Syriens Präsident Bashar al-Assad im AFP-Interview zur Genfer Konferenz

News And Analysis

Damaskus (SANA) 20. Januar, 2014
Präsident Bashar al-Assad gab der französischen Agentur AFP (Agence France Presse) ein Interview. Im folgenden lesen Sie den gesamten Text, wie auf http://sana.sy/index_eng.html dokumentiert.

Übersetzung (vom Baseler) „Bündnis gegen den  imperialistischen Krieg – Hände weg von Syrien“.
AFP: Herr Präsident, was erwarten Sie von der Genfer Konferenz?
Präsident Assad: Das wichtigste Element ist, gewiss, dass an der Genfer Konferenz Resultate bezüglich der Bekämpfung des Terrorismus in Syrien zustande kommen müssen. Dies bedeutet, es muss Druck auf diejenigen Länder ausgeübt werden, welche den Terrorismus exportieren, dadurch, dass sie Terroristen, Geld und Waffen an die Terrororganisationen senden. Speziell Saudi Arabien, die Türkei und natürlich die westlichen Länder unterstützen den Terrorismus und sie versuchen, dies
politisch zu verdecken. Dies ist die wichtigste Entscheidung, die in Genf fallen muss. Jede politische Entscheidung, die gefällt wird und die das Problem der Terroristen ausser acht lässt, ist
wertlos. Es kann keine politische Handlungsfähigkeit geben, solange man dem Terror freie Hand lässt, nicht in Syrien, nicht anderswo. Politisch ist es möglich, dass die Genfer Konferenz einen Dialog zwischen Syrern in Gang bringt. Dies muss aber gleichzeitig ein Prozess sein, der in Syrien stattfindet, Genf kann das unterstützen, aber keinesfalls ersetzen.
AFP: Wie wahrscheinlich ist es für Sie, nach drei Jahren Krieg und der grossen Herausforderung des Wiederaufbaus, dass Sie als Präsident nochmals kandidieren werden?
Präsident Assad: Dies hängt von zwei Dingen ab: Es ist einerseits abhängig von meinen persönlichen Absichten und meiner persönlichen Entscheidung. Anderseits ist diese Entscheidung
auch von der öffentlichen Meinung in Syrien abhängig. Soweit es mich persönlich betrifft sehe ich keinen Grund, warum ich nicht kandidieren sollte. Was die öffentliche Meinung in Syrien angeht,
dauert es noch vier Monate bis zu den Wahlen. Sollte sich in dieser Zeit ein öffentlicher Wunsch nach meiner Kandidatur manifestieren, werde ich nicht zögern, mich zur Verfügung zu stellen. Kurz gesagt sind meine Chancen für eine Wiederwahl intakt.
AFP: Haben Sie in den vergangenen Jahren jemals darüber nachgedacht, dass Sie die Schlacht verlieren könnten und haben Sie sich eine Alternative für sich und Ihre Familie überlegt?
Präsident Assad: Natürlich kann man jede Schlacht gewinnen oder verlieren. Wenn es jedoch um die Verteidigung des Landes geht, dann ist es offensichtlich, das man keine Wahl hat, man muss gewinnen. Sollte Syrien diesen Kampf tatsächlich verlieren, würde sich das Chaos im gesamten Mittleren Osten ausbreiten. Dieser Kampf beschränkt sich also nicht auf Syrien und dieser Kampf ist kein Aufstand gegen eine Regierung, so wie es die westlichen Medien kolportieren. Hier geht es nicht um ein Volk, welches für Demokratie und Freiheit kämpft. Die Menschen fangen langsam an, diese Lügen zu durchschauen. Ein Volksaufstand, der solange dauert, hätte schon längst Erfolg
gehabt oder er wäre dann niedergeschlagen worden. Was noch wichtiger ist: Ein nationaler Volksaufstand hat keine ausländische Agenda. Natürlich kann ich verschiedene Szenarien benennen,
erstens, zweitens, drittens, aber alle Szenarien, die ich ihnen nennen könnte, fokusieren sich auf die Verteidigung des Landes, es gibt kein Szenario der Flucht. Flucht unter diesen Umständen ist keine Option. Ich bin verpflichtet, an vorderster Front bei der Verteidigung des Landes zu stehen, so war es vom ersten Tag an.
