Kinder-Träume: als ein Parkhaus noch ein Haus im Park & unser Platz im Park noch kein Parkplatz war

Von Haselburg-müller – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13305157

Das Haus im Park, an der Brücke über die Mümling, über die alle US-Panzer fuhren, auf dem Weg zum Kindergarten mussten wir oft auf das Geländer ausweichen, denn die Ketten ratterten auch über den Bürgersteig. In dem barocken Brückenhaus wohnte der gräfliche Förster Wild und seine Tochter Doris. Wild, ein schöner Förstername. Keine Bange, das Haus hatte keine Selbstschussanlage :-0))) Wenn der Förster im Forst war, ließ uns Doris -etwas eifersüchtig zwar, aber doch- ins Haus. Für eine “wilde Ehe” war es ja noch zu früh. Und der Keller war wegen der Mümlingnähe zu feucht. Die oberen Räume waren tabu. Und Doris Mutter eine undichte Stelle. Schöner wars im zweiten Parkhaus und im Winter wars dort auch wärmer in der Orangerie. Der Schlossgärtner heizte nicht nur die Gewächshäuser, er ließ für uns auch oft die Türen zur Orangerie unverschlossen. Ein schöner Spielplatz. “Führerin sei Du Natur” stand am Giebel des klassizistischen Tempels. Wir haben uns daran gehalten, soweit wir durften und konnten.

Loukardis, die junge Altachtundsechzigerin. war Ostern 68 erst 15, als ich als “älterer Held” noch nicht 21 bereits öffentlich-unrechtlich verkrüppelt im Krankenhaus lag. Sie wäre jetzt 66 und würde am 02.04. 2020 67. 1967 hat meine unheimliche Liebe mich in der Fox-Tönenden Wochenschau bewundern können, wenn der ganze Kinosaal in Michelstadt am “Schmerkers Garten” zwischen Standing Ovations, Fan-Kreischen und Buhrufen schwankte – eine ganze Woche lang: ein HaBE Interview zum Frankfurter Ostermarsch, wo ich Gerhard Zwerenz kennenlernte. …

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… Verhaftung in Bonn in der Bannmeile,6 Stunden Haft in der Bundesgrenzschutz-Wache im Bundeshaus, Beschlagnahme der Transparente, Plakate, Flugblätter gegen die Notstandsgesetze, Hausdurchsuchung in Michelstadt, Haft in der JVA-Frankfurt-Höchst. weitere Aktionen gegen die Notstandsgesetze, zur Kautschuk-Streikunterstützung, gegen die öffentlichen Vereidigungen, gegen die Missbrauchsorgien in evangelischen Anstalten, gegen den Vietnamkrieg, ….

Sag mir wo die Blumen sind, die Blumenwiesen, in denen wir als Kinder, als Dreieinhalb Käsehochs gelegen haben. Unsere Eltern waren verstrickt und wir waren verträumt und verrückt. Unsere Eltern taten so, als hätten sie nichts gewusst und wir haben wirklich nichts gewusst …. zum Glück, damals …. wir haben uns im Laub versteckt und in uns verkrochen , himmlische Höh(L)en-Flüge – (ganz ohne Kiffen) unsere Plätze im Park unentdeckt von Eltern und verräterischen Brüdern

Dein Turm wird- mein Turm wurde schon abgerissen
KinderLiebeKinderTräume: Loukardis Gräfin zu Erbach-Fürstenau zum 60. Geburtstag

der war am 02.04. 2013

File:Frankfurt Am Main-AfE-Turm-Ansicht vom Messeturm-20130525.jpg

Loukardis stürzte 2005 im AFE-Turm in den Tod, mich stürzte 1968 ein Polizist mit Staatsgewalt vom Vordach des ZÜRICH-Hochhauses in eine lebenslängliche Schwerbehinderung. Nächste Woche wird nichts mehr an beide Türme erinnern. Ein zahnloser hessischer Löwe hat sie “denkmalgeschützt”, es hat ihnen aber nichts genützt. Schon 2008 war das Zürichhochhaus weg, als ich beim 40. Jahrestag im Februar vom Vordach eine Erinnerungslesung machen wollte. Als Ersatz habe ich sie vom Dach des GallusTheaters gemacht bei dessen 25. Geburtstag, in den Hof, in den die 1600 ZwangsarbeiterINNen im ADLER-WERKseigenen KZ-Katzbach blicken mussten, wenn sie es konnten und durften – bei fauligem Wasser und verschimmeltem Brot.

