Wie viele sowjetische Kriegsgefangene wurden in Gründau ermordet & wo wurden sie verscharrt? Brief an die Botschaft der Russischen Föderation

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Hartmut Barth-Engelbart. Ich bin Schriftsteller und Historiker und suche die Namen der in meiner Heimatgemeinde ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen.

In meiner Heimatgemeinde Gründau gab es nach Zeitzeugenberichten mindestens 3 Außenlager des KZ Hintzert. Alle drei in Wäldern und Immobilien des Fürsten von Isenburg -Büdingen, zwei in/bei Gründau-Breitenborn/a.W. und eines in Gründau-Gettenbach.

In den Breitenborner Außenlagern waren ca. 200 sowjetische Kriegsgefangene untergebracht, die der Fürst von Isenburg-Büdingen sich beim STALAG Wegscheide oberhalb der Kurstadt Bad Orb gegen geringe Gebühren „ausgeliehen“ hatte. Sei wurden im Rahmen des SS-Programmes „Vernichtung durch Arbeit“ umgebracht. Bewacht wurden die Außenlager durch SS-Leute und zwangsrekrutierte Kinder und Jugendliche aus dem Dorf. Die hatten die Anweisung, alle Kriegsgefangenen, die nicht mehr arbeiten konnten, im Litterbach so lange unter Wasser zu drücken, „bis keine Luft mehr kommt!“. Die aus kommunistischen oder sozialdemokratischen Familien kommenden Kinder und Jugendlichen bekamen zwar Gewehre – aber keine Munition: „Die wird an der Front gebraucht! Ihr sollt die Russen nicht erschießen, ihr sollt sie ertränken!“ Den Kindern wurde befohlen „außerhalb kein Wort darüber erzählen, was im Lager passiert!“.

Angesichts des Vorrückens der US-Army  schärften die SS-Wachmannschaften den Kindern ein: „Wenn ihr was verratet, melden wir euch bei den Amerikanern als Kriegsverbrecher, denn ihr habt die Russen umgebracht!“

Mein Wunsch ist es, die Namen der dort ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen zu erfahren, die Nachkommen zu ermitteln und ihnen mitzuteilen, wo sich die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen befinden, bzw, wo sie ermordet wurden.

Wo die Ermordeten vergraben oder verbrannt wurden, konnte ich bisher nicht herausfinden.

Ich möchte an den Standorten der KZ-Außenlager Gedenktafeln anbringen – mit Informationen über die Opfer und die Täter.

Es muss eine SS-Buchhaltung über die „ausgeliehenen“ Gefangenen, über die eingenommenen Gebühren und die Einzahler geben.

Für jeden „durch Arbeit Vernichteten“ wurde Ersatz angefordert und „geliefert“. Die Forstwirtschaft der Isenburg-Büdinger war kriegswichtig und zumindest ein fürstliches Oberhaupt war SS-Goldfasan.

Das Archiv des Isenburg-Büdinger Fürstenhauses ist nicht mehr zugänglich, aber die Unterlagen aus dem STALAG-Wegscheide dürften noch vorhanden sein.

Ich hoffe, dass sowjetische/russische Historiker selbst schon recherchiert oder jetzt Interesse an den Recherchen haben.
Ich hoffe auch deutsche KollegINNen für diese Recherchen gewinnen zu können, da ich mit meinen 79 Jahren nicht mehr ganz in der Lage bin, das alleine zu bewerkstelligen.

Für Ihre Unterstützung wäre ich sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Hartmut Barth-Engelbart

aus dem wikipedia-Eintrag zum STALAG Wegscheide:

Der Kriegsgefangenenfriedhof (auf dem Gelände des STALAG) wurde zunächst mit einfachen Holzkreuzen ehemaliger Insassen eingerichtet. In den Jahren 1955/57, als der Friedhof neu gestaltet wurde, wurde das erste Schild mit der Aufschrift Hier ruhen 1430 sowjetische Soldaten, die von den Faschisten ermordet wurden („hier ruhen 1430 von den Faschisten ermordete“) aufgrund von Beschwerden der Einheimischen entfernt. Es wurde durch das noch heute vorhandene Schild mit der eintönigen Inschrift ersetzt: Hier ruhen 1430 sowjetische Soldaten, die in schwerer Zeit fern der Heimat starben („hier ruhen 1430 sowjetische Soldaten, die weit von zu Hause in schweren Zeiten starben“). [15]

