für Deine Post. Auch ich versuche, meine Mitbürger zu ermutigen, aber weit und breit bin ich der Einzige in meinem Landkreis Oder-Spree, der es versucht. Neuerdings gibt es ein Netz “Aufstehen” mit einigen hundert followern im Bundesland Brandenburg, doch auch diese müssen erst angefeuert und zum praktischen Handeln befähigt werden. (In Berlin ist man schon ein Stück weiter.) Auch ich (geb. 1930) mache weiter in meinem 91. Lebensjahr, denn es muss uns doch gelingen!!! Ich habe auch Bücher gemacht zur Problematik, doch sie werden von Partei-Linken nicht gelesen. Offenbar müssen wir beide – Du und ich – vor allem versuchen, wie wir an breitere Massen herankommen. Es muss uns doch gelingen!!!! Brüderlichen Gruß von Rainer Thiel http://www.rainer-thiel.de

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