AFP: Denken Sie, Sie können diesen Krieg gewinnen?
Präsident Assad: Es ist nicht an mir, diesen Krieg zu gewinnen, es ist ein Krieg, den das syrische Volk gewinnen muss. Wenn sie so wollen, gibt es zwei Phasen in diesem Krieg. Die erste Phase sah
vor, die syrische Regierung, den syrischen Staat, innert Wochen oder Monaten zu stürzen. Jetzt, nach drei Jahren, können wir mit Sicherheit sagen, das dies gescheitert ist, und dass das syrische
Volk gewonnen hat. Es gab Länder, die wollten nicht nur einen Staatsstreich, sondern sie wollten Syrien in mehrere Kleinstaaten aufteilen. Natürlich ist auch dieser Plan gescheitert und auch da hat das syrische Volk gewonnen. Die nächste Phase dieses Krieges ist der Kampf gegen den Terrorismus, den wir gegenwärtig erleben. Wie Sie wissen, ist diese Phase noch nicht überstanden, wir können also nicht von einem Sieg sprechen, solange die Terroristen nicht ausgeschaltet sind. Was wir aber sagen können ist, wir machen Fortschritte, wir kommen voran. Dies bedeutet nicht, dass der Sieg nahe ist, diese Art zu kämpfen ist sehr kompliziert und braucht viel Zeit. Wie ich aber
sagte, wir machen Fortschritte auch wenn wir den Sieg noch nicht ganz den unseren nennen können.
AFP: Um auf die Genfer Konferenz zurück zu kommen: Wenn Sie fordern, dass ausländische Kämpfer Syrien verlassen müssen, ist da die Hisbollah mit eingeschlossen?
Präsident Assad: Die Verteidigung Syriens obliegt natürlich dem syrischen Volk und den syrischen Streitkräften. Es gibt also keinen Grund für irgend einen nicht-syrischen Kämpfer, sich
einzumischen. Wir sprechen von Kämpfern aus Dutzenden Ländern, welche Zivilisten und auch die Hisbollah angreifen, besonders an der syrisch-libanesischen Grenze. Wenn wir also davon sprechen, dass die Bewaffneten Syrien verlassen müssen, dann meinen wir das in einem grösseren Zusammenhang. Wir meinen, dass alle Bewaffneten – inklusive Syrern – ihre Waffen den syrischen Streitkräften übergeben müssen. Die syrischen Streitkräfte garantieren dann konsequenterweise für Frieden und Stabilität. Also um ihre Frage zu beantworten: Ja, alle Bewaffneten Kämpfer müssen Syrien verlassen.
AFP: Zusätzlich zu einem Gefangenenaustausch und einem Waffenstillstand in Aleppo: Was sonst werden Sie an den Genf II Gesprächen anbieten können?
Präsident Assad: Ziemlich exakt vor einem Jahr haben wir eine Friedensinitiative präsentiert. Diese beinhaltet politische und Sicherheitsaspekte und andere Dimensionen, welche Stabilität garantieren. All diese Details sind Teil der Initiative, welche Syrien präsentiert. Schlussendlich muss jedoch jede Initiative, wie auch immer sie formuliert ist, das Resultat eines Dialoges sein, der zwischen Syrern geführt wird. Der Grundgedanke ist jetzt, dass in dieser gegenwärtigen Krise der Terrorismus bekämpft werden muss, nur so können wir zu einer politischen Lösung kommen. Diese politische Lösung aber, kann nur von Syrern aus kommen. Wir sind immer davon ausgegangen, dass eine tragfähige Lösung von zwei Parteien getragen sein muss, einerseits von den politisch
Verantwortlichen in Syrien, anderseits vom syrischen Volk.
AFP: Die Opposition, welche an Genf II teilnehmen wird, ist in viele verschiedene Fraktionen gespalten. Sie scheint keine wirkliche Basis zu haben. Wie kann es so überhaupt zu einer
Übereinkunft kommen?