Gedenktafel für die Häftlinge des ehemaligen KZ-Außenlagers

Gebäude der Adlerwerke, gesehen von der Kleyerstraße, 2007

Gegen das Vergessen !!!!

Liebe Loukardis, liebe LouCandys, liebe Candy-Lou,

(oder Candy-Lou oder nur Candi oder Kardy, die wilde Försterstochter aus dem Barock-Försterhaus vor der Mümlingbrücke und der Rennaisance Schlossmühle nannte uns immer: “Kardy und Hardy”, wenn sie für uns mit einem leichten Anflug von Eifersucht ein Treffen organisierte . Doris Wild ? Schön, schön, schön war die Zeit, dort wo die Blumen blühn… der ganze Schlosspark ein Meer von Annemonen, Windröschen, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Hyazinthen, Narzissen, Osterglocken und alles Wild…. Und wir als Kinder – obwohl erz-evangelisch – immer bei den katholischen Prozessionen durch den Erbach-Fürstenauischen Park vorne weg Blumen streuen, die wir zusammen am Tag vorher heimlich gesammelt hatten oder erst in aller „Herrgotts-Frühe“ Und der Schlosspark-Gärtner hat immer so getan, als  ob er uns nicht sähe. Und dann und wann hat er „aus Versehen“ die Hintertür  zur Orangerie offen stehn lassen … Wer hat noch Mal das Lied vom Candy-Man gesungen ? Donovan ? Und wer hatte es wann auf mich umgetextet ?

( Lou, Candy, Kardy… klar waren das Deine Kose- und auch Tarn-Namen in den Mittsechzigern, wenn wir uns Mal treffen wollten, geschrieben haben, was in den Endsechzigern leider viel zu selten klappte *****)

es war immer eine schier unüberwindliche Mauer zwischen uns, doch wir haben es als Zweikäsehochs gepackt, wenn wir drei oder zwei davon aufeinanderstellten, dann konnten wir die Schlossparkmauer überwinden und uns im Unterholz auch finden.

1951/52 bereits Linksaußen ohne Hosenträger auf der Schlossparkmauer. Und Loukardis noch nicht in Sicht.

Du mit deiner ganz ungräflichen Lausbubenstimme, die in den späten 50ern schon so Alt klang wie meine, oder war das die deines Bruders ? Klar, wir haben uns mit ihm geprügelt oder waren es die Coussengs aus dem Hause Erbach-Erbach-Erbach-Leiningen und den Seinigen ? und erst in den 60ern, als wir schon nicht mehr dicht an der Schlossparkmauer wohnten, habe ich Dich und Deine Altstimme entdeckt. Dein Bruder oder wars Dein Vater ? alle haben sie Dich versteckt gehalten und nur selten haben wir uns gesehen. Hinten im Armenviertel bei der Einhards-Basilika,

Heute hat sie blitzblank restauriert alles Geheimnisvolle verloren. Die Hecken sind weg, die Staketenzäune auch, kein Unkraut in den Fugen, in fünf Minuten touristisch abgehakt. Kinderträume sind hier nicht gefragt. Als Kulisse für Umberto Ecos “Im Namen der Rose” zu unspektakulär. Es sind heute die gleichen Motive wie damals, als Einhard die Mark Michelstadt verließ und nach Seligenstadt am Main umzog zusammen mit den in Rom gestohlenen Reliquien der Heiligen Petrus und Marcelinus. Im Odenwald gabs nur Met und Sauerwein und der ging regelmäßig ein. Und die Spekulation auf den großen Pilgerstrom aus dem Rhein- und dem Maintal, der eigentliche Grund für die “Umbettung” der heiligen Knochenreste von Rom nach Michelstadt, war eine gewaltige Fehlkalkulation des kaiserlichen Schreibers und ungeliebten Schwiegersohnes Karls des Großen. Wildschweine gabs reichlich, aber sonst kam im 9. Jahrhundert keine Sau freiwillig nach Michelstadt. Na ja, ein paar arme Schweine werdens schon gewesen sein.

