Aus der Open Source der Berliner Zeitung
Wie sich Brosius-Gersdorf während der Pandemie vom politischen Zeitgeist treiben ließ
Frauke Brosius-Gersdorf, meint unser Autor, habe als Wissenschaftlerin die gebotene Objektivität vermissen lassen. Als Verfassungsrichterin sei sie deshalb ungeeignet.
Ulf Heuner
04.08.2025
05.08.2025, 12:43 Uhr
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In der Talkshow „Markus Lanz“ vom 15. Juli 2025 bezeichnete die Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht Frauke Brosius-Gersdorf den Brückenschlag zur Praxis als wesentliche Aufgabe der Wissenschaft. Wie bei einem solchen Brückenschlag die Wissenschaft schnell unter die Räder gerät, belegen ihre Einlassungen zu Ungeimpften in der Corona-Pandemie.
In einer früheren Lanz-Sendung am 25. Juli 2024 hatte Brosius-Gersdorf betont, die Grundrechte des Grundgesetzes seien „alles subjektive Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat“. Dabei hatte sie wohl nicht mehr vor Augen, wie sie drei Jahre zuvor in der gemeinsam mit ihrem Ehemann Hubertus Gersdorf verfassten Stellungnahme „Allgemeine Impfpflicht gegen Covid-19-Virus verstößt nicht gegen die Verfassung“ aus dem im Grundgesetz niedergelegten Abwehrrecht auf körperliche Unversehrtheit gegenüber dem Staat eine staatliche Pflicht zur körperlichen Versehrung eines Teils der Bürger konstruierte.
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Verhältnismäßigkeit ist ein verhältnismäßig unscharfer Begriff
Da solch eine Kostenbeteiligung einfach ausgedrückt „eine verhaltenssteuernde Wirkung für die Impfentscheidung haben [könnte]“, sehen Brosius-Gersdorf und Friedlein korrekt, dass hier „ein mittelbar-faktischer Eingriff in das von Art. 2 II 1 GG umfasste Recht auf Nichtimpfung vorläge“.
Ebenso sei das Grundrecht auf allgemeine Handlungsfreiheit nach Art. 2 I GG beeinträchtigt.
Das stellt für Brosius-Gersdorf und Friedlein natürlich kein Problem dar,
denn: „Solche Grundrechtseingriffe wären aber verfassungsrechtlich gerechtfertigt und entsprächen insbesondere dem Verhältnismäßigkeitsprinzip.“ Weil Verhältnismäßigkeit ein verhältnismäßig unscharfer Begriff ist, lassen sich dann auch hier schnell Rechtfertigungen für Eingriffe in die Grundrechte Ungeimpfter finden.
All dies läuft in keiner Weise auf eine Stärkung der subjektiven Abwehrrechte gegenüber dem Staat hinaus, sondern auf die Schwächung der Abwehrrechte von Leuten, die gegen kein Gesetz verstoßen, sich aber moralisch nicht wünschenswert verhalten haben. Da möchte man die Zugbrücke zwischen Wissenschaft und Praxis schnell wieder hochziehen.
Ulf Heuner arbeitet als Lektor und Autor in Berlin. 2005 gründete er den philosophischen Parodos Verlag, den er als Verleger bis 2021 führte.
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Was Nietzsche wohl dazu sagen würde. Here we go:
Es braucht Anführer und Truppe, Herr und Sklave. Und aus Mann gegen Mann wird Imperium gegen Imperium.
Herr und Sklave = Macht für beide. Macht schützt ganz praktisch gegen Raub und Übergriff seitens Dritter. Wunderbare Erfindung, ermöglicht Zivilisation.
Damit das funktioniert, müssen die Herren Herren sein wollen, und die Sklaven Sklaven. Also müssen die Herren klug sein wollen, und die Sklaven nicht so klug. Nützt am Ende allen.
Kommt aber Nietzsche und sagt, Herren seien dumm. Begründung: Klug und dumm seien relativ. Stimmt, unter den Blinden ist der Einäugige König, unter Dementen der Debile Intelligenzbestie. Und schon alles gesagt.
Um Herr sein zu können, genügt es, dafür zu sorgen, daß die Sklaven dümmer sind als der Herr — schon gelüftet das Geheimnis der Moderne, das Geheimnis namens Demokratie. Siehe das staatliche Erziehungs- und Bildungswesen — noch nie war Sklave so blöd wie heute. Um Herr sein zu können, muß einer heute nur infinitesimal weniger dumm sein als seine Sklaven. Und das kriegen die heutigen Herren so gerade eben noch hin.
Setzt aber voraus, daß es auf der ganzen Welt kein konkurrierendes Imperium mehr gibt. Denn wären die dortigen Herren nur ein klein wenig weniger dumm als man selbst… . Tja, und schon wär’s vorbei mit der eigenen Herren-Herrlichkeit.
Schon Klausi-Mausi hatte alle und alles unter Kontrolle, und Merry-Larry jetzt erst recht: kein konkurrierendes Imperium mehr! Die Herren brauchen nun nicht mehr klug, sondern nur noch relativ klüger zu sein als ihre faktisch total verblödeten Sklaven.
Aber genau hier wird es spannend nun. Angesichts der Dummheit sowohl ihrer selbst, als auch ihrer nun die ganze Welt konkurrenzlos beherrschenden Herren, würde den Sklaven ganz mulmig zumute, so Friedrich Nietzsche. Und da alles seine Grenzen hat, auch und sogar der sozial- und der christ- und was-weiß-ich-noch-für-ein demokratischer Sklavenanstand… . Jedenfalls würde es den Sklaven zu bunt werden…
Selbsterhaltungstrieb! Die Sklaven würden klug werden wollen. Sie würden viel klüger werden, als ihre dummen Herren. Die Sklaven würden zu „Übermenschen“ werden, zu ÜBERWINDERMENSCHEN, und die zu blöd gewordene imperiale Zivilisation, die der Herren und Sklaven, überwinden.
Geschrieben um 11:57 Uhr, um drei vor zwölf. Auch die schönste Party muß mal ein Ende finden.