Vom Polizei-Spitzel im KBW-ZK zum Krüppel-Helden: Geschichten vom Herrn Franz

Zu den Protestaktionen bei der Eröffnungsfeier zum Jahr der Behinderten 1981 in der Dortmunder Westfalenhalle zählte auch die „Bühnen-Erstürmung“ einiger Aktivistinnen mit Behinderung. Sie ketteten sich dort fest und verhindertem so, dass Bundespräsident Carstens dort eine Rede halten konnte. Er musste in einen Nebensaal ausweichen. Zu sehen sind oben (von links). Michael Eggert, Franz Christoph, Theresia Degener, Michael Gebing, Bettina Krieger, Horst Frehe und Gusti Steiner.

Die Krüppel waren nicht dumm. Sie ketteten sich wieder ab und zogen dann mit um. Im Nebensaal saß Franz Christoph in der zweiten Reihe, sprang auf, hechtete auf seiner Prothese über die erste Reihe und versetzte dem Karl Carstens eine Ohrfeige, gegen die Beate Klarsfeld-Ohrfeige für Kurt-Georg Kiesinger eher wie ein Streicheln war.

Die Geschichte des Herrn Franz begann, so wie ich mich an seine Beichte erinnern kann, mit einem Arbeitsunfall, einer schlecht verheilten Amputation mit andauernd offenen Wunden und höllischen Schmerzen am Stumpf unter der Prothese. Die Schmerzen wurden zunächst mit Opiaten gelindert. Gingen aber nicht weg. Er bekam keine Opiate mehr verschrieben. Er musste sie sich auf dem Schwarzmarkt besorgen und wurde Opium-Abhängiger. Die Drogenfahnder kamen ihm auf die Schliche, weil er mittlerweile seinen Lebensunterhalt als Opium-Dealer verdiente. Vor die Wahl gestellt, entweder Knast oder Polizeispitzel inklusive Opium-Versorgung, entschied er sich für Letzteres.

So begann die Karriere eines der wenigen Proleten im Kommunistischen Bund Westdeutschland, der als Krüppel und Prolet im KBW-Zentrum in der Frankfurter Mainzer Landstraße 147, im ehemaligen LIBRI-Haus und der heutigen COMMERZBANK in den Himmel des KBW-ZKs aufsteigen konnte.

Die weiteren Details folgen später. Er hat sie einer Kollegin gebeichtet in einer WG in Bockenheim, die ihn und die er versorgte in der Küche und im Krankenbett. Und sie hat sie mir später – nach dem Abtauchen des Herrn Franz – weitergebeichtet.

Der Franz hat immer so hintergründig gegrinst, wenn er von seinem „Bockenheim“ sprach und meinte, die Mädels hätten „schon lange keinen Bock mehr“ gehabt. Na ja, war eben wie im Paradies für ihn unter oder über den Kanzelschwalben der Herren im KBW-ZK. Außer Annette Mönich, der Azubiene von Merk-Darmstadt, waren es meist desertierte Töchter aus besseren Häusern, Schulhäusern, Bankhäusern, Herrenhäusern, Pfarrhäusern, Industriellen-Villen, Professoren- und Rektoren-, Partei-, Kirchen und anderen Führerhäusern.

Für die Mauerblümchen unter ihnen war der Franz so etwas wie die Erfüllung ihrer feuchten Träume von „La Belle et la Bête“, vom Glöckner von Notre Dame, vom amputierten aber nicht kastrierten Charles Laughton. Und er fühlte sich auch manchmal ohne O wie Neill Armstrong bei der Landung auf der Venus, wenn es auch nur der früher für ihn unerreichbare Venusberg war. Proletinnen haben maximal einen Wäscheberg! Gut zu bügeln aber nicht zu vögeln. Die höheren KBW-Töchter waren dagegen gut zu vögeln!