Präsident Assad: Diese Frage stellen wir uns auch als Regierung: Wenn ich verhandle, mit wem verhandle ich denn? Zu viele Partner werden in Genf erwartet, noch wissen wir nicht sicher, wer kommen wird aber es werden viele Parteien kommen, inklusive Vertreter der syrischen Regierung. Es ist offensichtlich, dass viele der Gruppen, die eingeladen wurden, erst seit kurzem existieren. In der Tat wurden viele von ihnen von ausländischen Geheimdiensten gegründet, entweder aus Qatar, Saudi Arabien, Frankreich, den USA oder anderen Ländern. Wenn wir uns also mit diesen Gruppen treffen, dann treffen wir uns in Tat und Wahrheit mit den Ländern, die sie gegründet haben. Ist es
denn logisch, das Frankreich ein Teil der syrischen Lösung sein soll? Oder Qatar, Saudi Arabien, die USA oder die Türkei? Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Es ist uns daher bewusst, dass wenn wir mit diesen Gruppen verhandeln, dann verhandeln wir eigentlich mit den Ländern, die hinter ihnen stehen und die den Terror gegen das syrische Volk unterstützen. Es gibt eine andere Opposition in Syrien, die jedoch eine nationale Agenda hat. Mit diesen Parteien können wir über die Zukunft des Landes verhandeln, ihre Visionen sind Teil der syrischen Zukunft. Wie ich aber bereits sagte, was auch immer in Genf zur Sprache kommen und beschlossen wird, muss in Übereinkunft mit dem syrischen Volk geschehen, dies bedeutet auch, dass die Resultate von Genf II dem syrischen Volk zum Referendum vorgelegt werden.


AFP: Könnten in diesem Zusammenhang die Waffenstillstands Vereinbarungen von Moadimiya und Barzeh eine Alternative zu Genf II sein?
Präsident Assad: In Wahrheit sind diese Initiativen möglichweise wichtiger als Genf II. Die Mehrheit von denen, die kämpfen, haben keinen politischen Plan. Einige von ihnen sind professionell bewaffnete Banditen. Andere, und das wissen auch Sie, kämpfen für ein extremistisches islamisches Emirat. Für diese Gruppen bedeutet Genf II nichts. Aus diesem Grund haben sich Vereinbarungen, wie wir sie in Moadamiyeh, in Barzeh und an anderen Orten in Syrien getroffen haben, als sehr effektiv erwiesen. Diese Friedensvereinbarungen sind jedoch nicht mit
dem politischen Prozess zu verwechseln, welcher die Zukunft Syriens bestimmt. Die erwähnten Verhandlungen haben Stabilität gebracht und das Blutvergiessen beendet. Was folgen muss ist der politische Dialog.
AFP: Können Sie sich vorstellen, mit einem Premierminister aus der Opposition in einem künftigen Kabinett zusammen zu arbeiten?
Präsident Assad: Das kommt darauf an, welche Opposition er repräsentiert. Wenn er die Mehrheit repräsentiert, dann natürlich. Aber ein Premierminister ohne eine Mehrheit hinter sich, ergibt keinen politischen Sinn, in keinem Land der Welt. In Ihrem Land, beispielsweise, können Sie sich auch nicht vorstellen, dass die Minderheit im Parlament den Premierminister bestimmt. All dies machen wir von den nächsten Wahlen abhängig, dort wird sich zeigen, wie tief die Opposition im Volk verankert ist.
AFP: Könnten Sie sich zum Beispiel Ahmed Jarba oder Moaz Khatib als ihren nächsten Premierminister vorstellen?
Präsident Assad: Damit kommen wir zurück zu ihrer letzten Frage. Repräsentieren die Genannten das syrische Volk? Oder repräsentieren sie sich selbst und diejenigen, die sie unterstützen? Wie ich schon sagte: Jede dieser Gruppen, jeder Exponent dieser Gruppen repräsentiert nicht das syrische
Volk, sondern die Länder, welche diese Gruppen überhaupt erst geschaffen haben. Die Teilnahme dieser Individuen, ob an den Wahlen oder an Genf II, sollte die Teilnahme am syrischen Staat
bedeuteten. Meinen sie aber wirklich, das die sich konstruktiv an der syrischen Regierung beteiligen wollen? Natürlich wollen sie das nicht. Letztes Jahr haben sie behauptet, sie würden 70% von
Syrien kontrollieren. Tatsächlich werden sie eine halbe Stunde nach Genf kommen, um ein Photo von sich schiessen zu lassen und dann sind sie wieder verschwunden. Kann ein Ausländer syrischer Minister werden? Natürlich nicht, deswegen sind die Fragen die Sie stellen unrealistisch, aber sie sind ein guter Witz, zugegeben,
AFP: Herr Präsident, Sie sagen, es käme auf die Wahlresultate an, aber wie wollen Sie Wahlen abhalten, wenn die Lage dermassen unsicher ist?
