Warum in Mittel-Gründau ein NSDAP-Mitglied für seinen Widerstand gegen den faschistischen Terror geehrt werden soll

Historisch-Demokratischer Verein Mittel-Gründau von 1848

 

Einladung zum 47. Erzählabend des Historisch-Demokratischen Vereins Mittel-Gründau am Do. 16.Januar 18.30 im GASTHAUS Stenger/Heiss

 

Einen Monat vor seinem 4. Geburtstag geht es beim 47. Erzählabend um die längst fällige Korrektur des wikipedia-Eintrages über Mittel-Gründau. Zur Geschichte des „Vorortes“ der demokratischen Paulskirchen-Revolution sagt der Eintrag nichts. Von bekannten Personen nennt er lediglich den Landtagsabgeordneten Heinrich Otto (KPD).  Am 16. Januar soll eine Liste von Mittel-GründauerINNEn zusammengestellt werden, die zukünftig im Internet-Portal des HDV und bei wikipedia zu finden sein soll: Schuhmacher Birkenstock, die Lehrer Paul Nagel und Bernhard Kaffenberger, Tobias Meininger, Wilhelm Pfannmüller, Gisela Grahs geb Göckel, Dr. Göckel, Heinrich Otto, Dr. Christian Heldmann, Karl Hecht, Otto Hecht, Lina Hecht, die Bayern-Mädels, die Fulder-Mädels, Jean Kuhl,

Weitere Vorschläge sollen mitgebracht werden. Zu den Genannten fehlen noch biografische Angaben, so auch Ingo Evers Kurzbiografie über Wilhelm Pfannmüller zu dessen 80. Geburtstag 1984.

Insgesamt fehlen noch viele Namen tatkräftiger, mutiger Kommunisten, Sozial- und anderer Demokraten,  die gegen den faschistischen Terror  bereits vor 1933 und danach weiter Widerstand geleistet haben. Hier könnte der SPD-Unterbezirk sicher Hilfe leisten. Gesucht werden Nachfahren von Heinrich Otto, die eventuell auch seine Krankheitsgeschichte kennen und beschreiben können, wie seine Überwachung durch die GESTAPO im Gelnhäuser Krankenhaus vor sich ging und wie sie sich auf seine Krankheit auswirkte. Heinrich Otto ist 1944 aus bisher ungeklärten Gründen im Gelnhäuser Krankenhaus gestorben. Seine Krankenakten sind bis heute nicht auffindbar.

 

In diese Liste sollen auch alle Mittel-Gründauer Teilnehmer der oberhessischen Bauernaufstände aufgenommen werden, so wie auch alle für die Teilnahme an der demokratischen Revolution von 1848 verurteilten Mittel-Gründauer. Dazu braucht der Historisch-Demokratische Verein den Zugang zu allen die Mittel-Gründauer Geschichte betreffenden Dokumente aus dem Fürstlich-Büdingenschen Archiv, bevor auch die- wie schon viele andere- auf dem Kunstmarkt versilbert werden.

 

Warum Johann Adam Birkenstock

 

Nun, Johann Adam Birkenstock war Mitglied des Demokratischen Vereins Mittel-Gründau hat die Resolution des vereins zur rettung der demokratischen Verfassung von 1848 mitunterzeichnet. Er war auch an der Oberhessischen Bauernaufständen mitbeteiligt. Spätestens aus dieser Zeit stammen seine Beziehungen nach Langenbergheim. Die aufstnischen Langenbergheimer bauern wussten genau, warum sie als erstes nach Mittel-Gründau zogen. Sie kannten dort viewle rebellische Bauern und Handwerker. Unter ihnen Johann Adam Birkenstock

Da es in Mittel-Gründau neben den Schuhmachermeister Birkenstock  im 18.Jahrhundert noch unzünftige Flickschuster gab, die für weniger Geld die wenigen Schuhe auch der Dorfarmut flicken konnten und weil es wegen der politischen Lage nicht möglich war, über die “Herrschaft”, d.h. die Pächter und Verwalter der fürstlichen Domäne ins fürstliche Schuhgeschaft einzusteigen, musste der Meister unter Zurücklassung der Verwandtschaft das Dorf verlassen.

