„Krieg mit Russland nicht heute, nicht morgen, aber übermorgen“. Meine Kündigung der FR

Sehr geehrte Damen und Herren!

Bitte leiten Sie diese Email auch an Pitt von Bebenburg, an Bascha Mika und an Joachim Wille weiter.

Hiermit kündige ich nach mehr als einem halben Jahrhundert mein Abonnement der Frankfurter Rundschau zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung und nennen Sie mir den Zeitpunkt, zu dem das Abonnement ausläuft.

Ich begründe meine Kündigung – pars pro toto – mit dem Kommentar „Unvermeidbar richtig“ von Peter Rutkowski am 19.5.2026 (S.3), in dem er die zehn Milliarden Euro, die die Bundesregierung in den Zivilschutz stecken will, als gut angelegt bezeichnet.

Rutkowski schreibt weiter: „Faktum ist, dass Putins Russland historisch konsequent ist: ein Staatsgebilde, das allein auf Unterjochung und Vernichtung aus ist. Und bevor jetzt jemand was von Zweitem Weltkrieg und leidender Sowjetbevölkerung faselt – die Menschen im Moskauer Herrschaftsbereich haben keinen der dort Machthabenden in 600 Jahren jemals auch nur einen Dreck geschert. Ob das nun in die individuelle Lebensplanung passt oder nicht: Wir müssen uns auf einen Krieg mit Russland einstellen. Der kommt nicht heute und auch nicht morgen, aber übermorgen.“


Mit diesen Sätzen propagiert die FR nicht nur Krieg mit Russland, sie verbreitet auch Nazi-Ideologie als eine ultimative Steigerung der bisherigen Entgleisungen von Rutkowski in diesem Blatt. Trotz seines Diktums „Bevor jemand was von Zweitem Weltkrieg faselt“ fasele ich hier davon, dass mein Vater am 7.10.1941 knapp 200 Kilometer südwestlich von Moskau gefallen ist. Über seine letzten Lebenssekunden schrieb sein Oberleutnant meiner Mutter: „Er griff zu seiner Maschinenpistole und jagte einige Feuerstöße in die Bolschewisten. Es war eine Tat, bei der er höchsten Mut bewies.“

Bevor ich über diese unverhohlene, aber in faschistische Heldenverehrung gekleidete Barbarei im Berliner Herrschaftsbereich der dort Machthabenden fasele, sollte ich nach Rutkowskis Kommentar wohl erstmal auf die im Moskauer Herrschaftsbereich Machthabenden eingehen. Ich tue es gerne, indem ich zitiere: „Es war die Absicht der Machthaber des Kremls – wie wir es heute wissen – nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa zu vernichten. … Gnade Gott unserem Volk und der ganzen europäischen Welt, wenn dieser barbarische Feind seine Zehntausende an Panzern vor uns in Bewegung hätte setzen können. Ganz Europa wäre verloren gewesen. Denn dieser Feind besteht nicht aus Soldaten, sondern zum großen Teil nur aus Bestien.“

Rutkowski plagiiert noch nicht diese originalen Hitlersätze aus dessen Tagesbefehl vom 2.10.1941, zwei Tage nachdem Deutsche sich in Babi Jar nahe Kiew mit der Erschießung 35.000 jüdischer Menschen als Bestien aufgeführt hatten. Aber die Diktion dieses faschistischen Diktators scheint Rutkowski schon drauf zu haben, wenn er schreibt, Russland sei ein Staatsgebilde, das allein auf Unterjochung und Vernichtung aus sei.


Auch wenn mir Rutkowski das Maul zu verbieten scheint, so werde ich doch weiterhin, um sein Wort zu verwenden, vom Zweiten Weltkrieg faseln, wie ich es beispielsweise am 8. Mai beim Schülersteik gegen die Wehrpflicht in Bonn tat, wo ich kommentierend den erwähnten Kondolenzbrief vortrug, damit wir uns nicht „übermorgen auf einen Krieg mit Russland einstellen müssen“, wie Rutkowski quasi in Nazi-Diktion den Lesern seines Kommentars einzureden versucht. Meine Mutter weinte, wie sie einmal erzählte, als sie im Sommer 1939 – mit mir bereits schwanger – sah, dass sie sich auf Krieg einstellen müsse. Aber als mein Vater gefallen war, hatte sie „seltsamerweise keine Tränen“ gehabt, wie sie mir wohl siebzig Jahre später sagte, vielleicht weil sie damals lesen musste, dass der zärtlich geliebte Mann als letztes „mit seiner Maschinenpistole einige Feuerstöße in die Bolschewisten jagte.“ Nach Rutkowskis Worten soll es wohl wieder zu derartigem kommen, dem ich entschieden ein „Nie wieder Faschismus- Nie wieder Krieg“ entgegen setze ganz im Sinne von Emil Carlebach, dem Mitbegründer der Frankfurter Rundschau.

Mit freundlichen Grüßen

Wolf Göhring
Hoholzstr. 77
53229 Bonn

Ceterum censeo proletarios omnium terrarum coniungere se

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

2 Kommentare zu „„Krieg mit Russland nicht heute, nicht morgen, aber übermorgen“. Meine Kündigung der FR“

  1. Fördert Karrieren die Russophobie, denn ist versteckte Amerikanophilie. Siehe bei Flavio von Witzleben den Prof. Dr. Neuhoff, EU-Parlamentarier der AfD, der ab Min. 58 berichtet, https://youtu.be/Sp5G2JjJkZQ wo genau die deutschen Milliarden für die Ukraine hingehen. Ja, man gibt sie wohl als Liebesgeschenke, aber nicht in die Ukraine, sondern an die Freunde der Freunde.

    Aber sowieso kennt das Kapital keine Vaterländer.

  2. Auch ich habe die Rundschau einst gelesen. Als linksliberales Blatt, linker als die Süddeutsche, näher an linken Wurzeln als das Blatt, von dem Bascha Mika kam. Mir war sie das Geld schon lange nicht mehr wert. Das Phänomen der Russophobie macht eben auch vor der FR nicht halt. Warum auch?

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