Präsident Assad: Während der Krise, nachdem die Unruhen in Syrien begonnen haben, haben wir zweimal Wahlen abgehalten: Einmal Gemeindewahlen, das zweite Mal Parlamentswahlen.
Natürlich können die Wahlen nicht so abgehalten werden, wie dies unter normalen Umständen der Fall wäre. Aber die Strassen zwischen den Regionen sind offen, und die Menschen können sich frei bewegen. Diejenigen welche in gefährdeten Regionen leben, können in die Nachbarprovinz gehen und dort wählen. Es gibt natürlich diese Schwierigkeiten, aber es ist nicht unmöglich.
AFP: Jetzt, da die bewaffnete Opposition gegen die Jihadisten kämpft, sehen Sie irgend einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen?
Präsident Assad: Die Antwort, die ich Ihnen zu Beginn der Kämpfe auf diese Frage gegeben hätte unterscheidet sich komplett von der Antwort, die ich Ihnen heute gebe. Heute sind es nicht mehr zwei Oppositionsgruppen. Wir alle wissen, dass während der letzten paar Monate die extremistischen Terror Gruppen die letzten Bastionen derjenigen gestürmt habe, welche der Westen moderate oder säkulare Kräfte nennt. Sie werden auch „freie syrische Armee“ genannt. Diese Kräfte existieren nicht mehr. Jetzt haben wir es mit Extremisten aus verschiedenen Fraktionen zu tun. Was diejenigen angeht, welche der Westen moderat zu nennen pflegte: Die meisten von ihnen haben sich
den Extremisten angeschlossen, entweder aus Furcht oder dann ,weil sie dafür bezahlt werden. Kurz gesagt also: Unabhängig davon was ihnen die westlichen Medien berichten, im Moment kämpfen wir gegen verschiedene extremistische Fraktionen.
AFP: Ist es vorstellbar, dass die Armee und die Opposition Seite an Seite gegen die Extremisten kämpft?
Präsident Assad: Wir arbeiten mit allen Kräften zusammen, welche gemeinsam mit der syrischen Armee die Terroristen bekämpfen, das geschieht jetzt und das ist schon vorher geschehen. Es gibt viele Militante, die ihre jeweiligen Organisationen verlassen haben und nun gemeinsam mit der
Armee kämpfen. Das ist also möglich, aber das sind Einzelfälle. Es gibt keine Allianz zwischen „moderaten“ Kräften und Einheiten der Armee gegen die Terroristen. Diese Annahme ist falsch und
eine Illusion, welche der Westen schürt und dazu missbraucht, um den Terror in Syrien weiterhin aufzurüsten. Der Terror wird mit der Begründung aufgerüstet, moderate Kräfte innerhalb der
Opposition zu unterstützen. Das ist ebenso unlogisch wie falsch.
AFP: Der Staat klagt die Rebellen an, sie würden in den Gebieten, die sie kontrollieren, die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilder missbrauchen. Wenn dann aber die Armee solche Gebiete bombardiert, töten sie dann nicht unschuldige Menschen?
Präsident Assad: Die Armee bombardiert keine solchen Gebiete. Die Armee schlägt dort zu, wo sich die Terroristen befinden. In den allermeisten Fällen kommen die Terroristen in ein bestimmtes
Gebiet und sie bedrohen die Zivilbevölkerung. Was meinen Sie, weshalb gibt es so viele innersyrische Flüchtlinge? Die meisten der Flüchtlinge verlassen ihre Häuser, weil sie von den Terroristen bedroht werden. Die Armee bekämpft den Terrorismus und es stimmt, in einigen Fällen werden von diesen Banden Zivilisten als menschliche Schutzschilder missbraucht. Zivile Opfer sind ein Unglück und die traurige Konsequenz eines Krieges. Es gibt keinen sauberen Krieg ohne zivile Opfer. Natürlich gibt es auch bei uns zivile Opfer und deswegen müssen wir all dem ein Ende
bereiten.