 

 

DER FOLGENDE TEXT STAMMT AUS WIKIPEDIA:

== Geschichte ==Die Geschichte der Schuhmacherdynastie beginnt nicht erst im heutigen Hammersbacher Ortsteil Langen-Bergheim, sie beginnt bereits lange vor 1750 im nicht weit entfernten oberhessischen Dorf Mittel-Gründau, wo Johann Adam Birkenstock um 1760 die Schuhmacherei seines Vaters übernahm und ausbaute, bis ihm der Flecken und die Zahlungsfähigkeit der dort vorherrschnden Dorfarmut dann doch zu klein wurde. Ob nun aus geschäftlichen oder privaten Gründen zog er zunächst zwei Täler weiter nach Langen-Bergheim. Das näherliegende Büdingen ließ aus Zunftgründen keine weitere Ansiedlung von Schuhmachern zu. Und nicht “zünftige” Flickschuster gab es dort auch in Überzahl. In Langen-Bergheim gab es dagegen Bedarf …..
Die Geschichte der „Schuhmacherdynastie“ Birkenstock lässt sich ab 1774 mit Erwähnung des Schuhmachermeisters Johann Adam Birkenstock in dem kleinen hessischen Ort Langen-Bergheim nachweisen. 1896 eröffnete Konrad Birkenstock in Frankfurt am Main zwei Schuhfachgeschäfte und begann, Fußbetteinlagen herzustellen. In [[Friedberg (Hessen)]] erwarb Konrad Birkenstock 1925 eine große Fabrik, die er weiter ausbaute. Das von ihm erfundene sogenannte „Blaue Fußbett“, das sich den Bewegungen und der Fußform des Trägers anpasst und um 1930 eine Neuerung war, wird auch nach Österreich, Frankreich, Dänemark, die Tschechoslowakei, Italien, Luxemburg, Belgien, Norwegen, die Niederlande, Schweden und in die Schweiz geliefert.

Ein Enkel Konrad Birkenstocks, Carl Birkenstock, führte am neuen Unternehmenssitz [[Bad Honnef]] bei Bonn nach 1945 die Idee seines Großvaters und Verbesserungen seines Vaters Karl Birkenstock weiter, indem er die flexible Korkeinlage zur festen Innensohle von Schuhen machte. 1964 kam das erste Modell der „Birkenstocksandale“, die „Birkenstock Fußbettsandale“, später „Gymnastiksandale“, heute wenig verändert das Modell „Madrid“, auf den Markt und legte damit den Grundstein für die Expansion des Unternehmens seit den 1970er Jahren.

Die rasche Erweiterung des Modellangebotes (d.h. andere Sandalen-Oberteile auf dem Grundtyp des Birkenstock-Fußbetts mit Gummilaufsohle) stieß zunächst kaum auf Resonanz: Nur wenige Schuhfachhändler nahmen Birkenstock in ihr Sortiment auf.

Erfolge stellten sich ein, als Ärzte und Angehörige der Pflegeberufe um 1970 von konventionellem Schuhwerk v.a. auf Holz- und Ledersandalen und -clogs etwa der Firma [[Berkemann]] gewechselt hatten, die noch einmal unkonventionelleren ”Birkenstocks” entdeckten und Birkenstock begann, per Postversand zu vermarkten. Ende der 1960er Jahre entdeckte auch die Hippiebewegung in den USA die Sandalen, aufgebaut durch die Deutschamerikanerin Margot Fraser, die ab 1966 aus kleinen Anfängen den Vertrieb in Kalifornien, später dann das Unternehmen ”Birkenstock USA” auf dem seit den 1980er Jahren größten Markt für Birkenstock, aufbaute. In Deutschland wurden Birkenstocksandalen in den 1980er Jahren populär, zunächst in Pflegeberufen und in der Alternativ- und Friedensbewegung, dann auch in „bürgerlichen“ Haushalten als Haus- und Freizeitschuhe.

