15. Februar 2023
von Assoc. Prof. Dr. Stephan Sander-Faes
3,8 Minuten Lesezeit
Nun haben wir es also „amtlich“: NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg gab gestern (14. Feb. 2023) zu, dass „Russlands unprovozierter Angriffskrieg“ seitens des westlichen Militärbündnisses 2014 (!) begonnen hat. Die Implikationen sind ungeheuerlich: für rund ein Jahr haben alle westlichen Regierungen gelogen, dass sich die Balken biegen. Für rund ein Jahr haben so gut wie alle westlichen „Leit- und Qualitätsmedien“ ebenso gelogen. In beiden Fällen entweder aus Unwissen – oder mit Vorsatz. Zeit für Rücktritte, Untersuchungsausschüsse, Gerichtsverfahren wegen Hoch- und Landesverrat und eine aufrichtige Entschuldigung an die Menschen in der Konfliktregion. Und an Russland.
Der russische Revolutionär Vladimir Lenin sagte bekanntlich, dass es Jahrzehnte gebe, in denen nichts geschehe; aber es gebe auch Wochen, in denen Jahrzehnte passieren. Ich denke, dass wir möglicherweise vor so einem Moment stehen. Hier ist, was gestern im Vorfeld des NATO-Gipfels im Rahmen einer Pressekonferenz mit u.a. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel geschehen ist (meine Übersetzung und Hervorhebung; das Original finden Sie hier):
Lorne Cook (Associated Press)
Der Krieg nähert sich praktisch der Ein-Jahres-Marke, und ich frage mich, ob Sie irgendwelche Gedanken darüber haben, wie das die NATO und insbesondere Ihre Arbeit verändert hat, und ob dies eine Arbeit ist, die Sie weiterhin machen wollen, wenn wir zum nächsten Gipfel in Vilnius kommen.Jens Stoltenberg (NATO-Generalsekretär)
In gewisser Weise hat er die NATO nicht verändert. Er hat nur gezeigt, wie wichtig die NATO ist und wie wichtig sie war. Tatsächlich hat die NATO seit 2014 die größte Verstärkung der kollektiven Verteidigung seit einer Generation durchgeführt, denn der Krieg begann nicht erst im Februar letzten Jahres. Er begann im Jahr 2014 [im Orig.: because the war didn’t start in February last year. It started in 2014]. Und das löste eine große Anpassung unseres Bündnisses mit höherer Bereitschaft der Streitkräfte, mit mehr Präsenz im östlichen Teil des Bündnisses, mit mehr Übungen aus.
Die Pressekonferenz können Sie hier auch nachsehen (ja, auf Youtube, aber das Material – das oben verlinkte Transkript und dieses Video stammen von der NATO selbst; der o.a. Abschnitt beginnt beim Zeitstempel 28:20):
„Der Krieg begann…im Februar 2014“
Nun ist es also offiziell: die russische Version (sic) des Ukraine-Konflikts ist offenbar näher an der Realität denn diejenige, die wir von allen Regierungen des Wertewestens seit den Schüssen auf dem Maidan-Platz im Februar 2014 gehört haben.
Ebenso amtlich haben wir nun, dass virtuell die gesamte Journalistenschar der „Leit- und Qualitätsmedien“ seit einem Jahr Unwahrheiten und billige Propaganda betreibt. TKP-Leser wissen seit geraumer Zeit darüber Bescheid (siehe etwa hier und hier), dass die westliche Militär- und Wirtschaftshilfe auf einer großen Lüge basiert.
Es führt kein Weg daran vorbei, sich dieser Tatsache bewusst zu werden, ungeachtet der „Qualifizierungen“ von Stoltenberg, die dieser kurz danach auf Nachfrage des ZDF brachte:
Denn wie wir nach 2014 gesehen haben, war die Ukraine nicht in der Lage, einen zweiten Angriff abzuwehren. Russland griff ein und annektierte illegal die Krim, und ein paar Wochen oder Monate später drangen sie in den östlichen Donbass ein. Und dann ging der Krieg viele Jahre lang auf und ab, bis es schließlich zur vollständigen Invasion kam.
Rücktritte und Gerichtsverfahren wegen Hochverrat müssen folgen
Die Regierungen des Wertewestens haben ihre Bürger angelogen, und dies ist offenkundig entweder aus Unwissen oder mit Vorsatz geschehen.
Rücktritte sind das Mindeste.
