Wie der linke Dr.Dr. Kahl den Kapitalismus lieben lernte

Aus dem öffentlichen Briefwechsel über die Freidenker-Liste zwischen Andreas Krödel, Dr.Dr. Joachim Kahl und HaBE u.a.

Sehr geehrter Herr Krödel,
Dank, dass Sie Ihren Krankenhausaufenthalt so produktiv zur Lektüre meines Buches “Weltlicher Humanismus” und kritischen Auseinandersetzung damit genutzt haben! Ich hoffe, Sie sind inzwischen wieder komplett hergestellt. Bedauerlicherweise hatte wir einen Computerdefekt, aber jetzt habe ich Sie über die Telefonauskunft doch erreicht.Ihren langen Text als e-Mail-Anhang hatte ich mir glücklicherweise neulich gleich ausgedruckt.Eine so ausführliche Zusammenfassung meiner Gedanken durch einen privaten Leser habe ich bisher nicht erfahren, das spricht alles sehr für Ihr gesteigertes geistiges Interesse. Hut ab, wenn Sie schreiben, Sie seien Elektromonteur. Allerdings ist es mein Bestreben, für Menschen aller Bildungsgrade verständlich zu schreiben.Bitte verstehen Sie, dass ich nicht im einzelnen auf Ihre Gesichtspunkte eingehen kann. Das würde ins Uferlose führen und zur Verzettelung meiner Arbeitskapazitäten.

Nur ein Wort zum “Kapitalismus”, in dessen Beurteilung wir in der Tat wohl am tiefsten auseinandergehen. Wie Sie aus dem letzten Kapitel entnehmen konnten, habe ich auch eine lange antikapitalistische Entwicklungsphase durchgemacht. Ich habe aber inzwischen eingesehen, dass alle Alternativen hinter die materielle und geistige Produktivkraft des Kapitalismus zurückfallen und – bei aller bleibenden ständigen Reformierbarkeit – allen Menschen den größten Anteil an Wohlstand und Freiheit einräumen (wenn auch in unterschiedlichem Maße). Bitte fragen Sie sich, weshalb niemand freiwillig in die DDR übersiedeln wollte, wohl aber die meisten DDR-Bürger gerne die BRD-Verhältisse haben wollten, wie es dann ja auch historisch gekommen ist. Und die Bootsflüchtlinge aus Afrika wollen nach Europa, aber kein Europäer will freiwillig nach dort umsiedeln…

Mit guten Wünschen grüße ich Sie freundlich: Ihr Joachim Kahl.

Sehr geehrter Herr Professor erm. Dr. Dr.Kahl,
Ihr spätes outing als Freund des Kapitals – resp. des Kapitalismus als die beste der praktikablen Möglichkeiten, bzw. ihre Wende hin zum solchen verstärkt meine Überzeugung dass es subjektiv gewollte wie objektive Wirkungen des “linken” Christentums gleich welcher Prägung gibt – aber das ist jetzt ein anderes Thema und tut eventuell vielen integren religiösen Menschen auch in den Kirchen Unrecht.
Bei langen Strecken Ihrer Argumentation für den Kapitalismus ist Ihr Name anscheinend Programm: dürftig, dürre bis kahl.
An manchen Stellen ist die “Argumentation” selbst von der BILD-Zeitung nicht mehr an dümmlichster bis zum Rassismus hinreichender Hetze zu überbieten: lassen wir Mal das erreichte Ziel des gesamten US-dominierten Westens aus dem Spiel, den Ostblock totzurüsten und den Fakt, dass es ganz viele verschiedene Faktoren gab, dass die DDR bei der (teilweise ins Selbstmörderische driftenden) Konsumorientierung nicht mithalten konnte …
Ihre Argumentation bezüglich der Boatpeople aus Afrika ist wirklich nicht zu toppen:
Kolonialismus und Neokolonialismus und die auf der Nordhalbkugel (nicht nur kapitalistisch) betriebene Umweltzerstörung verwüsten den ganzen Kontinent, zerstören massenhaft z.b. bäuerliche und nationale-regionale Wertschöpfungsoptionen und dann kommt Ihre superintelligente Argumentation: die Afrikaner wollen alle nach Europa und kein Europäer will freiwillig nach Afrika.
Nun ja, einige der deutschen Jungs, die nach der Bagdad-Bahn und der Pirsch des Wüstenfuchses mit dem Tiger an das Öl heran jetzt die Kongo-Bahn durch den SüdSudan bis nach Somalia ermöglichen sollen und nicht Trinkwasserbrunnen bohren wie noch unter VerteidigungsStolperMinister-Volker Rühe bei Belethuen, sondern Schürfrechte in Darfur sichern, gehen schon zum Teil freiwillig – was bringts denn schon etwa einen Schwarzen (nein keinen Bürgermeister – einen Asylbewerber oder einen “Neubürger”) durch Lüdenscheid zu jagen – doch gar nix.
Ich hoffe, Sie kommen demnächst wieder zur Besinnung !
freundliche Neujahrsgrüße
und leider etwas in Eile – und deshalb etwas kurz angebunden
Hartmut Barth-Engelbart
Liebe FreidenkerINNEN,
jemand hat geschrieben, Andreas Kördel habe zu aufgeregt reagiert.
Echauffiert reagiert hat nicht Andreas Kördel sondern ich habe mich eventuell etwas im Ton vergriffen ob meiner Erregung – Aufregung über die Kahlschen Ungeheuerlichkeiten. Doch lässt man sich die einzelnen Zeilen des Kahl-Briefes an Andreas Kördel noch Mal durch den Kopf gehen stecken da noch ganz andere Sachen drin:
Hut ab, wenn Sie schreiben, Sie seien Elektromonteur. Allerdings ist es mein Bestreben, für Menschen aller Bildungsgrade verständlich zu schreiben.”
was dem professoralen DoppelDoktor nicht in den Schädel will ist die Tatsache, dass die DDR (- ihr Schul- ihr gesamtes Bildungssystem, eingeschlossen die einzelnen IndustrieKombinate, die LPGen usw.) bewusst sehr umfassend humanistisch-allgemein und eben nicht nur fachlich gebildete Arbeiter, lesende Arbeiter, selbständig denkende ArbeiterINNEN geschaffen hat, und damit auch sehr wache KritikerINNEN, deren gemeinsame Lebenswerke durch die Firma Breul und Co abgewickelt, abgerissen, verschleudert – (sehr wohl auch durchaus im Kapitalismus “konkurrenzfähige Betriebe”) und ihre Schöpfer in Armut, Abhängigkeit und auch kulturelles Elend getrieben haben. Niemand wollte in die DDR? Ich hatte Einreiseverbot ! Soll der Herr Professor Kahl doch Mal die kahlgeschlagenen Reviere nicht nur an der polnischen Grenze besuchen und zählen, wer sich dort länger den Segnungen des Kapitalismus aussetzen will – freiwillig ? Heute hier morgen dort. In Brüssel schließt VW, das tut in Köln nicht weh, und ist Morgen Ford fort, schaffst du an nem andern Ort, und ist auch dort der Ofen aus, peter HARTZ wärmt dich zuhaus, macht in München Siemens dicht, gibts bei AUDI Lohnverzicht, ….. für Postbeamte selbst für Lehrer wird Arbeitsmarkt zum Herzinfarkt und immer leerer & prä(straßen)kehrer
Noch ist der Kahl nicht siebzig
wir hoffen Mal das gibt sich !!!
Schöne Grüße
Hartmut Barth-Engelbart

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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