Auch produktseitig entwickelte sich Birkenstock weiter: 1973 kam die Sandale „Arizona“ auf den Markt, 1977 das Modell „Boston“. Beide Schuhe gehören bis heute zu den beliebtesten und erfolgreichsten Birkenstock-Klassikern. 1982 brachte Birkenstock seine erste [[Zehenstegsandale]] heraus.

<!– Alles Folgende ist nicht belegt, außerdem stimmen die Jahresangaben nicht: Von 1993 bis 1997 sind es vier oder fünf Jahre, nicht sieben. daher auskommentiert: In den 1990er Jahren kam es zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen zwischen Teilen der Geschäftsleitung, also Karl, Christian, Stefan und Alexander Birkenstock einerseits und Arbeitnehmern und Arbeitnehmervertretern andererseits. Auslöser war 1993 die erste Wahl eines [[Betriebsrat]]es im Birkenstock-Konzern. Mitarbeiter empfanden es als Strafe, dass anschließend ihre Arbeitsverträge im Rahmen einer Firmenumstrukturierung von der Firma ”DeP GmbH” weitergeführt wurden. Mitarbeiter der Firma ”DeP” berichteten über verschiedene [[Schikane]]n wie abgestellte Heizung oder Kontrollen durch Sicherheitsmitarbeiter. Im Gegenzug warf die Geschäftsleitung den Gewerkschaftsvertretern eine Hasskampagne vor. Erst sieben Jahre später, Anfang 1997, einigten sich Geschäftsführung, Gewerkschaft und Mitarbeiter auf eine Schließung der Firma ”DeP” und einen Sozialplan über rund 1,8 Millionen Deutsche Mark.–>

Firmensitz ist seit den 1990er Jahren [[Vettelschoß]] im nördlichen Rheinland-Pfalz nahe [[Bad Honnef]].

 

Warum Paul Nagel ?

Der Sohn des (Büdingen-) Vonhäuser Lehrers Nagel war zunächst als Hilfslehrer in der dortigen Schule tätig, bevor er 1827/28 als Hauptlehrer nach Mittel-Gründau berufen wurde. Er war der Schriftführer der Mittel-Gründauer Aufständischen, die bei den Oberhessischen Bauernaufständen eine führende Rolle spielten. Er hat die frühdemokratisch-sozialen Forderungen der Mittel-Gründauer Bauern niedergeschrieben (u.a. Erhöhung der „Pensionen“ für die Waldarbeiter, Abschaffung der indirekten Steuern, Wiederherstellung der Wasser-,Wald-,Weiderechte…) und sie als Emissär der Aufständischen dem Büdinger Fürsten überbracht. Trotz zugesagtem freien Geleit und der Unterstützung durch die Mehrheit der Büdinger Bürger wurde Paul Nagel hinter dem Schlosstor sofort festgenommen und ins Zuchthaus geworfen. Noch vor einigen Wochen galt er als „verschollen“. Bis der Frankfurter Historiker Dr. Manfred Köhler bei seiner Forschungsarbeit auf eine Meldung in der Darmstädter Zeitung von 1854 stieß, in der die Auswanderung eines Paul Nagel und seiner Frau aus Mittel-Gründau nach Amerika gemeldet wurde.

Nach der Verhaftung Paul Nagels in Büdingen und der Niederschlagung des Oberhessischen Bauernaufstandes wurde als Bestrafung für die aufständischen Mittel-Gründauer die dortige Schule in der Obergasse für 2 Jahre geschlossen. Wahrscheinlich wurde Paul Nagel gegen Zahlung höchster Bußgelder wie andere Aufständische nach zwei Jahren Haft begnadigt und hatte dann Berufsverbot. Er und seine Frau mussten sich sicher als Knecht/Magd verdingen, auch um das Bußgeld aufbringen zu können und nach 24 Jahren die Kosten für die Auswanderung.