Der Herr Franz ließ sich gerne „verführen“ und so führte ihn die später geständige KBW-Ex-Jungfrau dann auch in die uneinnehmbare Festung des KBW-Hauses ein, durch die nur Schulter-breiten Schleusen vorbei an SRK-Wachen hoch auf das NATO-Draht bewehrte Dach, das keinem Häuserkampf-Hubschrauber eine Landefläche bot und zudem noch von SRK-Kämpfern in Unterständen besetzt war. Hier oben endete auch der ebenfalls nur Schulter-breite Fluchttunnel für die Mitglieder des Zentralkomitees des KBW und seinen Generalsekretär Hans-Gerhard Schmierer. Sein Anflug per Hubschrauber war zwar noch nicht geplant, aber der NATO-Draht konnte jederzeit dafür eingerollt werden. Bis dahin bewegten sich die ZK-Mitglieder in ihrer SAAB-Flotte durch Westdeutschland. Ob sie, wie die KBW-Zentrale mit Panzerglas gesichert war, weiß ich nicht mehr sooo genau. Auch spätere Dissidenten aus dem ZK haben es mir nicht verraten. Sicher war nur, dass die Panzersperren vor dem KBW-Haus und das Panzerglas in der Eingangstüre und den Schaufenstern des Buchvertriebs Hager, des Sendler-Verlages und der CARO-Druckerei eine Einnahme durch die Polizei fast unmöglich machten. Nur die Einnahme von Innen war möglich.

Und das sollte der Herr Franz besorgen.

Eberhard Kempf, der spätere Ackermann-, Weyrauch- usw. Verteidiger & Gisel Heinemann, die spätere Leiterin des Joschka Fischer Ministerbüros in Wiesbaden, im Keller der KBW-Festung beim Skat & einem tief Roten mit CARO-DruckerINNEn

Jetzt ist das Ersatz-Öko-Haus K1 für über 10 Millionen DM komplett auf Draht: auf NATO-Draht

und präsentiert sich stolz von sich & Innen eingenommen auf seiner Web-Side:

Eine kleine Geschichte des Ökohauses Frankfurt

Der „Genosse“ Heinemann und die „Genossin“ Mönich (HaBE)

Und von Mönich zum NATO-König ist es nicht allzu weit (HaBE)

Einige mögen sich noch erinnern: ein warmer Frühsommertag und -abend, Ende Mai 1992. Einweihungsfeier des Ökohauses. CARO Druck und die Kühl KG waren schon am Jahreswechsel 1991/92 in ein teilweise noch nicht fertiges Haus eingezogen. Die „taz“ wurde seit Jahresbeginn schon in den neuen Druckerei-Räumen produziert. Dann, Ende Mai 1992, waren die restlichen Mieter aus dem ehemaligen KBW-Haus in der Mainzer Landstraße umgezogen und die neuen Mieter eingezogen.

Die Arbeiten am und im Haus waren noch immer nicht abge-schlossen: augenfällig war, dass der vordere Teich nicht dicht war – innerhalb von zwei Tagen war der Wasserspiegel auf die Hälfte gefallen. Die Bepflanzung der Terrassen mit den vielbeschworenen bis zu sechs Meter hohen Bäumen, Büschen und Rasen fehlte noch.

Zur Einweihungsfeier kamen dann viele Leute aus der Stadt, aber auch Interessierte von Nah und Fern. So viel, dass die Kalkulationen für Getränke und Speisen über den Haufen geworfen wurden. Noch am Abend musste nachgeordert werden. Auch die Feier selbst hatte ihre Probleme: Die Energieversorgung in der Küche des Bistros fiel aus – auf einem Holzkohlegrill wurde das Notwendigste heiß gemacht. Einige waren durch das vielgestaltige Haus beeindruckt und von den Ideen, die dort verwirklicht werden sollten. Andere hatten sich einer Führung des Architekten durch das Haus angeschlossen. Dabei wurden sie von den Ideen des Architekten, die er mit und in dem Haus verwirklichen wollte, beeindruckt:  ein „synergetischer Bau-Organismus“ sei das, wie die „FAZ“ ihn zitierte.

Nun, das Haus ist längt fertiggestellt. Die Teiche sind (einigermaßen) dicht. Die Kois, ihre Nachkommen und die Schleierschwänze (ihre Nachkommen und Kreuzungen mit ausgesetzten Newroz-Fische) sind im vorderen Teich vor dem Eingang ein Blickfang für Jung und Alt. Jedenfalls bis vor zwei Jahren: damals wurde die Schaar der Kois von einem Virus radikal dezimiert.

Der Feind lauert freilich auch auf der Insel oder auf der Dachkante: der Graureiher, seine Heimat ist der Rebstockweiher oder die Griesheimer Schleuse. Seine Leckerbissen versucht er bei uns im Teich zu finden. Wegen seiner Schönheit scheiden sich an ihm die Geister – spätestens wenn er mit schlackerndem Kehlkopfbeutel von dannen fliegt.

Im hinteren Teich sind heimische Fischarten wie Gründlinge, Moderlieschen, Stichlinge und Co meist unter grüner Entengrütze verborgen. Auf der Wasseroberfläche entwickeln sich im Sommer viele Seerosen.