und dem alten Kindergarten, kurz vor dem Farrentrapp mit seinem “Zaun” aus Sandsteinplatten, oft auch aus ausgedienten “Stickeln”, wie im Odenwald früher die Grabsteine hießen … .. da konnte ich Dich treffen und mit keinem Minenspiel verraten, dass ich Dich und niemand andren sonst treffen wollte. Na ja, Deine Freundin Rosanna traf ich auch nicht ungern. Ihr ward wie Kästners reifer gewordenes “Doppeltes Lottchen”. Da wars bereits so um die 66/67/68 und Du noch lange keine 18. Und ich schon soooo weit weg, geflohen, ausgewiesen aus den Weihrauch-Nebelfeldern der Mümling-(manchmal süßen Sünden-)Sümpfe, dem Mief von über 1000 Jahren unter den Talaren der Amtsrichter, Pfaffen & Grafen und Winkeladvokaten, der Kriegsgewinnler, der ZwangsarbeitswirtschaftswunderUnternehmerKinder,  wir Outlaws, heimatvertrieben wie die vaterlandslosen Gesellen, die noch das letzte pflügbare Handtuch im Odenwald bei Bank und Adel eintauschen mussten gegen die Fron-Freiheit und Niedrig-Lohnarbeit im Stücklohn und Akkord-ist-Mord bei Pirelli, Merk, Röhm & Haas, Rowenta, Rexroth, Koziol, Dunlop und Casella.

Wir zwischen Zahnradbahn und Petronella auf dem AmiStraßen-Strich am Kiosk-Schwarz beim Opa von der Jessika, wo sich die OstWest und die Nordsüd-Bundesstraßen und eben nicht nur die so furchtbar fruchtbar kreuzten.

1953 oder 54 oder 55 ? Linksaußen (wo auch sonst!), obere Stufe mit Hosenträger zur fürchterlich kratzenden über Generationen vererbten Bleyle-Hose. Ein Sonntagsbild vor dem Eingang zum Wohn- und Ex-Verwaltungsgebäude der “Kammfabrik”. Von hieraus mit 15 Meter Anlauf über die B45/47 war die Schlossparkmauer kein unüberwindliches Hindernis mehr.

Ich habe Dich besungen von vor den Schlossparkmauern, trotzig auch ganz offen, wenn ich sie erklommen und schon in den 60ern etwas gesoffen hatte oder heimlich im Schlosshof, immer auf der Hut vor deinem Vater, “Es waren zwei Konigs-Kinder…” Das hatte nix mit Tom Königs zu tun und außerdem warst Du Grafen-Kind und ich nicht Mal das. Das konnte ja nix werden. Zumindest nicht auf Erden.

Dein Bild aus Kinder- und aus Jungend-Jahren bleibt mir in Herz und Kopf und Bauch….

und wenn ich heute lesen muss von Deinem Tod. und wie ihn dieses verFAZte Blatt FRmarktet … ich lass Dich nicht in unendliche Escher-Albträume versetzen. Du bleibst mein Kindertraum, meine Kinderliebe, mein Sturm und Drang für den ich desertieren wollte. Und es auch tat, Du warst zumindest auch ein Grund für mich, den viel Verliebten und vor der Bundeswehr schon Not-Verlobten,

dem Bund die beiden Mittelfinger heldenhaft zu zeigen, um aus der Todes-Haft für ihre Kriege zu entkommen. Zu Viele haben sich und zu viel anderen in dieser mörderischen Massen-Haft das leben und die Lebenslust genommen. Du warst ein Teil der Kraft, die mich dort rausgeholt hat. Dafür möchte ich Dir heute noch und immer wieder danken.

Halt uns Oben einen Platz frei, wir haben noch so viel zu babbeln..

Ach ja, Du hast schon früh Deine “Gräfin zu” entschieden weit hinter Dir gelassen. Ich fand es schön, dass Du von Innen die Schlossparkmauer abgerissen hast.