AFP: Herr Präsident, einige internationale Organisationen haben sowohl die Regierung als auch die Opposition angeklagt, die Menschenrechte zu verletzen. Wenn all dies vorbei ist, werden Sie sich einer Untersuchung stellen?
Präsident Assad: Es gibt keine Logik in so einer Anklage, welche von Menschenrechts-Organisationen erhoben wird. Wie kann die syrische Regierung ihr eigenes Volk töten und trotzdem noch immer an der Macht bleiben, obwohl Dutzende Länder gegen diese Regierung arbeiten? Wenn das stimmen würde, was diese Organisationen glaubhaft machen wollen, das syrische Volk hätte
schon vor langer Zeit gegen die Regierung rebelliert. Ein Staat, der sein eigenes Volk umbringt, überlebt unter solchen Umständen nicht länger als ein paar Monate. Allein schon die Tatsache, dass wir uns nun seit drei Jahren halten, beweist die Unterstützung durch das Volk. Solches Gerede ist wirklich unlogisch. Wenn Organisationen solche Vorwürfe gegen uns erheben, dann ist dies entweder ein Beispiel ihrer Ignoranz für die syrischen Verhältnisse oder sie projizieren die Verhältnisse in ihren eigenen Ländern auf uns. Der syrische Staat hat seine Bevölkerung immer verteidigt. Es ist gut dokumentiert und bewiesen, dass es die Terroristen sind, welche die Bevölkerung massakrieren und töten. Vom Anfang der Krise an bis zum heutigen Tag können diese Organisationen nicht ein einziges Dokument präsentieren, welches belegt, dass die syrische Armee
ein Massaker angerichtet hat.
AFP: Herr Präsident, wir wissen von ausländischen Journalisten, welche von terroristischen Gruppen gekidnappt wurden. Gibt es ausländische Journalisten in syrischen Gefängnissen?
Präsident Assad: Das Beste wird sein, sSe fragen die westlichen Nachrichtenagenturen, die werden ihnen die Antwort geben.
AFP: Kann es eines Tages eine Aussöhnung zwischen Syrien einerseits und Saudi Arabien, Qatar, der Türkei und anderen andererseits geben?
Präsident Assad: Politik ist ständigen Veränderungen unterworfen, aber diese Veränderungen basieren auptsächlich auf zwei Faktoren: Prinzipien und Interessen. Wir haben keine gemeinsamen Interessen mit den Staaten, die sie erwähnen. Diese Staaten unterstützen das Blutvergiessen und den
Terrorismus. Was die Interessen angeht, müssen wir uns selber fragen: Würde das syrische Volk gemeinsamen Interessen mit diesen Ländern zustimmen, nach allem was geschehen ist? Ich will die Antwort des syrischen Volkes nicht vorwegnehmen. Wenn das syrische Volk meint, dass es gemeinsame Interessen mit diesen Ländern hat, und wenn diese Länder damit aufhören,
Terrorismus und Blutvergiessen zu unterstützen, dann ja. Als Präsident kann ich zur Zeit diese Frage nicht beantworten, das obliegt dem syrischen Volk.
AFP: Herr Präsident, Sie wurden schon am 14. Juli, dem Nationalfeiertag in Paris im Elysee Palast empfangen. Überrascht Sie nun die Position Frankreichs und könnten sie sich vorstellen, dass Frankreich in Syrien eine Rolle spielt?