Die Terrassen sind alle mit Büschen, Bäumen und diversen Grünflächenpflanzen besetzt. Die Bäume haben in vielen Fällen die versprochenen sechs Meter Höhe weit überschritten.

Manche Terrassen werden von den Mietern intensiv genutzt: Ziersträucher, Blumenrabatten, schwarzer, normaler Bambus, Weißdorn und Glyzinien schmücken die einen – auf anderen werden Tomaten, Melonen und Kartoffeln angebaut und geerntet. Andere Terrassen fristen dagegen als Raucherfreiplätze Ihr Dasein.

Mehr als drei Jahrzehnte Ökohaus bedeutet auch für viele – rund ein Drittel – der Mieter und ihre Beschäftigten mehr als 30 Jahre hier im Ökohaus sein und zu arbeiten. Viele sind später eingezogen, aber inzwischen auch schon lange Jahre hier. Einige neue Mieter und ihre Beschäftigten haben wir in den letzten Jahren begrüßen dürfen.

Aber wir haben in vielen Jahren auch einige verloren: Der Bund deutscher Pfadfinder (BDP), der Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e. V. (IAF), der VbFF – Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e.V., deren Raumnachfragen wir nicht bedienen konnten bzw. die auch Angebote bekamen, die sie als weitgehend von der öffentlichen Förderung abhängigen Einrichtungen finanziell nicht ablehnen konnten. Das einstige Büro der Grünen zog nach Wiesbaden zum Parlament und zur Landesregierung. Besonders bedauerlich und bedeutend war, dass CARO Druck GmbH, die Druckerei der „taz“ hier im Haus, am Jahresende 2012 den Betrieb einstellen musste. Da der Entwurf und Bau des Ökohauses konzeptionell in Teilen auf die Druckerei zugeschnitten war, hatte und hat der Wegfall der Druckerei auch Folgen für den Betrieb des Hauses.

Das Bonmot der Hausbesitzer, dass ein Haus nie fertig sei, gilt vielleicht in besonderer Weise für das Ökohaus: Im Entwurf und mit dem Bau des Ökohauses sollte gezeigt werden, was im Bereich des gewerblichen Bauens im Feld der Ökologie und in der Baubiologie vor bald 30 Jahren möglich und vielleicht auch notwendig gewesen war. Das Interessante dabei war eigentlich nicht, Einzelaspekte bis zum Letzten auszuloten, sondern das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren, Techniken und Materialien zu ermöglichen, um in einem Gewerbebau ein angenehmes Leben und Arbeiten zu gewährleisten und gleichzeitig mit den endlichen Ressourcen sparsam und verantwortlich umzugehen. Und die Erfahrungen sollten anderen Interessierten zur Verfügung stehen.

Schwerpunkte dabei waren einmal der Energieeinsatz und die Steuerung bei der Wärmeerzeugung und -verteilung. Hier haben wir nach wenigen Jahren die ursprünglich eingebaute Wärmepumpe, die Wärme aus der Druckerei in das Heizsystem des Gesamthauses transformieren sollte, gegen drei kleine Blockheizkraftwerke ausgetauscht, die neben der Wärme die elektrische Grundlast des Hauses lieferten. Außerdem senkten sie die Spitzen beim elektrischen Energieverbrauch der Druckerei.

Der zweite große Bereich war die Binnen-Klimatisierung durch die Glashäuser und deren Pflanzen. Hier mussten wir die ursprünglich vorgesehenen Hauptbepflanzung mit verschiedenen Bambussorten durch andere, besser dem schwierigen Standort angepassten Pflanzensorten (Ficus, Palmen etc.) ersetzen. Der freigesetzte Bambus hat sich nun hinter dem Haus zu einem veritablen Wald entwickelt.

In der nächsten Zeit werden Investitionen und Entscheidungen anstehen, die die Fortexistenz des Ökohauses Frankfurt sichern sollen. Eine neue Energieerzeugung mittels einer Heizkesselkaskade ist schon in Gang gesetzt. Der Haupteingang und der Steg über den vorderen Teich wurden erneuert, damit sie den Anforderungen der Zeit genügen.

Nach langer und schwerer Anlaufzeit sind die Baumaßnahmen zur Umnutzung der ehemaligen Druckerei-Räume im Jahr 2023 abgeschlossen worden.