Warum Bernhard Kaffenberger ?

Die Begründungen werden in den nächsten Tagen nachgeliefert. Nur Eine schon vorab und in Kurzform:

Warum das NSDAP-Mitglied Jean Kuhl ?

Es gab in Mittel-Gründau zwei nebeneinanderlebende Brüder: Heinrich und Karl Otto, beides mittlere Bauern. Heinrich schloss sich der kommunistischen Bauernbewegung an und wurde KPD-Landtagsabgeordneter. Karl schloss sich wie die von  Hans Fallada beschriebenen Bauern dem Röhm-Strasser-Flügel der NSDAP an und wurde SA-Sturmbannführer. Für viele politisch weniger bewußte Dorfbewohner  war der Unterschied zwischen den sich anti-bonzig und anti-feudal gebenden „Nationalsozialisten“ und den Kommunisten nicht sooooo groß. Es gab ein Reihe von 5 bis 6 Mittel-Gründauern, die sich deshalb der NSDAP anschlossen. Dazu kamen der aus Berlin stammende Gutsverwalter und sein Sohn, der die HJ anführte. Es war schon eigenartig, wenn fürstliches Führungspersonal die HJ in die Wälder jagte, um dort die feudalen Grenzsteine mit Spitzhacken zerschlagen zu lassen. Und dabei ließen sie Pimpfenführer ihre Schar auch noch den „Florian Geyer“ singen: „Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann ..?“ und „Lasst uns mit Pfaff und Adel raufen“..  „Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!“ Als HJler und Strasser-NS-Mann konnte man gegen den Fürsten und die Paffen sein und gleichzeitig deren Segen haben und den Arbeitsplatz behalten oder in die Lehre gehen. Nur brannte dann 1935 die fürstliche Domäne und bis heute ist ungeklärt, wie der Brand entstand. Danach mussten die Mittel-Gründauer – wie Jahrhunderte gewohnt- dem Fürsten die Domäne wieder aufbauen – „ehrenamtlich“ – früher hieß das „in Fron-Arbeit“ – aber auch die macht bekanntlich frei.

Der Gastwirt und Metzger Jean Kuhl hat wohl erst Mitte bis Ende der 30er gemerkt, wohin diese 1000jährige Kraft durch Freude-Reise geht. Jedenfalls stellte er sich gegen die aus Büdingen und Gelnhausen angereisten SA und SS-Leute, als die verhindern wollten, dass sein Schwiegersohn, der Landarzt Dr. Göckel 1936 die schwer krebskranke Frau des jüdischen Landhändlers Hecht behandelt.

1938 – so wird im Dorf berichtet, hat Jean Kuhl in Mittel-Gründau dafür gesorgt, dass es keine Reichspogromnacht gibt, mit der Warnung: „Des sin unser Judde und dene wird koa Haar gekrümmt!“ Unklar ist zur Zeit noch, wieviele Juden es am 9. November 1938 in Mittel-Gründau überhaupt noch gab. Diejenigen, bei denen vielleicht doch noch etwas „Kristall“ zu holen gewesen wäre, waren schon mit Hilfe vieler Mittel-Gründauer 1936/37 ausgewandert …

 

FORTSETZUNG FOLGT

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Otto_%28Hessen%29

http://de.wikipedia.org/wiki/Mittel-Gr%C3%BCndau#Bekannte_Personen_aus_Mittel-Gr.C3.BCndau

http://www.wetteraulokal.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3694

http://www.barth-engelbart.de/?p=3097

Wäre Wilhelm Pfannmüller Bürgermeister von Dachau geworden

http://peoplecheck.de/s/wilhelm+pfannm%C3%BCller

 

Wilhelm Pfannmu?ller : aus d. Leben e. dt. Sozialdemokraten ; biograf. Aufzeichn. zum 80. Geburtstag am 5. Januar 1984

Verfasser/in:

Ingo Evers; Wilhelm Pfannmu?ller

 

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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