An einem Sonntag im Sommer war die Sonne über Wolkenkuckucksheim, da wo die Wolken wohnen, so heiß, dass die kleinen Wolken richtig Durst bekamen. Sie wurden immer kleiner, fingen an auszutrocknen, zusammen zu schrumpeln wie Dörrobst, wie Backpflaumen und Bratäpfel. Das fanden sie gar nicht schön. Sie wollten keine Schrumpelwolken sein. Die großen Wolken hatten ihnen ja auch gesagt, sie sollten nicht so lange in der Sonne bleiben, weil kleine Wolken davon nicht nur einschrumpeln sondern auch Sonnenbrand bekämen. Das war in Wolkenkuckucksheim eigentlich schon immer so. Seit Urzeiten bekamen kleine Wolken im Sommer Sonnenbrand, schrumpelten ein und das muss ja nicht sein! Deshalb flogen die Kleinen schnell in den Schatten der großen Wolken. Und die flogen dann mit den ganz Kleinen unter ihren Wolken-Flügeln über einen großen dunkelgrünen Wald am Rand der Regenwetterau. Da war es schön kühl und die Bäume pusteten Wasserdampf in die Luft, damit die kleinen Wolken trinken und essen und wieder wachsen konnten .
Als sie genug getrunken und gegessen hatten, flogen die Wolken wieder zurück in Richtung Wolkenkuckucksheim. Eine kleine Wolke drehte sich noch einmal um und bedankte sich bei den Bäumen für Essen und Trinken . Da sah sie, wie aus dem Wald lauter kleine Wölkchen aufstiegen, die sahen aus wie kleine Schafe, wie Schäfchen, wie Lämmchen. Oder waren es vielleicht doch richtige Schäfchen? Aber Schäfchen können doch nicht fliegen! Das wusste die kleine Wolke genau, denn sie hatte schon oft Schafe von Oben gesehen, auch die kleinen Schafe. Die konnten rennen und springen, aber nicht fliegen. Doch vielleicht gab es ja auch Schafe, die fliegen können. Es gab ja fliegende Sauriere, fliegende Hunde, fliegende Mäuse, die Fledermäuse und sogar fliegende Fische gab es. Dann kann es ja auch fliegende Schafe geben! Oder?
Papperlapapp, sagten da die großen Wolken, als ihnen die kleine Wolke was von den fliegenden Schäfchen erzählte. „Was Du da gesehen hast, das sind keine Schäfchen, das sind Wolken-Babys, Wolkenkinder. Die werden da geboren, wo wir auf den Wald geregnet haben. Die Bäume kriegen nämlich nicht nur Baumkinder, die machen auch Wolkenkinder.“ „Ja, aber wie ist es dann, wenn der Wald brennt und wenn die Bäume sterben, wenn es zu heiß ist, wenn sie nichts mehr zu trinken haben? Gibt es dann keine Wolkenkinder mehr?“ fragte eine kleine Wolke ganz traurig. Doch die großen Wolken konnten die kleine trösten: „Wenn die Bäume Durst haben, geben wir ihnen was zum Trinken und zum Wolkenkinder kriegen!“ „Ja, aber, wenn der Wald abbrennt, was ist dann?“ fragte die schlaueste kleine Wolke, „dann können die Bäume doch nichts mehr trinken! Dann gibt es auch keine Baumkinder und keine Wolkenkinder mehr“. Jetzt guckten alle kleinen Wolken die großen traurig an: „Ja, was ist denn dann? Könnt ihr Großen den Bäumen nicht helfen?“ Da waren die großen Wolken erst Mal sprachlos. Sie legten ihre Wolkenstirn in Denkfalten und überlegten. Als sie mit Nachdenken fertig waren, sagte die größte Wolke: „Wenn der Wald brennt, kommen wir ganz schnell zum Löschen und dann wachsen wieder Bäume und die angebrannten großen Bäume kriegen wieder neue Äste und Blätter. Das ist wie in Brasilien oder in Australien. Da brennt der Wald manchmal ganz doll. Da rufen uns die Australier mit ihren langen Lockflöten und die Brasilianer mit ihren Regenrohren aus Bambus. Die nennen sie Pau de Chuva. Wenn wir die Regenmacher hören, müssen wir sofort Pippi machen, weil die Regenmacher wie Regen klingen. Das ist dann so, wie wenn uns die Wolkenkratzer kitzeln, dann müssen wir auch gleich Pippi machen. Die Australier machen das anders. Die kennen die Wolkensprache.