Zum britischen Afghanistan-Krieg berichtete Fontane als Kriegsberichterstatter für die Preußen. (siehe hier am Ende vom Anfang bis zum End vom Lied: „Das Trauerspiel von Afghanistan“)
Leider hat Fontane zum britisch-russischen Krimkrieg 1853 nichts geschrieben. Dafür macht wikipedia einen herrlich bebilderten Krim-Kriegsbericht aus westlicher Sicht, der das vermutliche Mark Twain-Zitat „Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich!“ voll bestätigt: Krimkrieg – Wikipedia.
Schon 50 Jahre zuvor dachte ein kleiner GRÖWAZ, ein Größenwahnsinniger Heerführer, Moskau, die Krim, die Ukraine wären seine wie 1853 die westliche Allianz unter Führung der britischen Krone es auch meinte. 60 Jahre später der nächste „germanische“ GRÖWAZ und dann noch Mal keine 25 Jahre später ein GRÖWAZ vom „Unternehmen BARBAROSSA“, der über 20 Millionen Russen „ausmerzte“.
Wieviel Millionen Chinesen, Koreaner usw. der japanische GRÖWAZ & wie viele die US-GRÖWAZe mit den Atombomben & im Indochina-Krieg die franzUSischen GRÖWAZe ausgemerzt haben? Indonesien noch dazu! Allein die Aufzählung würde hier die Seite sprengen.
Was können wir daraus lernen?
Im Krim-Krieg von 1853-56 waren allein die britischen Verluste (ca. 220.000 Mann) so hoch, dass notgedrungen die Verletzten wieder einsatzfähig gemacht werden mussten. Das war die Geburtsstunde des „Roten Kreuzes“, des Red Cross der Florence Nightingale, die sonst -wie ihre Kolleginnen und Kollegen nicht die geringste Chance gehabt hätte: solang nämlich die britische Krone aus dem Vollen des Kanonenfutters schöpfen konnte, waren die Verluste schneller und billiger zu ersetzen, als durch das teure Red Cross Recyclingverfahren „Nightingale“.

Auf russischer Seite war das auch nicht anders: die russische Armee hatte nach westlichen Angaben Verluste von ca. 450.000 Mann. Weil auf beiden Seiten sogar die Zuchthäuser fast leer-rekrutiert waren, Schnellausbildung und Transport des Kanonenfutter-Nachschubs kostspielig und zu zeitaufwendig waren, wurde sowohl auf westlich-britisch-französisch-italienisch-osmanischer Seite als auch auf der russischen das Reparaturwesen ausgebaut.
So rekrutierte Zar Nikolaus I. nicht nur zur Betreuung des Offizierskorps und zur Pillen- & Trostpflästerchenvergabe an die Mannschaften medizinisch ausgebildetes Personal, wie den lettisch-livländisch-baltischen Arzt Dr. Gaethgens:

Der Zar verlieh ihm wegen seiner Verdienste im Krim-Krieg den (untersten) russischen Landadelstitel (ohne „von & zu“), der aber zumindest dafür ausreichend war, ein Grundstück zu erwerben, ein Haus zu bauen und -da jetzt geadelt- in den deutsch-baltischen Adel aufzusteigen- und seine angehimmelte Baronesse von Vietinghoff-Scheel endlich heiraten zu dürfen.


Die „Abgestiegene“ Ex-Baronesse links und der „Aufgestiegene“ Dr. Gaethgens (3. v.rechts) im Kreise seiner Kinder und Enkel ca. 1904 im Garten seines (heute noch stehenden) Arzthauses in Wenden bei Riga. Der Kleine im Mittelpunkt mit Kadetten-Mütze, Paul Gaethgens wird später mal als Oberstleutnant i.G.& Verbindungs-Offizier zwischen Mussolini und Adolf Hitler & als Quartiermeister des Nordatlantikwalles in Norwegen Verantwortlicher für die Ermordung von 20.000 sowjetischer Kriegsgefangener (15.000 mit „Vernichtung durch Arbeit“, 5.000 Überlebende durch Exekution 1944)

Oberstleutnant i.G. Paul Gaethgens bei der Inspektion der Nord-Afrika-Front zwischen Mussolini und Göring
Theodor Fontane:
Das Trauerspiel von Afghanistan
Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
“Wer da?” – “Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.”
Afghanistan! Er sprach es so matt,
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.
Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie Iabt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:
“Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.
Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.”
Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all’,
Sir Robert sprach: “Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.
Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So laßt sie’s hören, daß wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter blast in die Nacht hinaus!”
Da huben sie an und sie wurden’s nicht müd’,
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.
Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,
Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.
Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.
Der Schriftsteller Theodor Fontane (1819 – 1898) leitete in London als Auslandskorrespondent 1855 – 1859 die im Auftrag des preussischen Ministerpräsidenten Otto Freiherr von Manteufel erscheinende deutsch-englische Korrespondenz. Mit dieser Ballade beschreibt er 1857 den katastrophalen Ausgang des ersten der drei anglo-afghanischen Kriege (1839 – 1842). In diesem Konflikt versuchten Briten und Russen die koloniale Vorherrschaft in Zentralasien zu erringen.