Präsident Assad: Nein ich bin nicht überrascht. Der Empfang von dem Sie sprechen, fand in der Periode zwiechen 2008 und 2011 statt. Damals gab es den Versuch, Syriens politische Rolle
einzudämmen. Frankreich wurde von den USA beauftragt, dies zu übernehmen, als Sarkozy Präsident wurde. Es gab eine Vereinbarung dazu zwischen Frankreich und der Bush-Administration. Die Bush Administration sah Frankreich als alten Freund der Araber und der Syrer, deswegen erschien es ihnen geeignet, Frankreich diese Rolle spielen zu lassen. Das Ziel damals war, Syrien gegen den Iran und gegen die Hisbollah zu benutzen und auch, Syrien von den Widerstandsorganisationen der Region abzuspalten. Diese französische Politik ist gescheitert, vor allem, weil sie so offensichtlich war. Dann begann der sogenannte arabische Frühling und Frankreich wandte sich gegen Syrien, dies, nachdem es mit dem Anliegen, das die USA an es
herangetragen hatten, gescheitert war. Dies ist der Grund hinter der gegenwärtigen französischen Position. Lassen Sie uns frei heraus über die künftige Rolle Frankreichs sprechen. Seit 2001, seit den Terror Angriffen auf New York, kann von einer eigenständigen europäischen Politik keine Rede mehr sein. (Wir sehen jetzt nicht weiter zurück als in die 1990iger Jahre). Im Westen gibt es nur noch US amerikanische Politik, welche von einigen europäischen Ländern übernommen wird. Dies war in sämtlichen Ereignissen der letzten Dekade in unserer Region so. Heute beobachten wir genau das: Entweder wird europäische Politik mit dem Segen der USA formuliert oder die US-Politik wird von den Europäern als deren eigene Politik verkauft. Deswegen glaube ich nicht, dass Europa, speziell Frankreich, welches ja nicht in der Lage war, in der Vergangenheit eine eigenständige Rolle zu spielen, in Zukunft auf die syrische Politik wird Einfluss nehmen können. Es gibt dafür aber noch einen anderen Grund: Die westliche Welt hat ihre Glaubwürdigkeit verloren. Sie messen nicht mal mehr mit zwei, nein sie messen mit drei, mit vier verschiedenen Ellen. Sie messen jede politische Situation mit einer anderen Elle, deswegen ist es ausgeschlossen mit ihnen
eine konstante, zukunftsgerichtete Politik zu machen. Morgen tun sie womöglich das exakte Gegenteil vom dem was sie heute vertreten. Ich glaube also nicht, dass Frankreich in absehbarer
Zukunft eine Rolle spielen wird, es sei denn es ändert seinePolitik fundamental.
AFP: Wie lange glauben Sie, braucht Syrien, um seine Chemiewaffebestände vollständig zu vernichten?
Präsident Assad: Das hängt auch davon ab, welche Unterstützun uns die Organisation zur Vermeidung Chemischer Waffen (OPWC) gibt. Wir brauchen die notwendige Ausrüstung um das zu tun. Bis jetzt lief dieser Prozess ziemlich zäh. Diese Chemikalien können, wie Sie wohl wissen, nicht vollständig in Syrien neutralisiert werden. Einige Länder aus verschiedenen Teilen der Welt haben uns ihre Unterstützung zugesichert. Der Zeitrahmen ist also vor allem von zwei Faktoren abhängig: Dem OPWC und den Ländern, die einwilligen uns zu unterstützen. Es liegt also nicht an Syrien, diesen festzulegen. Wir haben eingewilligt, alles offen zu legen und zu vernichten. Der Rest
liegt nun an anderen Parteien.


AFP: Her Präsident, was hat sich in Ihrem persönlichen Leben und dem Ihrer Familie verändert? Verstehen Ihre Kinder was geschieht, sprechen Sie mit ihnen darüber?
Präsident Assad: Ein paar Dinge haben sich nicht geändert. Ich gehe zur Arbeit wie üblich, wir leben im selben Haus wie immer und die Kinder gehen zur Schule, diese Dinge haben sich also
nicht geändert. Andererseits gibt es natürlich Dinge, die jeden syrischen Haushalt betreffen, so auch unseren: Das Leid ist jeden Tag mit uns. Wir sehen und wir erfahren von den Gefallenen, von den Opfern. Es gibt auch keinerlei Zweifel, dass unsere Kinder betroffen sind, wahrscheinlich mehr als Erwachsene. Diese Generation wird wahrscheinlich schneller altern als andere Generationen vor ihnen. Sie stellen Fragen zu dem, was geschieht: Warum sind die Menschen so böse? Warum gibt es
diese Opfer? Es ist nicht einfach, den Kindern diese Fragen zu beantworten, jede syrische Familie muss sich damit auseindersetzen, auch unsere.
