schon lange vor den Wende-ZEITen: „Völkischer Ordensstaat Israel“ von Marion Gräfin Dönhoff

© DIE ZEIT, 23.09.1948 Nr. 39

Wenn man versucht, sich die Atmosphäre zu vergegenwärtigen, in der Graf Folke Bernadotte im Mai dieses Jahres seine Mission als Vermittler in Palästina aufnahm, so muß man eigentlich zu dem Schluß kommen, daß seine.Bemühungen wahrscheinlich von vornherein zum Scheitern verurteilt waren. Seine Ermordung scheint diesen Eindruck noch zu bestätigen Nur ein Mann wie Bernadotte, der noch immer jede politische oder menschlich wichtige Aufgabe angepackt hat, auch wenn alle Welt sie für hoffnungslos hielt, konnte zu dieser Friedensmission bereit sein. Und hatte er bisher nicht immer recht gehabt? war es ihm nicht gelungen, sogar aus den Konzentrationslagern der Nazis 20 C00 Norweger zu befreien? Er hätte sich als neutraler Schwede den unerträglichen Spannungen und blutigen Konflikten dieser Zeit entziehen können, hätte als Schwiegersohn eines amerikanischen Industriemagnaten ein bequemes, unangefochtenes Leben abseits der Katastrophen des alten Kontinents führen können; aber Bernadotte sah die Aufgabe seiner Zeit und seiner Generation und stellte sich vorbehaltlos zur Verfügung, im Krieg dem Roten Kreuz und 1948 der UNO als Vermittler in Palästina.

Daß der zweite Waffenstillstand in Palästina, der auf die Dauer eine für alle Beteiligten unerträgliche psychische und ökonomische Belastung darstellt, verhältnismäßig ungestört bis zur Tagung der UNO-Vollversammlung durchgehalten werden konnte, ist den unermüdlichen Anstrengungen Bernadottes zu danken. Kaum schien es möglich: stehen doch zwei zur äußersten Vernichtung entschlossene gegnerische Armeen mit entsicherten Karabinern und dem täglich erneuerten Schwur einer unerbittlichen Blutrache einander gegenüber. Die Juden im übrigen mit der peinigenden Gewißheit, daß dieser ereignislose Krieg ihre hochintensive Wirtschaft allmählich ruinieren muß, während ein neuer Waffengang, so meinen sie, die Situation binnen kurzem zu ihren Gunsten entscheiden würde. Die Araber wiederum mit der bedrückenden -Einsicht, daß dieser Waffenstillstand sehr zur Verschlechterung ihrer militärischen und politischen Lage bei- , getragen hat, weil die jüdische Zuwanderung während des Waffenstillstandes recht erheblich war. Im Verein mit der Tatsache, daß über ein Viertel der gesamten arabischen Bevölkerung Palästinas geflohen ist und jetzt in provisorischen Flüchtlingslagern in den angrenzenden arabischen Ländern vergeblich auf Rückkehr wartet, droht dieser Zustrom allmählich zu einem Übergewicht des jüdischen Bevölkerungsanteils in Palästina zu führen. Da die jüdische Regierung außerdem dazu übergegangen ist, die neuen jüdischen Einwanderer in die von den Arabern verlassenen Höfe und Häuser zu setzen, müssen die Araber befürchten, daß diese moderne Form der „Kolonisierung“ nur mit erneutem Blutvergießen rückgängig zu machen ist. Und schließlich ist es den Juden gelungen, während des Waffenstillstands Munition und Waffen nach Jerusalem hineinzuschmuggeln.

