Streik(Erfolgs)Abschluss-Fest der Belegschaft der Frankfurter Sozietäts Druckerei

nicht nur vor den Toren der Druckerei in Mörfelden-Walldorf  konnte ich für die KollegINNen lesen -auch bei ihrem Abschlussfest im Frankfurter DGB-Haus:

((Alle Bilder dieser Serie wurden von David Paenson (davepolit@gmail.com) mit
einer Nikon F100 aufgenommen.))

Die Tanzgruppe der Griechischen Gemeinde Offenbach tanzte nicht nur den Alexis-Sorbas-Sirtaki von Mikis Theodorakis

verdi hat Nachwuchs-Sorgen ? Nö, wo gekämpft wird kommen auch Kinder

gegen die wir manchmal ganz schön alt aussehen

Hier spielt der ERNST des Lebens nicht nur “Una Festa sue prati” von Adriano Celentano und “Marina” mit seinem italienischen GesangsPartner, nein die ganze Breite des roten Schwarz-Repertoires donnerte durch den Saal.

“Des lässde sein, geh blos nett zu dem Mordsverein, Geh denne blos nett uffn Leim, dann kimmste nor im Zinksarsch heim! Du gehst zur FSD! OK?!

Während die Youngsters den Saal zum Kochen brachten

und sich danach verdientermaßen ausruhten, haben dann die Älteren nach Liedern Polonaise getanzt, gegen die wir vor 30/40 Jahren noch Sturm gelaufen waren. Aber es hat Spaß gemacht.

Es waren auch Nicht-Drucker unter den etwas älteren mittanzenden Gästen

(übrigens, alle Bilder wurden von David Paenson (davepolit@gmail.com) mit
einer Nikon F100 aufgenommen, deshalb sieht man ihn auch auf keinem)

Lasst euch nicht hängen!!

(nicht nur für die Belegschaft der FSD ((FAZ; NEUE PRESSE; Frankfurter Sozietäts Druckerei; Sozietäts Verlag))
16. September 2010

Lasst euch nicht hängen!! (sollte am Besten in verschiedenen Rollen gelesen und gehört werden: Drucker, Altenpflegerin, Packer, Streikposten, Mama vom Drucker und ihr könnt euch noch einpaar Rollen einfallen lassen – dann wirds ein KurzTheater, das auch bei Kälte gespielt werden kann und bei einer etwas kleineren Gewerkschaftsgruppe….  singen können braucht übrigens niemand !!!)

Lasst euch nicht hängen!!

Die Mutter hat gesagt: Moin Schatz
für einen sichren Arbeitsplatz
stehn viele in der Schlange an
bei Polizei, bei Post und Bahn
un wer halt doch koa Abi hat
steht bei de Stadt
bei Müllabfuhr, beim Gartenamt

Ja, ja, isch weiß, doch insgesamt
krieh isch beim Bund des meiste Geld
des isses was mer grad so fehlt

die Bundeswehr, was fällt dir ein,
geh blos net zu dem Mordsverein
geh denne blos net uff en leim
du kriehst zum Schluss de goldne Schuss
un kommst mer dann im Zinksarg heim
lass des blos sein!

Sie hats gesagt, dann dieser Satz
Du gehst zur FAZ
zur FSD
OK?
OK!

un jetz moin Schatz
moin Awweidsplatz
der werd gedrittelt:
FAZ , FSD, die Neue Presse
und unter einem Holding-Dach
getrennt, verkleinert, optimiert ?

Und was kommt erst und dann erst recht danach
fürs pure Kapitalintresse:

Die Arbeitsplätze reduziert
Bertriebsräte wern aufgespalten
Tarifverträge nicht gehalten
was wir in über 100 Jahren
erschaffen haben , wird
jetzt delete!  — wegrationalisiert

Noch nix kapiert?
Pausen kürzer, Tempo höher
die Rationalisierungsspäher
senken unten letzte Kosten
Für Boni bei den Vorstandsposten
da wird, damit man die beschenkt

uns der Reallohn abgesenkt.
Mein Schatz, wenn das so weitergeht,
Dein Job auch auf der Kippe steht
mit deinem Frauen-Niedriglohn  …?

