70. Erzählabend Mittel-Gründau /Entdeckungs-Histouren: nicht nur alte Grabsteine

Mittel-Gründauer Entdeckungs-Histouren -per Pedes, per Pedale, per PS oder PC / 70. Erzählabend des Historisch-Demokratischen Vereins von 1848

am Do. 2. Juni 18.30 in der Gaststätte Stenger/Heiss

Neben den geführten Histouren durch Mittel-Gründau und seine vielen Gründe bietet der Historisch-Demokratische Verein Mittel-Gründau von 1848 ab sofort einige Entdeckungs-Histouren an. zu Fuß, mit dem Rad, mit zwei oder mehr PS oder am PC

 

 

Entdeckungs-Histour 1:

 

Wo steht „Der weiße Stein von Hammersbach“ ?  Über diesen Stein habe ich vor 15 Jahren eine Erzählung geschrieben. Ich habe ihn  vor 32 Jahren im Wald zwischen Altwiedermus und Marköbel entdeckt.  Es ist ein Gedenkstein, an einen der schlimmsten Menschenquäler im Steinbruch von Marköbel, der vor 1945 zu den Herrmann-Göring-Werken gehörte. Dort wurde von politischen Gefangenen – zum Teil im Arbeitslager auf dem Herrnhaag kaserniert-  und ab 1939 auch von Zwangsarbeitern aus den überfallenen Nachbarländern und Kriegsgefangenen das Kopfsteinpflaster für die Auto-& Panzer-Roll-Bahnen nach Osten gebrochen. Heute liegen die Steine in Polen, die Steinbrecher unter der Erde und der NSBO, dessen Name ich vergessen habe – auch. In Marköbel, Langenbergheim, Ronneburg und im oberen Gründau-Tal haben sich die Alten die Geschichte vom Tod des verhassten NSBO (National-Sozialistischer Betriebs-Obmann) in verschiedenen Versionen erzählt:  eine war der Tod durch Steinschlag nach einer Sprengung als Arbeitsunfall – so war die offizielle Erklärung,  …. die andere Version war die von der erfolgreichen Rache für seine Quälereien… danach sollen einige Gefangene den Steinschlag bewusst an der Stelle ausgelöst haben, wo es ziemlich sicher war, dass der den NSBO trifft. Die offiziellen Verlautbarungen mussten DAS natürlich verschweigen  … Der Stein soll stehen und erhalten bleiben, wir wollen ihn  aber fotografisch dokumentieren, auch weil es unter den dort zur Zwangsarbeit Eingesetzten mit hoher Wahrscheinlichkeit einige Menschen aus dem oberen Gründautal gab.

 

Wer Interesse hat, an dieser Entdeckungs-Histour „Der weiße Stein von Hammersbach“ mitzumachen, soll sich mailden .

(Die Erzählung „Der weiße Stein von Sichelsberg“ kann man im Internet finden  – zumindest den ersten Teil der Erzählung)

 

 

Die Entdeckungs-Histour 2: 

 

Grabsteine aus dem 16., 17., 18., 19. und 20. Jahrhundert: Die Grabsteine verschiedener historischer Friedhöfe sind in Mittel-Gründau verschwunden. Die Toten der im 30-jährigen Krieg verwüsteten Dörfer Rothenborn und Buchen links und rechts des Haselbachtales Richtung Reizeberg  waren wahrscheinlich auf dem Friedhof um die Kapelle des Klosters Arnsburg („Im Klösner“) begraben. Noch heute heißt die Flur dort oberhalb des Mühlstückes/Mühlgrabens  „Hinterm Kirchhof“.  Die Grabsteine des alten Mittel-Gründau zwischen „Ahl“ und „Wagnershohl“ standen bis zur Aufgabe des alten Friedhofs noch rund um das Kriegerdenkmal. Die Steine der aufgegebenen Grabstellen wurden teils zur Pflasterung von Ställen und Höfen benutzt, zur Befestigung von Feldwegen, als „Zäune“ für Viehtriebe (“Farrentrab“) und zur Befestigung von Mühlbächen, Bachufern, zur „Grundsteinlegung“, als Treppenstufen usw.   Sie wurden eingemauert wie die ausgedienten Grenzsteine. Ziel dieser Entdeckungs-Histour ist nicht nur die Dokumentation durch eine Fotosafari. Es geht auch darum, mit Hilfe des Kreis-Archäologen den alten Friedhof mit den gefundenen historischen Grabsteinen in ein steinernes Geschichtsbuch Mittel-Gründaus umzugestalten.  Die Steine bergen viel Geheimnisse  u.a. können sie uns sagen, wer den 30-jährigen Krieg in Gründau (nicht) überlebt hat.  Natürlich werden wir keine Steine aus Grundmauern brechen und aus Ställen stehlen :-O))))))))

 

 

Die Entdeckungs-Histour 3:

 

