Nach über 10 Jahren Predigtverbot durch die Spruchkammer & Konfirmandenmissbrauch wieder aufgenommen unter die badischen Pfarrer: Rektor Dr. theol. Hermann Wallenwein in Mannheim-Neckarau (Ott-Heinrich-Stift) ((1959))

Der Sonnenbrillenträger in der Mitte links neben dem Falz, das soll er nach Aussagen einiger Ex-Internats-SchülerINNEN sein: Dr. Hermann Wallenwein

Über 20 Jahre nachdem der „deutsche Christ“ Dr. Hermann Wallenwein von der Spruchkammer Heidelberg u.a. zu einem Predigtverbot bis 1958 verurteilt wurde, nimmt ihn die badische Landeskirche barmherzig in die Reihen ihrer Pfarrer wieder auf. 7 Jahre später wird er von Internats-SchülerINNEn des Mannheim-Neckarauer Bach-Gymnasiums auf einem großformatigen Foto in der PARIS-MATCH entdeckt unter den 5.000 Trauergästen bei der Beerdigung des SS-Generals Sepp Dietrich-Moninger, wo die mehrheitlich alten SS-Kameraden auch das verbotene Lied der SA/SS singen: „Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen …“. Die Reihen der badischen Pfarrer waren damit aber nicht gemeint.

Hier geht es zur PARIS-MATCH-Reportage mit vielen Bildern aus Ludwigsburg:

Paris-Match-791_1966.pdf

Die Meldung zur barmherzigen Wiederaufnahme im „Gesetzes-u. Verordnungsblatt der Evangelischen Landeskirche in Baden“ (Karlsruhe, den 24 November 1959) lautet:

„Wiederaufgenommen unter die badischen Pfarrer: Rektor Dr. theol. Hermann Wallenwein in Mannheim-Neckarau (Ott-Heinrich-Stift) unter gleichzeitiger Beurlaubung zu seinem derzeitigen Dienst“

Die Barmherzigkeit der badischen Landeskirche scheint grenzenlos gewesen zu sein, wenn es sich um alte Kameraden handelte: in dem evangelischen Bach-Gymnasium und den angegliederten Internaten (Ott-Heinrich-Stift & Martin-Bucer-Haus , benannt nach dem schärfsten Antisemiten der Reformationszeit, der die Judenverfolgung wesentlich fanatischer propagierte als Martin Luther) konnten viele Kriegsverbrecher, SS-Goldfasane, Reichswehrwirtschaftsführer und noch gut gebräunte EWG-/NATO-Politiker (u.a. auch der zeitweise als NNATO-Ratsmitglied in Paris & Fontainebleau residierende Hallstein-Doktrin-Erfinder Wilhelm Grewe) ihre Kinder zwecks Aufzucht einer „evangelischen Elite“ unterbringen. Der Aufbau der „Neckarauer Liebeswerke“ wurde als Gegengewicht zum beinahe Mannheimer Oberbürgermeister, dem KPD-Christen Erwin Eckert in Angriff genommen und von mindestens 4 SS-Führern gesponsert: Hans-Martin Schleyer, Sepp Dietrich-Moninger, dem Pegulan-Chef Ries, dem Rüstingsindustriellen Renner. Zu Grewe siehe auch Wilhelm Grewe – Wikipedia

Wahrend Erwin Eckert als Arbeiterpfarrer -trotz andauernder Sabotage durch die Kirchen-Oberen – ständig an Einfluss gewinnt und stets in überfüllten Kirchen predigt, schafft die Landeskirche mit großzügiger Unterstützung der „Arbeitgeber“-Spitze das informelle Amt eines „Industriepfarrers“, der von der Kanzel gegen die Gewerkschaften predigt, Streiks verurteilt, die Aussperrung als gerechte Strafe propagiert usw…, Pfarrer Erich Kühn (im Volksmund „Pope Kühn“ genannt) schmeißt mich 1964 aus der Schule und dem Internat, weil ich den Metaller-Streik für die Lohnfortzahlung bei Krankheit mit Flugblättern, Plakaten und Liedern unterstützt hatte und gegen die drohende Aussperrung ansang..

Da Dr. Hermann Wallenwein Predigtverbot hatte, wurde er von der Landeskirche als Konfirmanden-Lehrer eingesetzt. Mitte bis Ende der 1950er in Eberbach am Neckar. Dort kam es zu Protesten der Eltern wegen Missbrauchs der ihm Anvertrauten. Eines der Opfer wird bei kircheninternen Verfahren zum Schweigen verpflichtet und unter die Haube gebracht: als Diakonissen-Novizin bei der Inneren Mission. Die badische Landeskirche kann Dr. Wallenwein jetzt in Eberbach nicht mehr halten. Er wird 1958 versetzt nach Mannheim-Neckarau und wird Leiter der dortigen Internate: sozusagen der Bock als Gärtner.

Wer mehr dazu wissen will, muss auf meiner Seite nur den Suchbegriff „Mannheim-Neckarau“ eingeben

Dank an zwei badische Historiker, an einige ehemalige Bach-GymnasiastINNen und InternatsschülerINNEN, die mir bei den Recherchen geholfen haben, aber nicht genannt werden wollen.

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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