Kanonenbootpolitik
(Das gabs schon einmal um Haiti, um Aristide zu stürzen und beim großen Erdbeben auf Haiti, das nicht nur vor Öl- und Gas-Bohrplattformen umzingelt war, sondern auch von seit Wochen einsatzbereiten Landungsbooten der US-Marine, deren Oberkommando wohl vom Zeitpunkt des Erdbebens vorab-informiert war :-0))) Und dann wurde das Volk von Haiti gerettet :-0)))
Die US-Regierung hat Kriegsschiffe an Venezuelas Küsten geschickt und begründet das mit dem Kampf gegen den Drogenschmuggel. In Wirklichkeit ist das Ziel ein Regimechange in dem Land.

von Anti-Spiegel
7. September 2025 13:07 Uhr
Dass die USA mindestens sieben mit Marschflugkörpern bewaffnete Kriegsschiffe vor Venezuelas Küste geschickt haben, begründet die US-Regierung mit dem Kampf gegen den Drogenschmuggel. Tatsächlich dürfte jedem klar sein, dass es der US-Regierung in Wirklichkeit darum geht, erneut einen Regimechange in dem Land zu versuchen.
Über die Hintergründe der aktuellen Entwicklungen habe ich auf The Cradle einen sehr informativen Artikel gefunden, den ich übersetzt habe. Die Links habe ich aus dem Original übernommen.
Beginn der Übersetzung:
Den Sanktionen folgen in der US-Strategie gegen Venezuela die Kanonenboote
Der militärisch-maritime Aufmarsch der USA vor Venezuelas Küste dient nicht der Drogenbekämpfung, sondern dem Aufbau von Druck auf Caracas. Die Reaktion aus Venezuela, die auf einer asymmetrischen Verteidigung basiert und durch wichtige eurasische Allianzen gestützt wird, hat aus einem einseitigen Kräftemessen einen Wettstreit der Weltmächte gemacht.
von The Cradle’s Correspondent
Die USA sind in eine neue Phase in ihrer langen Subversion gegen Venezuela eingetreten. Nachdem wirtschaftliche und diplomatische Mittel ausgeschöpft wurden, griff Washington nun zum militärischen Hebel und entsandte Kriegsschiffe in die Karibik – eine unverhohlene Machtdemonstration.
Diese Eskalation krönt die jahrelangen imperialen Angriffe auf die bolivarische Regierung in Caracas, beginnend mit umfassenden Sanktionen unter dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, verschärft auf beispiellose Weise unter Präsident Donald Trump und durch parteiübergreifenden Konsens in Washington aufrechterhalten.
Das offizielle Narrativ aus dem Weißen Haus bezeichnet diese Eskalation als Teil eines breit angelegten „Anti-Drogen“-Kreuzzugs gegen sogenannte Organisationen des Narco-Terrors. Doch dieses Narrativ zerfällt bei näherer Betrachtung zu Asche. Was die USA tatsächlich anstreben, ist ein Regimechange und die Kontrolle über diese Region – dürftig hinter einer Rhetorik des „Kampfs gegen den Drogenschmuggel“ verschleiert.
Juristische Kriegsführung als Auftakt zum echten Krieg
Das rechtliche Fundament der US-Operation begann mit einer geheimen Direktive aus dem Weißen Haus, wonach dem Pentagon die Befugnis erteilt wurde, bestimmte ausländische Terrororganisationen ins Visier zu nehmen. Washington entsandte in der Folge eine Flotilla von Kriegsschiffen in die Gewässer vor Venezuela, um dort angeblich den Drogenschmuggel zu bekämpfen, sagte ein US-Verteidigungsbeamter unter der Zusage von Anonymität. Dieser Schritt, von Trump genehmigt, richte sich gegen jene Drogenkartelle, die er für den Schmuggel von Fentanyl und anderen Rauschmitteln in die USA verantwortlich macht.
Unter diesen Gruppierungen befindet sich das sogenannte Cartel de los Soles (Kartell der Sonnen), ein Begriff, der einst informell verwendet wurde, um vereinzelte Korruptionsnetzwerke im venezolanischen Militär zu beschreiben. Washington hat dies nun als ein zentrales Kartell definiert, wobei die Regierung von Donald Trump dieses Kartell als Terrororganisation einstufte, obwohl seine Existenz umstritten ist. Im vergangenen Juli behauptete das Weiße Haus, der venezolanische Präsident Nicolás Maduro sei einer der Oberhäupter des Cartel de los Soles, sekundiert von weiteren hochrangigen venezolanischen Beamten.
