Robert Fitzthum in overtone

Im Zusammenhang mit der völkerrechtswidrigen Aggression der USA und ihres Verbündeten Israel gegen Iran sowie den iranischen Reaktionen auf amerikanische, kriegsunterstützende Einrichtungen in den Golfstaaten, kursieren in den Medien zahlreiche Fehlannahmen zur Rolle Chinas. Sie beruhen teils auf Informationsmangel, teils auf unrealistischen Einschätzungen, teils auf gezielten Verzerrungen.
Es wird in westlichen Medien manchmal behauptet, dass China sich nicht explizit gegen die Angriffe der USA und Israels gestellt hat. Das ist falsch. China hat den Militärschlag der USA und Israels gegen den Iran scharf verurteilt. Der chinesische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Fu Cong bezeichnete die USA ausdrücklich als den „Urheber der Iran-Krise“. Er warf den USA vor, durch ihren einseitigen Austritt aus dem Atomabkommen und den Militärschlag die diplomatischen Bemühungen zunichtegemacht zu haben.
Der chinesische Außenminister Wang Yi rief auf der Pressekonferenz anlässlich der beiden Kongresse im März 2026 in Beijing in Bezug auf die Angriffe auf den Iran zu einem sofortigen Stopp der militärischen Operationen auf und forderte von allen Seiten, „so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren“. Die Angelegenheiten im Nahen Osten sollten von den regionalen Ländern unabhängig entschieden werden, sagte Wang. “Eine Farbrevolution zu planen oder einen Regimewechsel zu suchen, wird keine Unterstützung finden“, meinte er. China hat eine umfassende diplomatische Initiative gestartet um zur Deeskalation beizutragen.
„Den Sack schlagen, aber den Esel meinen“
Viele Journalisten sehen die Welt nur mehr geopolitisch überhöht und nehmen an, dass die Angriffe auf Venezuela und Iran in Wirklichkeit gegen China gerichtet sind.
Die Argumentationen laufen so:
- Die USA benutzen den Angriff auf Venezuela und Iran, um China von Öllieferungen abzuschneiden
- Die USA hoffen, China daran zu hindern, Renminbi zu verwenden, um Chinas Ölimporte zu begleichen und versuchen die Hegemonie des US-Dollars aufrechtzuerhalten
- Die USA unterwerfen zuerst Chinas Freunde (nächster Kuba), nähern sich schließlich Schritt für Schritt und knüpfen sich schließlich China vor
Warum denken viele Journalisten und Freunde so? Erstens wird die Stärke Chinas grob unterschätzt und gleichzeitig überschätzen viele die Stärke der USA und glauben die großspurigen Worte des Maulhelden Trump über die beste Armee der Welt.
Viele überschätzen auch Trumps strategische Kalkulationen und geistige Fähigkeiten, er ist bekannt für kurzfristige einfache Sichtweisen. Es geht ihm darum, eine für die USA und Israel akzeptable Regierung im Iran zu installieren, über die er die Ölressourcen kontrollieren, den Einfluss der USA im Mittleren Osten aufrechterhalten und die (eingebildete) Bedrohung durch den Iran für den Statthalter Israel vollständig beseitigen kann. Er spricht auch schon wieder von der Zusammenarbeit Saudi-Arabiens mit Israel.
Es ist zwar sicher so, dass die USA seit Obama Chinas Aufstieg behindern und verhindern wollen, aber nicht alle Handlungen der USA sind auf China gemünzt.
Iran zeigt: „Die USA ist ein Papiertiger.“
Mir fällt in diesem Zusammenhang das berühmte Zitat von Mao Zedong aus dem Jahr 1956 ein: „Die USA ist ein Papiertiger. Sie ist politisch schwach, weil sie sich von dem breiten Volk entfernt, niemand mag sie, auch nicht das amerikanische Volk. Sie ist äußerlich stark, aber in Wirklichkeit nicht furchterregend – ein Papiertiger.“
Man sieht ja schon im Krieg gegen den Iran, dass die USA zwar zu Beginn furchterregend ausschauten, Zerstörungen anrichten, aber nicht imstande sind den Iran zu besiegen. Washington erleidet schwere materielle und finanzielle Verluste, die die Fähigkeit weitere Kriege zu führen stark reduzieren. Die USA verlieren auch durch extrajustizielle Hinrichtungen (also Morde) von Führungspersönlichkeiten anderer Länder und grausame Bombardements von Schulen und Spitälern weltweit an Ansehen und Soft Power.
Die USA ist als Supermacht auf dem Weg des Abstiegs, ist nicht mehr am Gipfelpunkt der Stärke. Es gibt immer mehr Widerstand gegen die amerikanische Politik, aber der Abstieg ist ein langsamer Prozess und die USA werden beim Versuch den Abstieg aufzuhalten leider noch viel Unheil in der Welt anrichten bis sie mit ihrer aggressiven Macht am Ende sind.
Welche Bedeutung hat Iran für China?