Was kost die Uni für die Tochter?
was das Abi für den Sohn?
wen intressiert das schon
da Oben?

Die habens lange schon verstanden

doch viele von uns, von hier unten

haben es noch nicht kapiert:
Wenn man nichts tut,
nur schweigt und denkt:

“wenn mir nur selber nix passiert!”
kanns sein, dass man dann Morgen
((nein, nein nicht ich,
komm mach dir keine Sorgen,))
abgewickelt , rausgedrängt
allein am Arbeitsplatz –

an seinem Arbeitsplatz
so hängt.
einfach nur
hängt

und hängt

und hängt

und hängt

ganz oben, wo Dich keiner sieht
die Produktion läuft weiter
und keine EndlosDruckmaschine
verzieht da eine Mine
Man hat den Knacks
Dank Ohropax
auch nicht gehört
MANROLAND hat’s auch nicht gestört
“wir alle”
sagt der dritte Mann
am Ende in der Halle
der NachtschichtPacker nebenan
“isch hab geschwört –
escht nix gehört!”

und keiner wars gewesen
Mein Schatz,
das darfst Du in der Neuen Presse –
wenns die noch gibt –
und in der FAZ
am nächsten Morgen lesen

und Übermorgen-schon vergessen?

Kollegen dieser Drittelplan
soll eure Kampfkraft schwächen.

Sich nicht für eure Warnstreiks rächen.
Nein.
Das Kapital will lediglich
auf eure Kosten, aus eurer Kochenarbeit sich
– oh Wunder-
selbst vermehren.
((so lass ich mich am Ende noch
zum Christentum bekehren))

Das ist dem Kapital

im meinem Fall

total egal.

Und seine Vorstandsmarionetten?

Die müssen nur verhindern,
dass sich die Mehrwertschaffer wehren.

Was red ich denn,
was muss ich euch belehren
Ihr wißt es eh
Kollegen von der FSD
viel besser noch als ich

Und allen, die jetzt noch allein
am Arbeitsplatz rumhängen
und dort dran glauben, wenn Profit
am Ende über Leichen geht
das läge an Sachzwängen

denen sagt:
Kollegen lasst euch nicht so hängen,
macht Druck
wenn euch der Vorstand was von Aufschwung sagt
wisst ihr wofür das Aufschwungszeichen steht:
wir kriegen nur den Aufschwunghaken
beim Drittel, Vierteln, beim Zerschlagen
den Schlag vorn Kopp
vom Vorstand Tritte
nach der Teilungsfeier
in Arsch und Magen …

Das weiß doch jeder,
wir stehen unter Druck
das muss uns niemand extra sagen!

OK, doch sagt vor allen Dingen:

Macht Druck! Das habt ihr doch gelernt
Gemeinsam gegen unsre Herrn
im Vorstand können wir
den Haustarif erzwingen

Lass Dich nicht hängen,
sei nicht so feig
gemeinsam lässt Dich
keiner von uns hängen
Komm seil dich ab
Wir brauchen Dich

in Zukunft noch

und nicht nur jetzt
für unsern Streik
im Kampf um den Tarif

dreigeteilte FSD? Niemals!
Wir lassen uns nicht teilen
und nicht zum Wohl des Kapitals
zerdrucken und zerschlagen

HaBE (ich bereits im September oder schon früher geschrieben )
Mein Vorschlag am Festabend, die FSD in Frankfurter Solidaritäts-Druckerei umzutaufen, hat Dave sinnvoll ergänzt: nicht nur umtaufen ! Übernehmen! Stimmt!! Diese Belegschaft könnte dieses Unternehmen locker übernehmen, ohne sich dabei zu übernehmen. Das KnowHow würde mehr als ausreichen. Man dürfte nur den Mehrwert nicht so kapitalradikal von den Penthousierern privatentnehmen lassen.

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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