Als Kind hattest Du dreieinhalb Türme, sogar einen Hochzeitsturm, der rechts mit dem Kuppeldach
Ich hatte nur einen, den Schornstein der Kammfabrik und den musste ich mit 8 Geschwistern und fünf Familien teilen
Es mag ja sein, dass es im Schloss Fürstenau einen Schlossgeist gab. Aber in der Kammfabrik gab es -wie das Foto beweist- eine echte Hexe, die Oma Schuster, die viele meiner Albträume beherrschte. Manchmal stand sie auf dem Schornstein und warf Backsteine herunter oder sie fing mich im Treppenhaus, die gnadenlose Hausbesitzerin, die alles wusste und was sie nicht wusste herausbekam. Die durch ihr Klappfenster in der Wohnungstüre im Erdgeschoss jede Bewegung überwachte: “Kläppsche uff, Kläppsche zu” — Aber ihr Riwwel-Quetsche-Kouche schmeckte höllisch gut, obwohl ich wusste, dass sie aus dem Schafstall kommend den Teig knetete, ohne sich vorher die Hände zu waschen. Gerücht? Nö! Ich habs gesehen, als über Weihnachten 55 der Küchenboden noch offen war wegen Hausschwamm, konnte man auf den Balken balancierend in die “Schuster-Küche sehen, wo die Hühner vor dem Frost geschützt herumliefen und die Oma aus dem Schafstall zurück , wo sie “de Schäf ihr Dringes” erledigt hatte, ohne Händewaschen für den Streuselkuchen die “Riwwel geriwwelt” hat

Im “Damenschneider” habe ich seit vielen Jahren einen der besten Plätze für Dich reserviert. Dort haben wir uns regelmäßig in der Orangerie getroffen- im alten Spruchkammer-Nachfolge-Entnazifizierungskreis des aus den USA zurückgekehrten säkularisierten Juden Dr. Mömlinger, der sich zum AntiFa-Kreis weiter entwickelt hatte…

Also, Du hast den Platz im Roman, dafür hälst Du uns oben oder unten , auf jeden Fall drüben (eben dort, wo sie uns immer hinschicken wollten) die besten Plätze neben Dir frei!!

Ich werde alle Deine FreundINNeN von Dir grüßen, Deine Männer und Kinder auch ?

In alter Eifersucht und unzerbrechlicher Kinderliebe

Dein Hartmut

(*****Heyhey Hello Mary-Lou, das war das Lied aus dem ein Teil Deines Kosenamens stammte, ich glaube es war von den dänischen Kinderstars Jan und Kjelt und wir haben versucht, sie zu imitieren, bis wir die Little Banjo-Boys zu doof fanden und auf die Songs von Pete Seeger umgeschwenkt sind. Mit den ersten Versuchen einer Skiffel-Group im Odenwald, einer auf Banjo umgefriemelten Gitarre, dem Waschbrett aus der Waschküche der “Bauernschule”, und einem mit Butterbrotpapier überspannten Teekessel, der so als Saxophon diente, näturlich auch der Teekisten-Bass, den wir uns beim Bahnspediteur Nord organisert haben oder die ZigarrenKisten, Tabak-Kisten vom “Zigarren-Schöll” in der Hauptstraße kurz vorm Rathaus, neben der Gaststätte zur Krone und dem “Schwiegermutter-Brunnen”, gegenüber vom “KONSUM”, neben der Drogerie Rexroth, dem “Kaisers Kaffee” und schräg gegenüber vom Eisenwaren “Croissant”, der vor der Auswanderung der Hugenotten wahrscheinlich in Frankreich Bäcker war. Warum der dann Nägel und Schrauben gebacken hat, war uns als Kindern immer ein Rätsel, da half uns auch das Französisch meiner Mutter nicht besonders, oder das der Dorniaques, die die Kammfabrik betrieben hatten. Auch das vom Schuster Bischof aus Paris nicht, der nach 1918 Paris verlassen musste und so nach Steinbach kam ((“Wie der Bischof von Paris nach Steinbach kam”, ist eine Kurzgeschichte, die ich 1992 geschrieben HaBE))

DRINGEND NOT-WENDIGE VORBEMERKUNG (bevor es zum Ostereinmarsch in die Ukraine geht !?!?)

Recherchen zur Ukraine, zu B-H (((wo der EU-Gouverneur mit EinmaRSCH DROHT; WAS DER Ö-AUSSENKASPER von der ÖVP FÜR DIE uKRAINE IM GESTRIGEN zip (20.2.14)vorerst noch ausgeschlossen hat)))  wie zu Hermann Josef Abs sind äußert schwierig. Sie hängen immer direkt mit den Niederkunfts-& Geburtslügen der Bundesrepublik – von der Kronberger Währungskonferenz bis zur Berliner Luftbrücke von des Reiches, der balkanischen Erweiterung, mit OstKornkammern & Ölquellen & Krimsekt zusammen.