Das US-Justizministerium legte nach und setzte ein Kopfgeld von 50 Millionen US-Dollar auf die Ergreifung von Maduro aus. Diese Strategie der „juristischen Kriegsführung“ – einem amtierenden Staatschef die Immunität zu entziehen und ihn als Narco-Terroristen zu brandmarken – soll jede offen ausgeübte Aggression gegen Venezuela vor dem einheimischen wie auch vor dem internationalen Publikum rechtfertigen.
Laut Christopher Sabatini, Forschungsfellow bei der Londoner Denkfabrik Chatham House, sind die Entsendung einer US-Kriegsflotte, die Einstufung der venezolanischen transnationalen kriminellen Organisation Tren de Aragua (Zug aus Aragua) als Terrororganisation und die Erhöhung des Kopfgeldes auf Maduro allesamt Elemente einer Strategie des Weißen Hauses, die darauf abziele, „so viel Lärm in der Sache“ wie möglich zu machen, um die venezolanische Opposition zufriedenzustellen – viele ihrer Mitglieder unterstützen Trump – und um hochrangige venezolanische Regierungsbeamte durch „Einschüchterung“ zur Fahnenflucht zu bewegen.
Fiktive Kartelle, reale Einsätze
Fachanalysen, darunter die von InSight Crime, einer weiteren Denkfabrik, die sich auf Korruption auf dem amerikanischen Kontinent spezialisiert hat, sowie ehemaliger US-Geheimdienstoffiziere, haben die Behauptung widerlegt, Venezuela beherberge ein staatlich gelenktes Drogenkartell. Anfang August erklärte InSight Crime, dass die US-Sanktionen gegen das Cartel de los Soles fehl am Platz seien:
„Die neuen Sanktionen der US-Regierung gegen das sogenannte ‚Kartell der Sonnen‘ stellen es fälschlicherweise als eine hierarchische, ideologisch getriebene Drogenhandelsorganisation dar, anstatt als ein profitorientiertes System allgemeiner Korruption, an dem hochrangige Militärs beteiligt sind.“
Berichte neutraler internationaler Organisationen, wie etwa des World Drug Report 2025 des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, zeigen, dass die Hauptrouten für den Kokainschmuggel aus der Andenregion nach Nordamerika hauptsächlich über den Pazifik und durch zentralamerikanische Korridore verlaufen.
Die östliche Route durch die Karibik, Teile davon verlaufen nahe an Venezuela, macht hingegen nur einen Anteil der Gesamtströme aus, der statistisch vernachlässigbar ist. Diese Diskrepanz macht es unverhältnismäßig, Venezuela als eine Priorität im Kampf gegen den Drogenschmuggel zu brandmarken.
Analysten des organisierten Verbrechens und ehemalige Geheimdienstbeamte wie Fulton Armstrong, stellen ebenfalls die US-amerikanische Erzählung infrage, die das Cartel de los Soles als integrierte, staatlich geführte hierarchische Organisation darstellt. Spezialanalysen, darunter frühere Berichte von Organisationen wie InSight Crime, legen nahe, dass der Begriff ursprünglich informell entstand, um vereinzelte Korruptionsnetzwerke innerhalb der venezolanischen Streitkräfte zu beschreiben, die von illegalen Aktivitäten profitierten – nicht aber eine zentralisierte Struktur ähnlich den mexikanischen Drogenkartellen.
Die US-amerikanische Darstellung scheint diese verschiedenen Phänomene zusammengesetzt zu haben, um es als ein einziges kohärentes Gebilde zu präsentieren, um damit wiederum ein politisches Ziel zu verfolgen: nämlich den venezolanischen Staat fälschlicherweise als „Narco-Staat“ darzustellen.
Hinzu kommt, dass die Regierung von Donald Trump bislang keinerlei glaubwürdige physische Beweise vorlegen konnte, die Venezuela konkret mit der Produktion oder dem Schmuggel von Fentanyl verbinden, jener Droge, die derzeit höchste Priorität für die öffentliche Gesundheit und die nationale Sicherheit der USA hat.
Doch Washingtons militärischer Fußabdruck erzählt eine andere Geschichte. Der Marineeinsatz vor der venezolanischen Küste umfasst Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse mit Aegis-Kampfsystemen, Tomahawk-Marschflugkörpern und die amphibische Angriffsgruppe der USS Iwo Jima.
Dieses Vorgehen ruft beunruhigende historische Beispiele wach, etwa den Zwischenfall im Golf von Tonkin im Jahr 1964, der den Vietnamkrieg eskalieren ließ, oder die US-Invasion in Panama im Jahr 1989, die zur Verhaftung des damaligen Präsidenten Manuel Noriega führte, aufgrund von Vorwürfen der Beteiligung am Drogenschmuggel.