“ „Wieso können die die Wolkensprache sprechen?“, fragte eine kleine Wolke dazwischen. „Die haben sie bei uns abgehört viele, viele tausend Jahre lang und auch unsere Wolkenlieder haben sie abgehört. Die spielen sie auf ihren Lockflöten, wenn sie uns als Wolken-Pippi-Feuerwehr brauchen. Die Lockflöten heißen in Australien ‚Quietscht so froh'“. Da schüttelte die große Krokodilwolke den Kopf: „Nein, die Australier sagen zu der Lockflöte ‚Fiebst wie’n Floh'“. Da mischte sich die Kamel-Wolke ein: „Quatsch! Das heißt ‚Plitsch-Platsch im Klo!'“ und musste dabei selber lachen. „Das Kamel erzählt mal wieder nur Blödsinn!“ „Wie immer, deshalb heißt sie ja auch Kamel!“.
„Ich weiß es ganz genau!“ rief jetzt die Känguru-Wolke und wackelte ganz aufgeregt mit ihrem langen Schwanz. “Wie ihr wisst, war ich ja schon in Australien. Da habe ich die Lockflöten gehört und was die Ureinwohner dazu singen: ‚Uluru, Uluru, Liebster hör mir Mal gut zu!‘. Und zur Lockflöte sagen sie ‚Lieber hör ich zu!‘ Und zu mir sagen die Ureinwohner Känguru, weil ich bei Sturmböen immer über den Himmel hüpfe. Känguru heißt auf Wolkisch „Da hüpft etwas!“. Da wurden viele der großen Wolken ganz neidisch und echt sauer: „Du Besserwisser, lass uns bloß in Ruh mit Deinen Ureinwohnern, deinen Urzeiten, deinen Uhrzeigern, deinem Uhrzeiger-Unsinn!“ Andere Wolken verspotteten die Känguru-Wolke noch mehr: „Du und dein Urwald, dein Urlaub an den Urwaldbäumen und dein andauerndes Uluru- Uluru!“ Da fing die Känguru-Wolke an zu weinen, aber nicht so viel, es war kein Tränen-Wolkenbruch, kein Regen, nur ein bisschen Tränen-Nieseln. Dann machten aber die nächsten Wolken sich über sie lustig: „Jetzt fängt sie an zu heulen, wie die Eulen: Huh-Huh-Uhu!“ „Heule-Eule, Heule-Eule!“ „Heul doch bei deinem Ur-Opa und der Ur-Oma im Urlaub im Urwald!“ „Besserwisser-Känguru, niemand ist so schlau wie Du! Keiner weiß es, niemand kanns, nur die Wolke mit dem Schwanz!“
Da guckte die Krokodil-Wolke hinter sich auf ihren langen Schwanz und wurde richtig böse auf die anderen großen Wolken: „Wer von euch hat das mit dem Schwanz gesagt?“. Da antworteten die Ärger-Wolken: „Keiner hats gesagt, Niemand hats gehört!“ „Känguru und Krokodil haben sich beschwert. Weil ihr viel zu langer Schwanz sie beim Fliegen stört!“
Und dann ging eine knallkarte Prügelei los. Die großen Wolken krachten aneinander, dass es nur so blitzte und donnerte. „Schlag doch mit deinem Schwanz mal zu, dann pack ich Dich , du Plitscheri du!“ muhte die große Kuh-Wolke und schnappte das Känguru am Schwanz. Dafür biss ihr die Krokodil-Wolke in das Euter. Die Känguru-Wolke boxte der Wolken-Kuh die Hörner ab. Die Kamel-Wolke wollte die Krokodil-Wolke auch am Schwanz festhalten, das ging aber nicht, weil der viel zu glitschig war, dann krallte sich die Krokodil-Wolke an den Kamel-Wolken-Höckern fest und hätte fast ihre Wassertanks aufgerissen.