Jerusalem, das ist der Begriff, um den es jetzt in dieser Phase tatenloser Erregung eigentlich geht. Alle Gedanken kreisen um die heilige Stadt Jerusalem — arabische und jüdische. Und je länger dieser Krieg ohne Waffenlärm und Heldentaten andauert, um so fanatischer und überspannter wird die Atmosphäre und um so extremer die politischen Forderungen und Schwüre, die von den Terroristen zu der Regierung und von den Ministerberatungen zu den Lagerfeuern der Sol* daten hin und her gehen. Graf Bernadotte hatte wohlweislich während dieses zweiten Waffenstillstandes keinerlei Voischläge zur Behandlung des Palästinaproblems entworfen, sondern sich darauf beschränkt, für die Durchführung des Waffenstillstandes zu sorgen, bis die Vollversammlung der UNO einen Ausweg fände. Es hieß allerdings, er habe sich dafür eingesetzt, daß die Stadt Jerusalem, nicht wie zunächst vorgesehen, internationalisiert, sondern vielmehr den Arabern, in deren Gebiet sie als Enklave liegt, zugesprochen werden solle. Mag sein, daß dies zum Fanal für die jüdischen Terrororganisationen geworden ist. Der Befehlshaber der Irgun Zvai Leumi, Beigin, hatte bereits am Tage nach der Errichtung des Staates Israel erklärt, die Irgun würde bis zum letzten Mann dafür kämpfen, daß die alte heilige jüdische Stadt Jerusalem zur Hauptstadt des Staates Israel würde. Und dio sehr viel radikalere Stern-Gruppe hat offiziell erklärt, daß sie, wenn die Regierung in Tel Aviv sich auf irgendwelche Kompromisse in der Einwanderungsfrage einließe, die Offiziere, und Vertreter der UNO in der gleichen Weise bekämpfen werde wie seinerzeit die englische Besatzungsmacht — das heißt mit Mord und Terror. Diesem finsteren Gelöbnis der Stern-Anhänger ist nun Graf Bernadotte zum Opfer gefallen.

Abraham Stern, der Gründer dieser terroristischen Organisation, war eigentlich ein Dichter und diese seltsame Tatsache erklärt vielleicht auch die merkwürdige Zwiegesiditigkeit dieser Gruppe: jene Mischung von Romantik and Brutalität, von religiösem Ethos und politischer Zweckmäßigkeit, von Zynismus und „völkischem“ Idealismus. All das kennen wir in Deutschland zur Genüge aus der Zeit der Fememorde bis zu den‘ Ordensburgen Adolf Hitlers. „Wir sind schlichte menschliche Wesen, die um der Wahrheit willen töten und die für diese Wahrheit selber sterben. Wir sind das nationale Gewissen, auserwählt, um über der Reinhaltung der Lehre zu wachen.“ Dieses Bekenntnis stammt nicht von einem Ordensjunker, sondern von einem Führer der Stern-Gruppe, den ein Berichterstatter mit den Worten schildert: „Er sprach über den. Mord als Institution in einem sanften und zugleich leidenschaftlichen Ton, so wie ein junger und eifriger Priester von den Sakramenten spricht.“

Man darf dabei nicht vergessen, daß die jüdischen Terrororganisationen keineswegs ein geheimnisvolles Untergrunddasein führen, sondern daß sie gewissermaßen am offiziellen Staatsleben teilnehmen, ihre eigene Presse haben und die meisten Führer jedermann bekannt sind. Die Irgun Zvai Leumi hat sich überdies, nachdem ein Teil ihrer Organisation von der Armee übernommen wurde, soeben mit den Revisionisten zusammengetan, der extrem rechtsgerichteten Oppositionspartei, die auch das Gebiet jenseits des Jordans (Transjordanien) für den Staat Israel beansprucht. Auf diese Weise wird nun vermutlich der Geist der Irgun auch in die politischen Parteien hineingetragen und» die Bürger dieses Staates, die ohnehin krankhafter Nationalismus erfüllt, werden wahrscheinlich zu immer abwegigeren Handlungen veranlaßt werden. Augenblicklich ist es Mode geworden, daß alle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ihre Familiennahmen „hebräisieren“, indem sie Namen aus dem Alten Testament oder der Landschaft Palästinas annehmen.

Man kann nur hoffen, daß der Schock, den der Tod des Grafen Bernadotte für die verantwortlichen Männer der Regierung Israels bedeutet, sie für einen Moment wenigstens, innehalten und bestürzt erkennen läßt, wie weit sie auf jenem Wege bereits gelangt sind, der erst vor kurzem ein anderes Volk ins Verhängnis geführt hat.

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Dank an Thomas-Immanuel Steinberg und an Schmidt-Polyglott

http://www.steinbergrecherche.com/index.htm

Seit 1967 bis 2009 hat Israel in Ostjerusalem, im Westjordanland und in Gaza 24 000 palästinensische Häuser zerstört. Bettina Marx, Deutsche Welle

Wie viele es aktuell in GAZA, Westjordan, im Libanon, in Syrien sind? Wahrscheinlich das Zigfache, ohne die Zerstörten Flüchtlingszelte mitzuzählen.