Sie ist  zum Teil am heimischen Computer machbar: es geht um die Geschichte des „Marine-Hannes“, der wegen seines Widerstandes gegen die faschistische Barbarei in das KZ-Osthofen verschleppt wurde. Hannes Weinel war Teilnehmer am Matrosenaufstand in Kiel, der die Beendigung des ersten Weltkrieges beschleunigte und Tausenden so das Leben rettete. Die Matrosen weigerten sich mit den Kriegsschiffen für eine letzte Seeschlacht abzulegen. Hannes Weinel war nach dem erfolgreichen Aufstand und der Rückkehr ins Gründautal aktives Mitglied im Arbeiter-Bauern- und Soldatenrat. Er soll noch Mitte 1933 – so haben mir viele Alte schon vor Jahren erzählt-  SA-Leute, die Jagd auf Haingründauer Kommunisten machten, eigenhändig aus dem Fenster einer Kneipe geworfen haben… der sagenhafte Fenstersturz von Haingründau . Bei dieser Tour soll auch gleich über Karl Groß und Wilhelm Pfannmüller weiter geforscht werden, die beide eng mit Hannes Weinel befreundet und wie er damals KPD-Mitglieder waren.

 

Entdeckungs-Histour 4:

 

Heinrich Volz, der bei der Explosion seines Nachbarhauses so tragisch ums Leben kam, hat viel von den Birkenstocks erzählt. Der Urahn, der in Mittel-Gründau etwas glücklose Schuhmachermeister Birkenstock hat hier den Grundstein für das Unternehmen BIRKENSTOCK gelegt. Nun stellt sich die Frage, ob den Mittel-Gründauer Birkenstocks nicht nur der Gründer eines weltberühmten Sandalenherstellers und engagierten Teilnehmers an der 1848er Revolution entsprungen ist.  Da die Arnsburger Zisterzienser im Mittel-Gründauer „Klösner“ ein Kloster betrieben, könnte es durchaus sein, dass im Zuge der Oberhessischen Erbteilung der Erste Sohn den Betrieb erbte, der Zweite musste Soldat werden  und den Dritten versuchte man im Kloster als „Soldaten des Herrn“ unterzubringen.  Im Gründautal waren die Prämonstratenser, der Deutschherren-Orden und die Zisterzienser mit Besitzungen vertreten. Da könnte es sein, dass einige „Dritte“ Bauern- oder Handwerker-Söhne in einem Kloster landeten (die vierten, fünften, sechsten und siebenten mussten das Dorf verlassen, Wanderarbeiter werden, sich Lehrstellen suchen, auf die Walz gehen und ohne geerbten Acker „vaterlandslose Gesellen“ werden, wie Kaiser Wilhelm der Erste die Sozialdemokraten schimpfte.

Ein berühmter Abt des Arnsburger Zisterzienser-Klosters war der 1735 geborene Bernhard Birkenstock …. (Abt von 1772 bis 1799). Er hat das Wickstädter Hofgut ausbauen lassen und erneuerte die im 30-jährigen Krieg fast vollständig vernichtete Arnsburger Kloster-Bibliothek … kam er aus Mittel-Gründau ?

 

Entdeckungs-Histour 5:

Den Hunnen auf der Spur. Nicht nur ein bekannter Gettenbacher Jurist ist der festen Überzeugung (und kennt dafür auch Dokumente), dass der Name „Hühnerhof“ eine Verballhornung des richtigen Namens dieses Ortes ist.  Ein sicherer hoher Gelände-Sporn, höher als der benachbarte Niedergründauer Kirchberg, der tief in die Gründausümpfe ragte und so mit seinem steilen Nordhang und dem sonnigen Südhang schwer einnehmbar und landwirtschaftlich gut nutzbar und für Weinbau bestens geeignet war. Noch heute sind die Spuren der Weinbergterrassen am Mittel-Gründauer „Wingert“ zu erkennen, die aus den Steinen des „an der geländekante verlaufenden Ringwalles errichtet wurden.  Am Stickelsberg, wie er an seiner höchsten Stelle heißt , „hinter den Johannisstauden“ (die die anfälligen Weinstöcke ersetzen mussten)  haben bereits die Stein- und auch die frühe Bronce-Zeit ihre Werkzeug-Werkstatt-Spuren hinterlassen, hier fanden die Bauern beim Pflügen, die Heldmann-Bahntrassen-Bauer 1865/66 beim Sprenglochbohren die steinernen Stech- und Grabwerkzeuge, die „Stickel“, nach denen der Berg schon im frühen Mittelalter benannt wurde.  Hier töpferten die Bandkeramiker. Wasser gabs und Ton und Brot.  Die Kelten wellten hier schon lange bevor die Römer kamen und schufen zahlreiche Hügelgräber, wo die Merowinger in den keltisch-römischen Hinterlassenschaften sich einrichteten , wo später um 436 der Hunnen-König Etzel oder Attila Zwischenstation machte auf seinem Heereszug nach Burgund über Worms nach Besancon, dem damaligen Byzanz des Westens. Und wo König Etzel Hof hielt, entstand der Hunnenhof .. den Hunhof und der wurde dann, als der Hunnenzug durch die Region in Vergessenheit geriet, zum Hühnerhof…  Die Entdeckungs-Histour geht über den Stickelsberg, am Heckers vorbei zum Hühnerhof und zur Kelten-Quelle und dann zurück – Zwischenrast ist möglich sowohl am Hühnerhof als auch beim Heckers …

 

Interesse ? Einfach mailden. Besser noch,

zum nächsten Erzählabend kommen

am Do. 2.Juni beim Stenger um 18.30

 

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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