Zuerst muss man festhalten, dass China und Iran keinen militärischen Unterstützungspakt abgeschlossen haben, es gibt für China keine rechtlichen Verpflichtungen auf Seiten Irans militärisch einzugreifen und ist auch, nach vorhandenen Informationen, von der iranischen Regierung nicht zum Eingreifen aufgefordert worden. Abgesehen von rechtlichen Nicht-Verpflichtungen ist ein Eingreifen faktisch nicht möglich. China hat keine Flottenpräsenz in der Region, keine Flotten- und Militärstützpunkte, keine Waffenlager, keine Logistikzentren. Wie sollte ein erfolgreiches Eingreifen konkret aussehen? Ein Ding der Unmöglichkeit. China setzt übrigens Truppen im Ausland nur auf Beschluss des UN-Sicherheitsrats, zum Schutz chinesischer Handelsrouten oder zum Schutz (Evakuierung) chinesischer Staatsbürger bei Konflikten ein.
Die Beziehungen Chinas mit dem Iran sind einerseits wirtschaftliche, andererseits politisch-diplomatische, wenn es um die Zusammenarbeit in internationalen Organisationen für eine neue multipolare Weltordnung, eine Aufwertung des Globalen Süden geht.
Man liest in schlecht informierten Zeitungen von einer Abhängigkeit Chinas vom Import iranischen Erdöls. Das ist völlig falsch, nur ca. 14% der chinesischen Erdölimporte kommen aus dem Iran, Iran ist nur an dritter Stelle der Erdölimporteure.
Intensive Beziehungen Chinas mit den Ländern des Golfkooperationsrats
Wenn man die Wirtschaftsbeziehungen betrachtet, sind für China Saudi-Arabien und die Golfstaaten, vor allem die Emirate, wesentlich wichtiger als Iran. Das Außenhandelsvolumens Chinas mit Saudi-Arabien und den VAE ist mehr als doppelt so hoch wie mit Iran. Saudi-Arabien ist Chinas größter Öllieferant, Iran nur an dritter Stelle, und es besteht eine Umfassende Strategische Partnerschaft mit einer hohen Umsetzungsrate. Die kumulierten Investitionen chinesischer Unternehmen in Saudi-Arabien und den Emiraten sind 6 mal so hoch wie im Iran. Viele tausende chinesische Firmen sind in Saudi-Arabien aktiv. Warum ist das so? Weil dort das Geld vorhanden ist.
Diese im Westen überraschend übersehenen Fakten machen auch verständlich, warum China, über den Grundsatz der friedlichen Lösung von Konflikten hinaus, Interesse an einem Waffenstillstand hat.
Chinas Globale Sicherheitsinitiative (GSI)
Da Entwicklung ohne Frieden und Sicherheit nicht möglich ist und die Welt von vielen Krisen erschüttert wird, wurde von China 2022 die ‚Globale Sicherheitsinitiative‘ (kurz GSI) ins Leben gerufen. Mehr als 100 Staaten und Organisationen unterstützen diese Initiative.
Das Wesen dieser neuen Vision von Sicherheit besteht darin, ein Konzept der gemeinsamen Sicherheit zu befürworten, das die Sicherheit jedes Landes respektiert und schützt und nicht nur der stärksten. Es ist ein Bekenntnis zur Zusammenarbeit, zur Schaffung von Sicherheit durch politischen Dialog und friedliche Verhandlungen.
Wesentliche Prinzipien der GSI sind:
- Verpflichtet bleiben die Souveränität und territoriale Integrität aller Länder zu respektieren
- Verpflichtet bleiben der Einhaltung der Ziele und Prinzipien der UN-Charta
- Verpflichtet bleiben die legitimen Sicherheitsbedenken aller Länder ernst zu nehmen
- Verpflichtet bleiben der friedlichen Beilegung von Differenzen und Streitigkeiten zwischen Ländern durch Dialog und Konsultation
- Verpflichtet bleiben gemeinsame umfassende Sicherheit in traditionellen als auch nichttraditionellen Bereichen aufrechtzuerhalten
- Den Konsensus festhalten, dass ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf
China sieht es für dringend nötig an eine neue Form der Global Governance zu entwickeln, die auf entscheidungsfähigen Strukturen der Vereinten Nationen einerseits und regionalen inklusiven, auf Gleichberechtigung beruhenden Gruppierungen beruht, wie z.B. ASEAN, Afrikanische Union, SCO, CELAC u.a.
China hat kein Interesse an hegemonialen Bündnissen, z.B. an einer G2, wie von Trump ventiliert, China wird auch kein neuer Weltpolizist werden. Es gibt auch kein ehernes historisches Gesetz, das vorschreibt, dass eine aufstrebende Macht unweigerlich Hegemonie anstreben wird. Diese Denkweise ist Brzezinskis hegemonial-imperialistische Schachbrett-Denkweise, die leider von westlichen Politologen verbreitet wird. China ist anders und versteht auch die Lektion der Geschichte des Vereinigten Königreichs, der Sowjetunion und der USA – dass die Hegemonie das Vorspiel zum Abstieg ist. China ist wirtschaftlich und politisch ein berechenbarer, stabiler Partner.

Robert Fitzthum, Jahrgang 1951, studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien und arbeitete als IT-Manager in österreichischen Banken sowie als selbstständiger Unternehmensberater. Er lebt seit 2013 als Schriftsteller in China. Er schrieb „China verstehen” (Promedia-Verlag, 2018) und „Erfolgreiches China” (Goldegg- Verlag, 2021). „Chinas ‚Neue Reise‘: Sozialistische Modernisierung und die Bedeutung der Volksdemokratie” erscheint 2026.
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