Der wikipedia-Text vermeidet die namentliche Benennung der einheimischen „Beschwerdeführer“ . Es soll sich darunter ein ehemaliger NS-Studentenführer und späterer promovierter FDP-Politiker befunden haben. Aus welchem Weiler, welchem Dorf, welchem Flecken rund um Bad Orb er stammt(e), ist nicht ganz klar. Klar ist aber, dass er sich in Bad Orb auch bei der Beseitigung lebendiger Beweistücke für „Rassenschande“ mit „Untermenschen-Weibern“ gut auskannte .

siehe dazu auch eine Auswahl von Artikeln zum Thema von 2009 bis heute:

Ingrid & Gerhard Zwerenz liebten diesen Nachruf auf die notleidende Prinzessin von Isenburg-Büdingen und den Fürstenhund – barth-engelbart.de

Der antifaschistische Widerstand im Gründautal: Breitenborn (Amt Wächtersbach), Haingründau, Mittel-Gründau, Langenselbold. Was die Geschichts-Vereine meist verschweigen – barth-engelbart.de

Wie viele sowjetische Kriegsgefangene wurden auf Gründauer Areal umgebracht? Wie heißen sie & wo sind die KZ-Hinzert-Erinnerungstafeln? – barth-engelbart.de

4 Grabsteine für Jagdhunde & Schweine wühlen im Ysenburg-Büdinger Fürsten-Forst-KZ – barth-engelbart.de

Verspäteter Nachruf für Alexandra Prinzessin zu Ysenburg-Büdingen & das Nachbar-KZ – barth-engelbart.de

Weiteres Außenlager des SS-KZ-Hinzert in Gründau-Gettenbach ? Zeugen gesucht – barth-engelbart.de

Bilder eines fürstlichen Zwangsarbeitslagers gesucht – barth-engelbart.de

Ein fürstlich Ysenburg-Büdingen’sches Wildschwein-Denkmal & eines für einen Sauhund gibt es im Wald …. & für die dort ermordeten Russen? Was denken SIE denn!? – barth-engelbart.de

Vorschlag für einen etwas anderen Kulturwanderweg in und um Gründau

Neben der Besichtigung verschiedener denkwürdiger  Beispiele der NS-Architektur rund um den Rothenberger Fliegerhorst mit -wie in Gelnhausen rund um die „Adolf-Hitler-Kaserne“-  besser oder schlechter ausgestatteten Behausungen für Offiziere und Mannschaften sind noch einige Exemplare der „Kraft durch Freude“ -Siedungsreste zu besichtigen. Nicht zu vergessen die Bunkeranlagen in den Gemeindewäldern und entlang der Bahnstrecken – auch der von Gelnhausen nach Gießen. Man muss auch nicht den Kirchturm der Niedergründauer Bergkirche besteigen um die „zeitüblichen Zeichen“ (so Erwin Rückriegel  über das vom Zimmermann eingeschnitzte Hakenkreuz im 1933/34 sanierten Dachgebälk des Turmes) zu entdecken. Wichtiger sind die Reste der KZ-Hinzert-Außenlager in Breitenborn, Gettenbach usw., das Mittel-Gründauer „Polakenhaus“, der Zwangsarbeits-Steinbruch der Gemeinde, die Häuser der in die KZ verschleppten, gefolterten, ins Ausland vertriebenen, enteigneten Nazi-GegnerINNEN und die Geschichte ihrer entwürdigenden Nachkriegs-Behandlung durch Bürgermeister, Behörden, Regierungen. Welche Vieh- & Landhändler, Bauunternehmer, Handwerker, Landwirte wurden in den Gemeinden des Gründau- und Kinzigtales von den Nazis gefördert und warum, welche wurden schikaniert, kalt enteignet, “arisiert“ und mussten nach 1945 jahrzehntelang vergeblich um Wiedergutmachung kämpfen?

Die Erinnerung an die verfolgten jüdischen Einwohner des Gründau- & Kinzigtales ist unbedingt notwendig. Doch was ist mit den Nazi-Gegnern, was ist mit Sinti & Roma, was ist mit den Zwangsarbeitern, was mit den ermordeten, meist sowjetischen Kriegsgefangenen? Wo werden Straßen, Schulen, (Sport-)Plätze, Gebäude, Hallen, Säle usw. nach ihnen benannt, wo stehen Erinnerungstafeln? Wo werden die Opfer namentlich öffentlich genannt?

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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