Psychologische Kriegsführung, regionale Signale und Öl
Die deutlich erkennbare militärische Haltung der USA, kombiniert mit vagen offiziellen Erklärungen aus Washington, dient als mächtiges Instrument des psychologischen Drucks. Ziel ist es, Unsicherheit und Stress innerhalb der venezolanischen Institutionen zu erzeugen, insbesondere bei den Bolivarischen Nationalen Streitkräften, indem man zur Fahnenflucht ermutigt oder den Zusammenhalt der Befehlsketten zu stören versucht – und das alles, ohne bisher einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Gleichzeitig verschafft es der venezolanischen Opposition neuen Handlungsspielraum, nachdem sie wiederholt daran gescheitert ist, einen Regimewechsel in Caracas anzuzetteln.
Durch die Projektion überwältigender militärischer Schlagkraft direkt vor der Küste Venezuelas erhofft sich Washington, in der Annahme, die Geschichte werde sich wiederholen, ähnliche Risse innerhalb der bolivarischen Streitkräfte herbeizuführen. Doch anders als noch vor zwei Jahrzehnten ist die heutige Kommandostruktur durch Jahre der Belagerung, der Ausbildung durch befreundete Streitkräfte und durch die vertieften Verbindungen zu russischen und iranischen Militärpartnern verhärtet.
Die US-amerikanische Operation erfüllt letztlich mehrere Funktionen. Neben dem Hauptziel, Venezuelas militärische Führung zu spalten und eine gescheiterte Opposition wiederzubeleben, sendet sie auch Signale an die regionalen Verbündeten von Caracas – namentlich Kuba und Nicaragua – sowie an die internationalen Unterstützer Russland, China und Iran, dass die USA beabsichtigen, ihren sogenannten „Hinterhof“ zu behaupten.
Über Havanna und Managua hinaus haben auch andere lateinamerikanische Regierungen Washingtons marinegestützte Selbstsicherheit mit wachsendem Argwohn betrachtet. Berichte des Militärportals DefesaNet beschreiben „Operation Imeri“, einen geheimen Plan, der angeblich im brasilianischen Außenministerium erörtert wurde, um Maduro im Fall der Fälle zu evakuieren um ihn vor einer US-geführten Intervention zu schützen. Obwohl offiziell dementiert, deuten die durchgesickerten Informationen auf ernsthafte Debatten innerhalb der brasilianischen politischen und sicherheitspolitischen Elite hin, wie man mit Washingtons Eskalation umgehen solle.
Innerhalb der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) hat die Kanonenboot-Diplomatie der USA die Furcht vor einer Rückkehr zum Interventionismus des 20. Jahrhunderts neu entfacht, und gleichzeitig Washingtons Ansehen in der Region weiter untergraben.
Doch im Zentrum all dessen steht Öl. Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Reserven der Welt. Sich den Zugang zu sichern – oder ihn zumindest anderen zu verwehren – bleibt ein Kernelement der US-Strategie in der westlichen Hemisphäre.
Caracas kontert mit Asymmetrie und Allianzen
Präsident Maduro hat mit der Aktivierung der Verteidigungsdoktrin Venezuelas des „Krieges des ganzen Volkes“ reagiert. Diese Doktrin sieht vor, bis zu fünf Millionen Kämpfer zusätzlich zu den bolivarischen Streitkräfte zu mobilisieren, um damit ein landesweites Widerstandsnetz aufzubauen, das jeden Eindringling in einem langwierigen Abnutzungskrieg ausbluten soll.
Diese Doktrin, eingeführt nach dem Putschversuch von 2002 unter Hugo Chávez, dem Vorgänger von Maduro, zielt darauf ab, jede fremde Invasion durch zivilbasierte Verteidigung, die in lokalen Gemeinschaften verwurzelt ist, in eine langwierige, verlustreiche Besatzung zu verwandeln.
Auf diplomatischer Ebene verurteilte Venezuela den US-Schritt als Bruch des Völkerrechts und mobilisierte Unterstützung in regionalen und globalen Foren, darunter in der CELAC und bei den Vereinten Nationen. Noch entscheidender stützt sich Caracas auf seine strategischen Allianzen.
Russland liefert moderne Waffen, führt gemeinsame Manöver durch und blockiert US-geführte Resolutionen im UN-Sicherheitsrat.
China bleibt Venezuelas größter Gläubiger und Wirtschaftspartner, bietet durch Öl abgesicherte Kredite und Investitionen in die Infrastruktur. Seit Jahren stellt Peking der venezolanischen Regierung Milliardenkredite im Austausch für künftige Öllieferungen bereit, was Caracas dringend benötigte Liquidität verschafft hat.