Alle prügelten, dass die Blitze flogen, brüllten und schrien laut durcheinander,
Die großen hatten dabei die kleinen Wolken ganz vergessen. Die warteten am Rand der Prügelei und hatten Angst vor dem Blitzen und Donnern. „Wenn die Großen so weitermachen, gibt es noch einen Waldbrand!“. Und so kam es dann auch: An einer Ecke des Waldes war ein Blitz in einen alten Baum eingeschlagen und es fing schon an zu brennen. Da nahmen zwei kleine Wolken allen Mut zusammen und schrien ganz laut: „Donnerwetter! Aufhören! Aufhören! Aufhören! Es brennt!“. Doch die großen Wolken hörten es nicht und ließen sich bei ihrer Schlägerei gar nicht stören. Sie prügelten einfach weiter. Es blitzte, krachte, donnerte und dann warfen die großen Wolken auch noch mit Eiskugeln …
„Wir müssen alle zusammen ganz laut brüllen: Blitze Donner Wolkenbruch, es ist genug, der Wald brennt schon! 112 ans Telefon!“ . „Oder wir rufen: ‚Und keine Feuerwehr ist da, LaLü-LaLa‘, dann drehen die großen Wolken sich um und sehen, dass der Wald brennt!“ „Und dann denken sie dran, dass sie selbst die Wolken-Feuerwehr sind und löschen müssen!“
Genau so machten es die kleinen Wolken und schrien: „Blitze, Donner, Wolkenbruch, es ist genug. Der Wald brennt schon! 112 ans Telefon! Und keine Feuerwehr ist da, LaLü-LaLa, LaLü-LaLa!“
Sofort war es am Himmel mucksmäuschen still. Nur das Feuer an der Waldecke knackte und sprühte Funken.
Und dann fielen alle großen Wolken aus allen Wolken und riefen plötzlich im Wolken-Chor ihren alten Wolken-Pippi-Spruch: „Himmel, Hagel, Wolkenbruch! Löschwasser haben wir genug! Die Wolkenpippi-Feuerwehr löscht den Brand, dann brennts nicht mehr und hinterher schon bald wächst aus der Asche neuer Wald!“ , „Wasser Marsch und Wolkenbruch!“
Und weil Sprüche kein Feuer löschen können, machten sie alle der Reihe nach ihr Wolkenpippi auf den Waldbrand, die eine Wolke machte es wie ein Dusche, die andere wie eine Gießkanne, noch eine wie ein Wassereimer, eine etwas größere wie ein Badewanne, die nächste wie eine Regenrinne, die Känguru-Wolke lehrte ihren Beutel fünf Mal aus und die größte Wolke löschte wie ein Wasserfall. Das wurde ein richtiger Wolkenbruch. Die kleinen Wolken konnten nur ein Bisschen mit löschen. Mehr als vier Wolken-Kinder-Tassen voll Wolkenpippi schafften sie noch nicht. Auch wenn sie den aller letzten Tropfen noch rausdrückten.
Aber die kleinen Wolken sahen sich das Waldbrand-Löschen der alten Wolken ganz genau an: „Wenn wir Mal so groß sind wie die, machen wir das ganz alleine!“
Als die kleinen Wolken nach dem Waldbrand und dem Löschen am Waldrand im Wolkenkinder-Kreis zusammenkamen, erzählte die Känguru-Wolke noch etwas von den Waldbränden in Australien, wo sie schon mit gelöscht hat. Und wie sich dort die Großen Wolken streiten und auf 180 sind und voll geladen aufeinander losgehen. Und wie es dort dann blitzt und donnert, kracht und brennt, bis die Wolken brechen. „Das ist dann ein Wolkenbruch“. . Die aller kleinste Wolke fragte zum Schluss noch die Känguru-Wolke: „Müssen wir uns dann auch immer vor dem Löschen erst so prügeln wie ihr Großen?“