Sie sind auch sehr teuer.  So teuer, dass sie den Rechercheur in den Bankrott treiben. Dazu HaBE ich weiter unten Einiges geschrieben. Die jetzt wieder auf mich zukommenden Abmahn-Kosten kann ich mit meiner (Berufsverbots-bedingt-gekürzten) Rente alleine nicht schultern. Damit ich mein ABS-olut NonProfit Internet-Projekt weiter betreiben kann, bitte ich Sie/euch unter dem Kennwort “ABS-solution” um Spenden auf mein Konto Nr. 1140086 bei der VR-Bank Main-Kinzig-Büdingen , BLZ: 506 616 39

Danke. HaBE))

GEGEN DAS VERGESSEN

Das Konzentrationslager in den Adlerwerken in Frankfurt am Main

Lageplan der Adlerwerke, das KZ im südöstlichen Gebäudeflügel ist rot markiert

Skizze: LAGG e.V.

22. März 1944 Ein Luftangriff führte zu schweren Zerstörungen in den Adlerwerken in Frankfurt am Main. In Folge dessen wurden die meisten Produktionszweige ins Umland verlagert und damit auch die Firmensubstanz über das Kriegsende hinaus gerettet. Schützenpanzerfahrgestell- und Motorenfertigung blieben in Frankfurt. Arbeitskräfte fehlten. »Nachschub« an Zwangsarbeiter/innen gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Die Adlerwerke forderten beim SS-WVHA (Wirtschaftsverwaltungshauptamt) mit Nachdruck KZ-Häftlinge an. Sie sollten direkt am Arbeitsplatz untergebracht werden – mitten in der Stadt, im Gallusviertel, im dritten und vierten Stock des Fabrikgebäudes an der Weilburger Straße im Werk I. Eine schnell umzusetzende und billige Lösung. Um den Mangel an SS-Personal auszugleichen, stellten die Adlerwerke eine eigene, 300 Mann starke Hilfswachmannschaft zusammen, die mit der SS kooperierte. Die Organisation des Lagers wurde zwischen SS und Werk aufgeteilt.

Mitte August 1944 Lagerkommandant Franz traf in den Adlerwerken ein.

22. August 1944 Mit der Ankunft des Bauvorkommandos – 200 KZ-Häftinge aus Buchenwald – war das KZ Frankfurt/Adlerwerke, ein Aussenlager des KZ-Natzweiler, Deckname »Katzbach« eröffnet.

29. September 1944 Tausend KZ-Häftlinge kamen nach dreitägigem Transport aus Dachau in Frankfurt an. Anfang September hatte man sie aus dem aufständischen Warschau in das KZ Dachau verschleppt. Das Alter der Häftlinge lag zwischen 11 und 65 Jahren.

Ende Oktober 1944 Im KZ »Katzbach« waren 1139 Häftlinge – der höchste Belegungsstand des für 1000 Häftlinge konzipierten Lagers, das eine Fläche von höchstens 1300 qm hat. Insgesamt wurden mindestens 1600 Häftlinge in die Adlerwerke gebracht, für die die Adlerwerke einen geringen »Mietpreis« zahlten.

Jahreswechsel 1944/1945 Die Adlerwerke erzielten im Jahre 1944 den höchsten Bilanzgewinn während des 2. Weltkrieges.

8. Januar 1945 Mindestens 50 Häftlinge, die sich im Einsatz im Werk II befanden, starben bei einem Bombenangriff. Sie waren eingesperrt in einem Kellerraum, der nicht unter einem Gebäude, sondern unter einer Fahrstraße auf dem Werksgelände lag. Lagerkommandant Franz hatte untersagt, die Häftlinge in die Schutzbunker ins Werk I zu bringen.

Januar 1945 Im KZ gab es bereits 227 Tote; mindestens jeder sechste Häftling starb unmittelbar in den Adlerwerken. Die meisten kranken und arbeitsunfähigen Häftlinge wurden jedoch in das KZ Außenlager Vaihingen geschickt, faktisch ein Sterbelager. Das KZ Adlerwerke hatte die höchste Vernichtungsrate aller hessischen KZ Außenlager und aller Produktionskommandos des KZ-Stammlagers Natzweiler.