Zum Jahresanfang 2018 ist eine Ökohaus Frankfurt-Stiftung gegründet worden und wird der Belegschaftsverein Kühl e.V. in den Verein Ökohaus Frankfurt e.V. überführt. Das sind Maßnahmen, um auf der Eigentümerseite die Fortexistenz des Ökohauses dauerhaft sicherzustellen.

Vor-Geschichte: Mainzer Landstraße 147

Im Jahr 1977 beschließt auf einer Delegierten-Konferenz die kleine maoistische Organisation namens Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) in Frankfurt ein leerstehendes Haus zu kaufen. Für das Objekt in der Mainzer Landstraße werden unter dem Motto „die Bourgeoisie mit dem Geldsack“ schlagen circa 3,3 Millionen DM gesammelt und das Haus mit der Nr. 147 gekauft und baulich in die „Zentrale“ des KBW verwandelt. Ab 1980 beginnt die Organisation zu zerfallen und das Haus geht Stück für Stück in der Selbstverwaltung der dort Arbeiten-den über. Hinzukommen als Mieter andere soziale Organisationen und Initiativen und alternative Betriebe.

Im Jahr 1988 kommt es zu einer merkwürdigen Zufallskonstellation in der Stadt Frankfurt:

Eine Großbank, deren Spitze auf drei Standorte aufgeteilt ist und die dieses ändern will und muss, sucht dringend einen geeigneten Baugrund.

Der Häuserkampf im Westend hat dazu geführt, dass die Stadtregierungen vom Bauen in der Innenstadt am liebsten Abstand nehmen wollen.

Ein Speer-Plan sieht die Neuentwicklung von Hochhäusern auf Entwicklungsachsen vor – eben auch auf der Mainzer Landstraße.

Hinzu kommt eine CDU-Stadtregierung, die an ihrem Ende versucht, diesen Plan mit aller Kraft durchzudrücken.

Die alternativen Nutzer des Hauses sehen sich von der „Bank an ihrer Seite“ plötzlich von allen Seiten umzingelt, doch kommt dabei die Bank selbst unter Druck, Zugeständnisse an die Besitzer des Hauses machen zu müssen.

So kommt es in der Mainzer Landstraße 147 zu einer Situation, die niemand vorhergesehen hat. Und es gibt Leute, die eine Chance sehen einen Bau zu entwickeln, den es so bisher noch nicht gegeben hat. Und auch in diesem Zusammentreffen von verschiedenen Personen und Institutionen wird das Neue von Zufällen geprägt.

Das Haus in der Mainzer Landstraße 147 wurde zwischenzeitlich abgerissen.

Der Deal mit der COMMERZBANK hat dem von Innen gewendeten KBW und seiner KÜHL KG über 10 Millionen DM eingebracht. Wie sagte noch der Generalsekretär Joscha Schmierer bevor er zum Think-Tank-Leader & Völkerrechts-Um-Schreiber & Angriffskriegs-Vorbereiter des Joschka Fischer & seinem König ins Auswärtige Amt aufstieg: „Wir müssen das Kapital mit dem Geldsack erschlagen!“ Und Tausende mussten dran glauben. Die wenigsten in Deutschland, die meisten zunächst in Jugoslawien mit Hilfe der KBW- ZK-Oligarchen Schmierer, Hager, Füchs, Löchel und ihrer Aktentaschen-TrägerINNEN Kempf, Laubach & Co, den Heinemanns usw. . Es waren aber auch welche aus dem ZK des Konkurrenz-Vereins KPD/AO dabei: Horst Mahler, Frank Heterich,

über den das 26. Berliner Internationale Literatur-Festival seine Frankfurter KSV- und anschießende KPD/AO-ZK-Tätigkeit persilbescheinigend zurechtlügt & das Wichtigste verschweigt:

Frank Herterich | internationales literaturfestival berlin

Frank Herterich wurde 1943 in Regensburg geboren. Er studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten München, Chicago und Berlin. Von 1999 bis 2008 war er im Planungsstab des Auswärtigen Amts für Balkan- und Türkeipolitik zuständig. Als Gründungsmitglied der Helsinki Citizens’ Assembly engagierte er sich in den achtziger Jahren für die Bürgerrechtsbewegungen in Warschau, Prag und Budapest und ihren Kampf für Freiheit und ein Post-Jalta-Europa. Als Experte im Bereich Stadtplanung und Urbanismus verfasste er zahlreiche Beiträge zur Zukunft der Stadt. Er ist Koautor des Manifests »Mehr Europa wagen« von 2011.

Mehr NATO-Grün geht fast nicht

Fortsetzung folgt

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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