KI Antwort: Kurzantwort: Die verfügbaren, verlässlichen Zahlen zeigen: Im Gazastreifen wurden seit Oktober 2023 zwischen 193.000 und fast 200.000 Gebäude zerstört oder beschädigt, was rund 70–80 % aller Gebäude entspricht. Im Westjordanland und Ostjerusalem wurden 2024 über 1.600 palästinensische Gebäude zerstört.

Die Angaben über ermordete Zivilisten können nur Schätzungen sein, zumal die israelische Armee Hochtemperaturwaffen einsetzt, die die Opfer zu kaum einer Handvoll Materie unidentifizierbar einschmelzen

Nach Recherchen der ZEIT betragen die palästinensischen Opferzahlen allein von 2023 bis 2025  über 120.000 durch direkte Kampfhandlungen Getötete Zivilisten. Ungezählt die durch Hunger, Seuchen, Medikamentenmangel Getöteten. Kriegstote im Gazastreifen: Mehr als 100.000 Tote im Gazakrieg | DIE ZEIT

Jüdische Siedlungen

25.Mai 2009

Israels Premierminister Netanjahu will ungeachtet aller Appelle der USA die bestehenden Siedlungen im Westjordanland weiter ausbauen. Das geht einher mit der massiven Zerstörung palästinensischer Wohnviertel.

Bullldozer zerstört eine palästinensische Siedlung in Ostjerusalem (Foto: AP)
In Ostjerusalem schreitet die Häuserzerstörung voranBild: AP

Jeff Halper muss sich in diesen Tagen auf verlorenem Posten fühlen. Seit Jahren kämpft der Ethnologieprofessor gegen die Zerstörung von Häusern in Ostjerusalem. Doch seit mit Nir Barkat ein neuer nationalistischer Bürgermeister in Jerusalem herrscht, rollen die Bulldozer täglich in die arabischen Viertel der Stadt. Sie reißen die Wohnhäuser palästinensischer Familien ab, meist um jüdischen Siedlungen oder Grünanlagen Platz zu machen. 60.000 Palästinenser in Ostjerusalem sind daher von Obdachlosigkeit bedroht.

Jeff Halper (Foto: wikipedia)
Jeff Halper, Mitbegründer des israelischen Komitees gegen HäuserzerstörungenBild: cc_GNU 1.2.

Diese Häuserzerstörungen sind völlig illegal, unterstreicht Halper. Nach der vierten Genfer Konvention muss eine Besatzungsmacht die Situation so belassen, wie sie war. „Denn alles, was die Besatzungsmacht tut, um ihre Kontrolle über das besetzte Gebiet zu verstärken, nimmt die Ergebnisse von Verhandlungen vorweg“, erklärt er, „und im internationalen Recht sind Verhandlungen die einzige Art, das Schicksal besetzen Gebietes zu bestimmen!“


Deutsche Auszeichnung

Halper, der Mitbegründer des israelischen Komitees gegen Häuserzerstörungen, ist nach Deutschland gekommen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. In Freiburg ist er, zusammen mit dem brasilianischen Bischof Luiz Flavio Cappio, mit dem Kant-Weltbürgerpreis ausgezeichnet worden. In Berlin trifft er sich mit deutschen Politikern und Beamten des Auswärtigen Amtes. Vorher trinkt er noch rasch einen Tee in einem Straßencafé Unter den Linden und berichtet über die neue Welle von Häuserzerstörungen.

In Jerusalem leben rund 250.000 Palästinenser. Sie haben keine israelische Staatsbürgerschaft, unterstehen jedoch auch nicht der Autonomiebehörde in Ramallah. In Ostjerusalem haben sie nur eingeschränkte Rechte, gleichzeitig tragen sie aber den größten Teil der Steuer- und Abgabenlast in der Stadt, die Israel für sich als ungeteilte Hauptstadt reklamiert. Da sie keine Baugenehmigungen erhalten, ihre Anzahl aber durch natürliche Vermehrung und Zuzug ständig steigt, bauen viele ihre Häuser illegal. Regelmäßig werden diese Häuser von den israelischen Behörden zerstört. In Ostjerusalem leben inzwischen außerdem fast 240.000 jüdische Siedler in Vierteln, die Israel als seiner Hauptstadt zugehörig betrachtet.