22. Januar 1945 Von ursprünglich 1200 Häftlingen befanden sich nur noch 744 im Lager. Der Januar 1945 war der Monat mit der höchsten Todesrate.

26. Januar 1945 In der Häftlingsstatistik wurden 167 »Zugänge« registriert. Die Häftlinge waren Warschauer, die wahrscheinlich alle vorher im KZ-Außenlager von Daimler-Benz in Mannheim-Sandhofen waren.

1. Februar 1945 225 Häftlinge aus Buchenwald kamen an. Der Transport setzte sich hauptsächlich aus langjährigen Häftlingen aus dem KZ-Außenlager Auschwitz-Jawischowitz zusammen. Mit ihnen kamen noch einige deutsche Häftlinge, die kurz zuvor aus Strafgefängnissen nach Buchenwald eingeliefert worden waren. Die bis dahin homogene Häftlingsgruppe war jetzt hierarchisch angelegt. Nach den wenigen »Reichsdeutschen« folgten die polnischen, russischen und jüdischen Häftlinge. Dazwischen gab es vereinzelt Häftlinge aus anderen Ländern. Acht Nationen waren im Lager vertreten.

12. März 1945 letzter Eintrag in der Häftlingsstatistik der Adlerwerke mit »Bestand«: 874.

13. März 1945 Ungefähr 500 sterbende, kranke und marschunfähige Häftlinge wurden in Güterwaggons gepfercht. Die SS verschloss sie, und drei Tage und Nächte standen sie auf den Gleisen bevor sich der Zug nach Bergen-Belsen in Bewegung setzte. Am 23. März 1945 erreichte er sein Ziel. Lediglich acht Häftlinge überlebten den Transport und das KZ Bergen-Belsen.

23. März 1945 Die Produktion im gesamten Werk stand still.

24. März 1945 Der Evakuierungsmarsch nach Buchenwald mit den restlichen etwa 400 Häftlingen begann. Am 30. März 1945 trafen dort 280 Häftlinge ein. Einige von ihnen überlebten in den Krankenblocks des KZ Buchenwald, andere wurden in weiteren Märschen in das KZ Dachau getrieben. Knapp 40 Häftlinge aus den Adlerwerken erreichten am 27.4.1945 das KZ Dachau und wurden dort zwei Tage später zunächst von Widerstandskämpfern unter der Leitung des Kommunisten Georg Scherer und dann endgültig von der US-amerikanischen Armee befreit, ohne deren Vormarsch die Selbstbefreiung nicht möglich gewesen wäre.

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de Zeige alle Beiträge von Hartmut Barth-Engelbart Autor Hartmut Barth-EngelbartVeröffentlicht am 30. Januar 20142. August 2016Kategorien AllgemeinSchlagwörter Adler-KZ “Katzbach”, AFE-Turm. FR, Ant-Vietnamkrieg-Demo 1968, Asselbrunn, Bahnspediteur, Casella, Cassella, Claudia Michels, Dachau, Damenschneider, der Bilderstürmer von Michelstadt, Dr. Alsberg, Dunlop, Einhards-Basilika, Entnazifizierung, Frankfurter Rundschau, Fußbodenheizung, Glocken für den Endsieg, Glockenspiel, Heidelwich, Howard Rotavator, Jessika Schwarz, Kammfabrik, Kios Schwarz, Koziol, LAGG e.V., Loukardis von Erbach-Fürstenau, Merk, Michelstadt, Nicolaus Matz, Nord, Orangerie, Pirelli, Raimund von Erbach-Fürstenau, Rainer Roth, Rexroth, Röhm & Haas, Rowenta, Scharfrichter, Silberbonz, Spruchkammer, SS-Sturmbannführer, Stadtkirchen-Renovierung, Steinbach, Sturz vom Dach, Todesmarsch, Üb immer Treu und Redlichkeit, Unterer Hammer, US-Handelszentrum, Weckbach, Wolfgang Stryi, Zürich-Hochhaus„Dein Turm wird- mein Turm wurde schon abgerissen
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