Iran liefert technisches Know-how zur Wiederherstellung der Raffinerien Venezuelas, transportiert Treibstoff über blockierte Seewege und füllt Supermarktregale mit lebensnotwendigen Gütern. Das Verhältnis zwischen Caracas und Teheran ist einzigartig, gegründet auf einer objektiven Solidarität zwischen zwei Ländern, die maximalem Druck und US-Sanktionen ausgesetzt sind, und getragen von einer ideologischen Haltung gegenüber jeglicher Form von Hegemonie.
Gemeinsam bilden diese Allianzen einen geopolitischen Schutzschild, der Venezuela bislang davor bewahrt hat, im Gefolge der US-Sanktionen zu einem gescheiterten Staat zu werden. Jeder Partner liefert eine eigene Schicht des Widerstands: Russland sichert militärische Tiefe, China ökonomischen Sauerstoff, Iran praktische Lösungen für den Alltag. Zusammen haben sie eine potenziell einseitige Intervention in ein zentrales Kräftemessen in der entstehenden multipolaren Ordnung verwandelt.
Im Jahr 2022 intensivierten Teheran und Caracas Öltransfers von Schiff-zu-Schiff, bei denen Rohöl verdeckt auf See umgeladen wurde, um US-Sanktionen zu umgehen, ein Beweis für die erfinderischen Mittel, mit denen beide Länder ihre bilateralen Energieflüsse aufrechterhalten.
In Lateinamerika und darüber hinaus ist Washingtons Drehbuch kaum etwas Neues. Panamas Noriega wurde unter dem Vorwand des Drogenschmuggels gestürzt, in Afghanistan wurde der Mohnanbau in den „Krieg gegen den Terror“ eingegliedert, obwohl der Drogenanbau des Landes unter US-Besatzung florierte. Durch das Wiederaufwärmen dieser Metaphern versucht Washington nun, eine grobe Machtausübung hinter einem juristischen Nebel zu verbergen.
Szenarien am Horizont
Drei mögliche Entwicklungen zeichnen nun den weiteren Weg vor.
Erstens: eine unter Kontrolle gehaltene Krise. Die USA setzen ihre Kampagne des militärischen Drucks fort, ohne einen direkten bewaffneten Konflikt zu beginnen. Washington hält seine maritime Präsenz in der Region aufrecht und nutzt sie als Verhandlungsmasse in umfassenderen globalen Gesprächen, insbesondere mit Russland und China. In diesem Szenario bleibt die Konfrontation eingedämmt, während die Bedrohung fortbesteht.
Zweitens: eine begrenzte Intervention, die ins Chaos abgleitet. Dies könnte die Form eines gezielten Angriffs oder einer Seeblockade annehmen, was heftigen Widerstand der venezolanischen Streitkräfte und Milizen auslösen und wirtschaftliche Schockwellen über die globalen Energiemärkte schicken würde, während es gleichzeitig die Nachbarländer Venezuelas destabilisieren könnte – und das würde insbesondere Kolumbien betreffen.
Drittens: ein kalkulierter Rückzug. Angesichts hoher Risiken und schwindender Erfolgsaussichten könnten die USA ihre militärische Präsenz zurückfahren, während die wirtschaftlichen Sanktionen aufrechterhalten werden. Caracas wiederum würde dank seiner ausländischen Allianzen und seinen inneren Mechanismen der Resilienz überleben – und bekäme so ein angespanntes, aber stabiles Patt.
Es wird deutlich, dass Washingtons Eskalation, getarnt in der Rhetorik der Bekämpfung des Drogenschmuggels, im Kern eine vielschichtige Kampagne des maximalen Drucks darstellt, mit Zielen, die weit über die Bekämpfung der Drogenkartelle hinaus gehen. Dieses schwache Argument, untergraben durch Daten und Fachanalysen, dient lediglich als politische und juristische Nebelwand, um eine breitere geopolitische und ökonomische Offensive zu tarnen.
Jeder dieser Wege ist mit hohen Kosten und Risiken verbunden. Doch eines ist sicher: Hier geht es nicht um Drogen, sondern es geht um das Überleben des Imperiums. Und Venezuela, schon seit Langem von Washington zur Destabilisierung ins Visier genommen, ist zu einer zentralen Frontlinie im globalen Kampf gegen die unipolare Vorherrschaft geworden.
Der Ausgang dieser Krise wird nicht nur Venezuelas Zukunft prägen; er wird als Wendepunkt im Kräfteverhältnis des 21. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen.
Ende der Übersetzung