(Danke an OPA & seinen Kranich für diese Zusendung. Nach der Lektüre der folgenden Ausschnitte aus dem Buch Israel Shahaks kann ich noch besser verstehen, dass meine Freundin, die Theresienstadt & Auschwitz-Überlebende Hannia Wiatrowski mit Mann und Kind Israel wegen des dort herrschenden Rassismus wieder verlassen hat, nachdem sie nach 1945 aus Polen wegen des dortigen Rassismus nach Israel geflohen war. Sie hat mir erzählt, dass viele gerettete jüdische Polen bei der Rückkehr in ihre Heimatdörfer und Städte ihre Häuser und Wohnungen besetzt fanden, oft von polnischen Rückwanderern/Vertriebenen aus den von Polen in den 1920ern annektierten sowjetischen Gebieten. In dieser Situation kam es nach 1945 in Polen wieder zu antijüdischen Exzessen gegen die in Lumpen gekleideten befreiten KZ-Häftlinge, die in ihre Wohnungen zurück wollten …)
Heutzutage, in der noch die kümmerlichsten Zeitungsmeldungen hinter einer BEZAHLSCHRANKE versteckt (und zugleich angepriesen) werden, ist es erfreulich, das gesamte 230-Seiten-Werk des jüdischen Gelehrten frei zugänglich im Internet zu finden. Harm Menkens, der Übersetzer und Herausgeber der deutschen Ausgabe von 1998, erklärt: „In diesem wissenschaftlichen und höchst lobenswerten Werk liefert Shahak eine provokative Studie darüber, in welchem Ausmaß der weltliche Staat Israel durch religiöse Orthodoxien von gehässiger und potentiell todbringender Natur umgestaltet worden ist. Aus seinem Studium des Talmud und der rabbinischen Gesetze zieht Shahak die Erkenntnis, daß die Wurzeln des jüdischen Chauvinismus und religiösen Fanatismus verstanden werden müssen, bevor es zu spät ist.“
Dass Shahak provokative Aussagen nicht scheut, kann ich bestätigen. Mein Eindruck ist aber auch, dasss das nicht zu Lasten der wissenschaftlichen Qualität geht, sondern dass wahre Erkenntnisse mit besonderem Nachdruck vertreten werden. Dem ist noch mehr Verbreitung zu wünschen. So habe ich mich entschlossen, eine Anzahl Passagen aus diesem Werk hier unkommentiert wiederzugeben:
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Im Vorwort schreibt Gore Vidal (Seite 11 der pdf): „Unnötig zu sagen, dass Israels Behörden Shahak missbilligen. Aber was soll man mit einem im Ruhestand befindlichen Chemieprofessor machen, der 1933 in Warschau geboren wurde und seine Kindheit im Konzentrationslager BergenBelsen verbrachte? Im Jahre 1945 kam Shahak nach Israel und diente beim israelischen Militär. In den Jahren, als dieses Mode war, wurde er kein Marxist. Er war – und ist es immer noch – ein Humanist, der sowohl den Imperialismus im Namen des Gottes Abrahams als auch des George Bush verabscheut.
Gleichfalls widersetzt er sich mit grosser Urteilskraft und Gelehrsamkeit der totalitären Grundströmung im Judentum.„
Und Edward Said schreibt in einem weiteren Vorwort (S. 16): „Als Holocaust-Opfer und Überlebender kennt er selbst die Bedeutung des Antisemitismus. Doch ungleich den meisten anderen lässt er nicht zu, dass mit den Schrecken des Holocaust die Wahrheit darüber manipuliert wird, was Israel den Palästinensern im Namen des jüdischen Volkes angetan hat.“
(HaBE eine kleine Anmerkung zu Edward Said: es gibt kein jüdisches, kein christliches, kein katholisches, kein muslimisches, kein protestantisch-evangelisches, kein buddhistisches ….. Volk und keine entsprechenden Staaten – mit Ausnahme vielleicht des Vatikan-Staates :-)))) und auch keine solchen „Rassen“!!)
Auszüge aus Kapitel 1 – „Israel – ein Utopia für Auserwählte?“
Über den Beginn seiner politischen Aktivitäten in den Jahren 1965/66 berichtet Israel Shahak (S.21f):
„Ich war selbst Augenzeuge eines Vorfalls, bei dem ein ultrareligiöser Jude die Erlaubnis verweigerte, sein Telefon am Sabbat zu benutzen, um einen Rettungswagen für einen Nichtjuden herbeizurufen, der zufällig in seiner Jerusalemer Nachbarschaft zusammengebrochen war. Anstatt den Vorfall einfach in der Presse zu veröffentlichen, bat ich um ein Treffen mit den Mitgliedern des Rabbinischen Gerichts von Jerusalem, das aus Rabbinern zusammengesetzt ist, die vom Staate Israel ernannt werden. Ich fragte sie, ob ein solches Verhalten mit ihrer Interpretation der jüdischen Religion vereinbar war.