Die Regierungen haben ihren Amtseid gebrochen, Schaden von den Völkern abzuwenden.
Untersuchungskommissionen und Gerichtsverfahren wegen Hoch- und Landesverrat sollten folgen.
Die „Leit- und Qualitätsmedien“ des Wertewestens haben sich als wenig mehr denn Sprachrohre für die Regierungslinie entpuppt. Auch hier halten wir fest, dass dies entweder aus Unwissen oder mit Vorsatz geschehen ist.
Es ist also an der Zeit, jegliche Unterstützung für diese Unternehmensgruppen einzustellen. Es ist wohl offensichtlich, dass die „Leit- und Qualitätsmedien“ des Wertewestens daraufhin wohl alsbald ihre Propaganda-Tätigkeiten einstellen werden.
Ob es Zufall ist, dass heute der 15. Februar ist, ein wahrlich geschichtsträchtiger Tag an dem 1848 der „Völkerfrühling“ auf den Straßen von Paris seinen Ausgang genommen hat?
2022, 2023, 2024, 2025 — süß klingelt’s in den Kassen von den Bossen und den Tüten von deren Genossen. Vier wundersame Bescherungen, viermal NATOd-Endsiegtraum unterm Tannenbaum!
Oh, welche Lust,
an freier Luft,
den Atem frei zu heben.
Nur hier ist Leben!
So Beethovens Gefangenenchor in Fidelio. Ganz wundersam lustvolle und freie Bescherungen auch schon 2020 und 21. Hatten wir doch:
Oh, welche Lust,
an freier Luft,
Schlange zu stehen vor dem Impfzentrum. Um lustvoll solidarisch den Arm freizumachen, den rechten oder den linken. Konnte man sich frei aussuchen. Und geschmettert ward mit voller Lust aus freier Brust und mit Bratwurstduft:
Oh, Coron-ach,
Oh, Coron-ach, die
WeHaOh füllt
Scheun‘ und Faß!
Sechs fette Jahre der wundersamen Errettung der Kassen und der Tüten! Nach den Festtagen wird nun aber einmal geredet werden müssen über den Unterschied von Statistik und Wahrheit. „Statistisch durchschnittlich intelligent“ bedeutet in Wahrheit „lebenspraktisch blöde“: Es versteht der große Durchschnitt das nicht mit Kapital und Lohnarbeit bzw. versteht er das mit dem Produktivitätsanstieg und dem tendentiellen Fall der Profitrate nicht. Obwohl es ganz durchschnittlich simpel ist: Wer billiger herstellt, muß billiger verkaufen! Und verdient dann auch weniger.
Geee-nauuu, alles streng geheim, kam in der Schule nie vor und wird auch von Experten nicht verraten, ist zu shocking: Produktivitätsanstieg ist, wenn mit immer weniger Menschen immer billiger produziert wird, deshalb immer weniger Geldgewinn gemacht wird und immer mehr Menschen immer weniger Arbeit, und so dann auch immer weniger Geld haben, um sich was zu kaufen. Weswegen immer mehr produziert werden muß, immer mehr und mehr. Hauptsache Geld ausgeben und irgendwas arbeiten!
Aber hat einen Haken. Am Ende würde es allen dann nicht nur gut, sondern so sehr gut gehen, daß sie nicht mehr fleißig arbeiten wollen würden. Und damit die Welt dann nicht untergeht, müßte Zwang angewendet werden.
Und da ist es doch viel besser, garnicht erst immer mehr Geld auszugeben, damit wieder mehr Geldgewinn und mehr Lohn hereinkommt. Und stattdessen besser von vornherein Zwang anzuwenden. Oder Wege zu finden, die wachsende Zahl der nicht mehr fleißig produzieren Könnenden oder Wollenden zu verringern bzw. diese zu beseitigen. Oder man tut beides, zwingen und beseitigen!
Ja, verdammt, ja: Vielleicht deshalb die jetzt schon im sechsten Jahr große Bescherung!
Im Schweiße seines Angesichtes soll Adam… ; und unter Schmerzen soll Eva… . Von Produktivitätsanstieg war da keine Rede, bitteschön! Ja, die Menschen sind schon ganz schön bescheuert geworden im Laufe der Zeit. Wollen immer Spaß haben und strengen sich nur an, wenn sie es müssen. Da muß aber einmal richtig für Ordnung gesorgt werden! Zum Nutzen und Wohle und Glücke aller Frommen aber gibt es Heil und Rettung noch: Kriege und Katastrophen!