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„Du, Nazi!“ – der Faschismusvorwurf in Zeiten der Hysterie

Veröffentlicht am 2. Dezember 2019 von kranich05

Von Anfang an ging Klimaalarm mit Faschismusalarm einher. Hier demonstrieren das die bekannten Antifaschisten Svante Thunberg, Malena Ernman und Tochter Greta.

Die Einen halten das für einen Zufall, die Anderen für wohlüberlegtes Kalkül. Unstrittig dürfte sein, dass die Verbindung der Klimadiskussion mit dem Antifa-Narrativ der Klimathematik eine enorme Dringlichkeit und Unbedingtheit verleiht. Und zwar eine, die nicht herrührt aus Erkenntnissen der Klimawissenschaft, sondern aus der totalen Ablehnung des Faschismus durch alle humanistisch gesinnten Menschen.

„Klimaleugner“ wird oft in Streitgesprächen verwendet, „Klimanazi“ ist kreiert.

Die politisch-ideologische Gemengelage wird noch unübersichtlicher, wenn zugleich eine Beziehung zur AfD hergestellt wird: Klimaleugnung ist faschistisch – Die AfD ist Klimaleugner – Also ist die AfD faschistisch. Oder: Die AfD ist Klimaleugner. – Die AfD ist faschistisch. – Also ist Klimaleugnung faschistisch.

Dabei geht es keineswegs nur um abgehobene Argumentationsspiele, sondern auch um reales politisches Geschehen, wie kürzlich EIKE erfahren durfte. Die 13. Internationale Klimakonferenz dieses Instituts (22. und 23.11. 20129 in München) sollte durch ein Zusammenwirken von „antikapitalistischen Aktivisten“ + Mainstreammedien + Willfährigkeit des betreffenden Hotels verhindert werden. Begründung: EIKE sei Klimaleugner und AfD-nah. Die Klimakonferenz wurde trotzdem durchgeführt. Hier wird ausführlich und mit wissenschaftlichen Sachverstand darüber berichtet.

Der ausufernde Gebrauch des Faschismusbegriffs lässt mich nach sachbezogener Differenzierung fragen. Denn mein Verdacht ist geweckt (und zwar seit dem Tag, da die Klimarettung von den Herren der Welt in Davos in Szene gesetzt wurde), ob hier nicht der traditionelle Antifaschismus für die anstehende globalistische Transformation des Kapitalismus vereinnahmt und zugleich seine Kontrahenten als Nazis diskreditiert werden sollen.

Wenn dies Strategie wäre – ihr käme das verbreitete „Verständnis“ (das in Wahrheit ein Unverständnis ist) des Faschismus als eines primär psychologischen Problems entgegen. Für viele brave Humanisten und junge ehrlich-ahnungslose „antifacistas“ verkörpert sich Faschismus in Bomberjacken, Stiernacken, Glatzen, Gebrüll, kurz: individualpsychologisch im Auftreten von Kotzbrocken und massenpsychologisch in besinnungslosen Heil- und „Wir folgen dir!“-Rufen. „Man will ja nichts Besseres sein, aber eine gewisse Abscheu vor dem Pöbel…. wird man doch noch empfinden dürfen.“

Immer wieder ist zu beobachten, wie sich der antifaschistische „Nie wieder“-Furor in leidenschaftlichen Attacken gegen Anzeichen politischer Primitivität und menschlicher Brutalität entlädt. So als wären einst Adolfs SA-Horden aus ihren Bierlokalen aufgebrochen und hätten die Macht in Deutschland übernommen. Die ungeliebte historische Wahrheit ist eine andere. Und anspruchsvolle Historiker-Antworten auf die Machtübertragung an Adolf Hitler zur Errichtung der faschistischen Staatsmacht (die keine Machtergreifung war) sind andere.

Natürlich leugne ich nicht, dass auch die Psychologie Erkenntnisse zum Begreifen des Faschismus beisteuert – Politik wird von Personen gemacht und von Massen von Personen. Unvergessen der Film „Der gewöhnliche Faschismus“ von Michail Romm (SU 1965, DDR 1966, BRD 1968). Er ist auf YouTube zu finden.

Doch den Faschismus von den Klasseninteressen zu trennen, die ihn tragen, führt in die Irre. Ich habe das kürzlich thesenhaft etwas länger ausgeführt.

Fundamental bleibt: Wirklicher Kampf gegen den Faschismus verlangt Klassenanalyse. Und deren Kern ist die INTERESSENANLYSE, die Analyse der realen Interessen relevanter Menschengruppen. Und natürlich fängt das damit an, sich anzuhören und anzuschauen, was die Vertreter dieser Menschengruppen sagen und tun – sine ira et studio und ohne Angst vor „Kontaktschuld“. Wer das nicht leisten will, sollte von Faschismus schweigen.

Wie faschistisch ist denn nun die AfD?

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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