Sie antworteten mir, dass sich der betreffende Jude richtig, ja sogar
fromm verhalten hatte, und untermauerten ihre Feststellung, indem sie mich auf eine Passage in einem massgeblichen Handbuch der talmudischen Gesetze hinwiesen, das in diesem Jahrhundert verfasst worden war. Ich berichtete den Vorfall der wichtigsten hebräischen Tageszeitung Ha’aretz, die mit der Veröffentlichung der Geschichte einen Medienskandal auslöste.“
(S. 23): „Ohne eine Erörterung der vorherrschenden jüdischen Einstellungen gegenüber Nichtjuden kann selbst das Konzept Israels als «jüdischer Staat», wie sich Israel offiziell selbst kennzeichnet, nicht verstanden werden. Die weitverbreitete falsche Auffassung, dass Israel – selbst ohne Berücksichtigung seiner Regierungsform in den «Besetzten Gebieten» – eine echte Demokratie sei, erwächst aus der Weigerung, der Bedeutung, die der Begriff «ein jüdischer Staat» für Nichtjuden hat, trotzig entgegenzutreten. Nach meiner Ansicht stellt Israel als «jüdischer Staat» nicht nur eine Gefahr für sich selbst und seine Einwohner dar, sondern für alle Juden und für alle anderen Völker und Staaten im Mittleren Osten und darüber hinaus.“
(S. 25):„Lassen Sie mich mit der offiziellen israelischen Definition des Begriffes «jüdisch» beginnen, wodurch der wesentliche Unterschied zwischen Israel als «einem jüdischen Staat» und der Mehrzahl der anderen Staaten veranschaulicht wird. Nach dieser amtlichen Definition «gehört» Israel den Personen, und nur diesen allein, die von den israelischen Behörden als «jüdisch» definiert werden, ohne Rücksicht darauf, wo sie wohnen. Andererseits «gehört» Israel offiziell nicht seinen nichtjüdischen Staatsbürgern, deren Status sogar offiziell als untergeordnet angesehen wird. Dies bedeutet praktisch, dass Mitglieder eines peruanischen Stammes, die zum Judentum übergetreten sind und somit als jüdisch angesehen werden, sofort berechtigt sind, israelische Staatsbürger zu werden und Nutzen aus etwa 70% des «West-Bank»-Landes zu ziehen (und aus 92% des zu Israel selbst gehörenden Gebietes), das offiziell ausschliesslich zum Nutzen von Juden bestimmt ist. Allen Nichtjuden (nicht nur allen Palästinensern) ist es verboten, Nutzen aus diesen Ländereien zu ziehen. (Das Verbot gilt sogar für israelische Araber, die in der israelischen Armee dienten und einen hohen Rang erreichten.)„
(S. 30f): „Israel propagiert unter seinen jüdischen Bürgern auch eine ausgrenzende [engl.: exclusivist] Ideologie vom Rückkauf = Errettung des Landes [engl.: Redemption of Land] … Nach dieser Ideologie ist das Land, das «zurückgekauft» = «errettet» [engl.: redeemed] worden ist, das Land, das aus nichtjüdischem in jüdischen Besitz übergegangen ist. Das Eigentum kann entweder in privater Hand sein oder auch dem JNF oder dem jüdischen Staat gehören. Das Land, das Nichtjuden gehört, wird dagegen als «nicht errettet» [unredeemed] betrachtet. Selbst wenn ein Jude, der die denkbar schwersten Verbrechen begangen hat, ein Stück Land von einem tugendhaften Nichtjuden kauft, wird das «nicht errettete» [unredeemed] Land aufgrund dieser Transaktion «errettetes» [redeemed] Land. Kauft jedoch ein unbescholtener Nichtjude Land vom schlechtesten Juden, wird das zuvor makellose und «errettete» Land wieder zu «nicht errettetem» Land. Die logische Schlussfolgerung aus einer solchen Ideologie ist die Vertreibung – «Transfer» genannt aller Nichtjuden aus dem Gebiet des Landes, das «errettet» werden muss.“
(S.33f):„Die Hauptgefahr, der Israel als «jüdischer Staat» sein eigenes Volk, andere Juden und seine Nachbarn aussetzt, ist sein ideologisch begründetes Streben nach territorialer Ausdehnung und die sich aus diesem Streben ergebende unumgängliche Serie von Kriegen. …
Meine eigene frühe politische Wandlung von einem Bewunderer
BEN-GURIONs zu seinem entschiedenen Gegner begann genau mit
solch einer Kernfrage. Im Jahre 1956 nahm ich begierig alle von BEN GURION vorgetragenen politischen und militärischen Gründe Israels für den Beginn des SuezKrieges für bare Münze, bis er (obwohl er Atheist ist und stolz auf die Missachtung der Gebote der jüdischen Religion) am dritten Tage jenes Krieges in der Knesset erklärte, dass der wirkliche Grund für den Krieg, «die Wiederherstellung des Königreichs DAVIDs und SALOMONs» in seinen biblischen Grenzen sei.
An dieser Stelle seiner Rede erhoben sich spontan fast alle Knesset Mitglieder und sangen die israelische Nationalhymne.“
Vergl. hierzu mein Erleben des Suezkrieges 1956.
– wird fortgesetzt –
Auszüge aus Kapitel 2 – „Vorurteile und Halbwahrheiten“
Auszüge aus Kapitel 3 – „Orthodoxie und Auslegung“
Auszüge aus Kapitel 4 – „Der Einfluss der Geschichte“
Auszüge aus Kapitel 5 – „Die Gesetze gegen Nichtjuden“
Auszüge aus Kapitel 6 – „Politische Konsequenzen“
–
Der Grundsatz, dass diejenigen, die aus der Geschichte nichts lernen, dazu verdammt sind, sie zu wiederholen, trifft auf jene Juden zu, die sich weigern, mit der jüdischen Vergangenheit ins Reine zu kommen: Sie sind Sklaven ihrer Geschichte geworden und wiederholen sie in der zionistischen und israelischen Politik. Der Staat Israel erfüllt gegenwärtig eine Funktion gegenüber den unterdrückten Bauern vieler Länder – nicht nur im Mittleren Osten, sondern weit darüber hinaus –, die derjenigen der Juden vor 1795 in Polen nicht unähnlich ist: nämlich jene des Verwalters für den imperialistischen Unterdrücker.
(HaBE dazu noch eine Anmerkung: das war auch die Funktion der Balten-Deutschen im zaristischen Russland in Litauen, Lettland und Estland!)
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