Palästinensische Frau arbeitet auf einem Feld bei Givat Zeev (Foto: AP)
In Ostjerusalem werde alle paar Tage ein Haus zerstört, erzählt Halper. Seit Obama im Amt ist, gibt es eine Zunahme von Demolierungsbescheiden und viele Versuche, Häuser zu zerstören.Bild: AP

Auf Konfrontationskurs

Seit 1967 hat Israel in Ostjerusalem, im Westjordanland und in Gaza 24.000 palästinensische Häuser zerstört. „Das ist also ein fortgesetzter Prozess“, sagt Halper. „In Ostjerusalem wird alle paar Tage ein Haus zerstört. Seit die Obama-Regierung im Amt ist, gibt es aber einen richtigen Anstieg von Demolierungsbescheiden und viele Versuche, Häuser zu zerstören.“

Aber warum gerade jetzt? Sollte man nicht eher erwarten, dass Israel sich nach dem Richtungswechsel in Washington zurück hält und auf Provokationen verzichtet, wenigstens solange, bis US-Präsident Obama das Land besucht hat? Nein, sagt Halper, im Gegenteil. Israel wolle gerade jetzt zeigen, dass es sich von einer neuen amerikanischen Nahostpolitik nicht beeindrucken lassen wird. Halper hält das für eine Art Test, wie weit man gehen kann.

Ausgerechnet während die neue amerikanische Außenministerin Clinton im vergangenen März in Jerusalem war, wurden mehrere palästinensische Häuser demoliert. 80 weitere erhielten Abrissbescheide. Für Halper ist es kein Zufall, dass ausgerechnet dann, wenn Clinton oder der US-Nahostbeauftragte George Mitchell nach Israel kommen, Häuser demoliert werden: „Es ist eine Herausforderung“, sagt er. „Es ist so, als wenn man der US-Regierung sagen würde: was willst du machen? Die Trumpfkarte der Israelis war immer der Kongress. Israel hat breite Unterstützung im Kongress und kann dem Präsidenten sagen: ‚Geh zur Hölle! Wenn du uns Probleme machst, dann gehen wir zum Kongress und die werden dir schon sagen, dass du die Finger von Israel lassen sollst!'“

Bullldozer zerstört eine palästinensische Siedlung in Ostjerusalem (Foto: AP)
Seit 1967 hat Israel in Ostjerusalem, im Westjordanland und in Gaza 24.000 palästinensische Häuser zerstörtBild: AP

Eindeutige Botschaft

Die israelischen Bürgerrechtler, die sich für die Rechte der Palästinenser einsetzen, hoffen, dass sich der Wind aus Washington bald drehen wird, dass die Obama-Administration die Regierung in Jerusalem unter Druck setzen und auf eine Rückkehr zum Friedensprozess und zur Zweistaatenlösung bestehen wird. Es gebe keine Zeit mehr zu verlieren, sagen sie. Denn während die USA noch nach einer neuen Haltung suchen, schafft Israel Fakten, im Westjordanland und im besetzten Ostjerusalem. Im arabischen Stadtviertel Silvan, direkt vor der Altstadtmauer, sollen demnächst 80 Häuser abgerissen werden, um einen Park anzulegen.

Jerusalems neuer Bürgermeister hat vor wenigen Wochen einen Stadtentwicklungsplan vorgelegt. Darin ist auch der Bau neuer Wohnungen für die arabische Bevölkerung vorgesehen, allerdings erst nach 2030. Neue jüdische Wohnviertel dagegen sollen sofort errichtet werden. Damit soll der Trend junger nicht religiöser Familien, die Stadt zu verlassen, gestoppt werden. Und die Botschaft an die palästinensische Bevölkerung in Ostjerusalem ist klar, so Halper: „‚Macht, dass ihr weg kommt! Das ist unsere Stadt und wir wollen, dass ihr verschwindet!‘ Es ist eine klare Botschaft, wenn man Leuten nicht erlaubt, ein Haus zu bauen.“

Autorin: Bettina Marx

Siehe dazu auch : Zuflucht, Zwingburg, Brückenkopf: Israel – ein grenzenloser Siedlerstaat für ein „Volk ohne Raum“ ? – barth-engelbart.de

Stalin war zwar kein Prophet, aber „Jetzt wird es dort keinen Frieden mehr geben“, sagte er zur Gründung Israels – barth-engelbart.de

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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