Nicht flüstern, nicht schreien,
Man könnte das Beschriebene wie opa-kranich zionistischen Faschismus nennen. Ich poste den Text Ezzedeen Shehabs hier nicht für die dienstlichen drei Viertel meiner Mitlesenden zwischen Ashburn/Virginia und Burghausen/Bayern, Brandenburg/Brandenburg, Falkenstein/Sachsen …. und ihre Al Gore-ythmen – sondern für das zivile Viertel zwischen Californien & Krasnojarsk, Aachen & Zittau, Kairo & Kapstadt …
„Ich habe versucht zu schreiben. Ich schwöre, ich habe es getan. Seit gestern sitze ich mit dem Stift in der Hand da, aber die Worte, diese verräterischen, zitternden Dinge, wollen einfach nicht kommen. Was schreibt man aus der Hölle? Welche Sprache bleibt übrig, wenn jede Silbe von Blut und Verrat getränkt ist?
Heute Morgen habe ich einen Mann am Straßenrand gesehen.
Er weinte nicht.
Er hat nicht gebetet.
Er saß da wie ein verwaister Prophet und starrte zum Himmel, als wolle er fragen: Warum hast du uns verlassen?
Zuerst bewegten sich seine Hände sanft, fast zärtlich, wie die eines Kindes, das wieder beten lernt, nachdem es die Worte vergessen hat. Dann plötzlich, heftig, schlugen sie in die Luft. Er schrie, stritt, flehte, nicht mit Menschen, sondern mit Gott selbst, als ob der Himmel noch immer erröten könnte.
Und ich stand da und sah zu und schämte mich. Scham nicht, weil er glaubte, sondern weil ich es nicht mehr tue.
Sie sprechen jetzt offen, nicht im Flüsterton, nicht in geheimen Dokumenten, sondern mit unerschütterlichem Stolz, davon, uns alle zu entfernen. Nicht metaphorisch. Nicht langsam. Sondern vollständig. Als wären wir Verwesung, etwas, das aus der Geschichte gestrichen werden muss. Gaza, sagen sie, müsse geleert werden. Gaza, sagen sie, sei ein militärisches Problem, keine Heimat. Und wir seien nichts weiter als Figuren in einer Strategie, Geister in der Siegesrede eines anderen.
Und die Welt?
Ach, die Welt ist zu einer Faust geworden. Kalt. Eng. Gleichgültig. Sie schließt sich um uns, nicht aus Wut, sondern aus Langeweile. Wir sind keine Tragödie mehr. Wir sind eine Statistik, eine Randnotiz, ein Ärgernis.
Der Himmel gehört uns nicht. Er ist nicht mehr blau. Er ist aus Stahl. Er ist Hunger. Er summt, ist vergiftet, erfüllt vom Atem der Drohnen, die nicht schlafen. Sie durchdringen sogar unsere Gebete.
Wir sind nicht die Lebenden. Wir sind nicht die Toten. Wir sind das Dazwischen, Rauch, der an Trümmern klebt, Seelen ohne Sehnsucht, wandelnde Leichen, die immer noch vorgeben, Väter, Töchter, Ärzte, Liebhaber zu sein.
Und ja, ich bin der Mann am Straßenrand. Aber ich hebe meinen Blick nicht mehr. Was soll das? Gott hat uns den Rücken zugekehrt, oder, was noch schlimmer ist, er schaut schweigend zu.
Verstehen Sie, was es bedeutet, vom Himmel zum Schweigen gebracht zu werden?
Ich sage euch: Das schlimmste Leid ist nicht der Tod. Es ist das Bleiben, das Bezeugen, das Schreien ohne Echo. Zu wissen, dass man einst ein Mensch war und nun eine Lektion oder, schlimmer noch, eine Warnung ist.
Und noch immer trauern wir um uns selbst.
Nicht mit Tränen.
Tränen sind für diejenigen, die an die Auferstehung glauben.
Wir trauern, wie der Staub um den Wind trauert.
Wir trauern im Stillen, weil wir wissen, dass es bald vielleicht niemanden mehr geben wird, der sich daran erinnert, dass wir jemals hier waren.
Lieber Ezzedeen, ich habe Dich gestern vermisst -bei der Geburtstagsfeier, wo die Kinder unbeschwert spielten, die Erwachsenen in Hof, Garten & Scheune feierten & scherzten & tanzten & bewusst nur den Regen befürchteten & Wespenstiche, was die Freude getrübt hätte. Es hat nicht geregnet. Nur ein Kind wurde von einer Wespe gestochen. Ich habe den Geburtstagsgästen Deinen Text nicht vorgetragen. Doch etwas weiter hinten & unten in der Tiefe der Köpfe und Herzen lauerte unmerklich die Drohung in Himmel & Hirn: was wird aus uns, was wird aus unseren Kindern, wenn wir es weiter so laufen lassen, wie es läuft?
Ich habe nicht ganz geschwiegen, ich kann immer schwerer schreiben, aber ich werde weiter schreiben und weiter sagen, was ist.
Nicht flüstern, nicht schreien