AFP: Welches war die schwierigste Situation für Sie in all den Jahren?
Präsident Assad: Das ist nicht eine bestimmte Situation, aber es gibt natürlich verschiedene Elemente. Es gab viele verschiedene schwierige Situationen und es gibt sie noch. Das schwierigste,
glaube ich, ist der Terrorismus. Der Grad der Unmenschlichkeit, den die Terroristen erreicht haben, ist wahrscheinlich nur noch mit dem europäischen Mittelalter zu vergleichen. In der neueren Zeit ist möglicherweise der Vergleich mit den Osmanen, welche 1,5 Millionen Armenier und eine halbe Million orthodoxe Syrer massakrierten angebracht. Der andere Faktor, der schwer zu verstehen ist, ist die Unfähigkeit der westlichen Öffentlichkeit, zu begreifen, was in Syrien geschieht. Es scheint, diese Öffentlichkeit kommt immer einen Schritt zu spät, manchmal weigern sie sich sogar zu verstehen, wenn die Situation von der Realität überholt wird. Drittens ist es schwierig zu verstehen,
wie sehr die Petrodollars die politische Arena verändern. Qatar, zum Beispiel, wurde von einem marginalen Staat ohne Macht, zu einem sehr wichtigen Staat, wegen den Petrodollars. Frankreich
hingegen wurde zu einem Gehilfen Qatars und dessen Politik. Dasselbe geschieht übrigens zwischen Frankreich und Saudi Arabien. Wie kann es soweit kommen, dass Frankreich all seine
Prinzipien für Petrodollars verkauft? Dies sind nur ein paar von den Dingen, die ich weder verstehen noch akzeptieren kann.
AFP: Der Prozess gegen die Angeklagten im Mordfall Rafik Hariri hat im Libanon begonnen. Meinen Sie, es wird ein fairer Prozess werden?
Präsident Assad: Es sind jetzt neun Jahre, seit dieser Prozess begonnen hat. Wurde der Gerechtigkeit Genüge getan? Jede Anklage in diesem Prozess wurde aus politischen Motiven heraus
erhoben. Selbst in den letzten paar Tagen dieses Prozesses wurde nicht die Spur eines Beweises erbracht. Die wirkliche Frage müsste lauten: Warum gerade jetzt? Das Gericht trat vor neun Jahren zusammen. Haben sie erst in den letzten paar Tagen herausgefunden, wie das Urteil lauten soll? Ich meine, wir haben es mit einem politischen Prozess gegen die Hisbollah zu tun. Auf diesselbe Art wurde Syrien unter Druck gesetzt, als sie versuchten, uns für die Ermordung Hariris verantwortlich
zu machen.
AFP: Sie sagten, der Krieg wird enden wenn der Terrorismus gestoppt wird. Aber Syrien und die ganze Welt will wissen, wann das sein wird. In Monaten? In einem Jahr? In wie vielen Jahren?
Präsident Assad: Wir hoffen, das Genf II uns hilft Antworten zu finden und vor allem Druck auf die Länder zu machen, welche die Terroristen unterstützen. Dies hat nichts mit Syrien zu tun, es muss Druck auf diese Staaten gemacht werden und es muss verhindert werden, dass die Banden weiterhin nach Syrien gelangen. Von unserer Seite aus können wir sagen, wenn dies getan wird, ist das Blutvergiessen innerhalb von einem Monat beendet.
AFP: Es ist durchgesickert, dass westliche Geheimdienste wieder in Kontakt mit Ihnen treten möchten um an Ihrer Seite gegen Terrorismus zu kämpfen. Sind Sie dazu bereit?
Präsident Assad: Es gab Treffen mit einigen Geheimdiensten aus einigen Ländern. Unsere Antwort an sie war, dass eine solche Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich nicht von der politischen
Zusammenarbeit getrennt werden kann. Eine Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich kann es jedoch nicht geben, solange keine politische Zusammenarbeit stattfindet, unsere Antwort war kurz und klar.
AFP: In der Vergangenheit haben Sie gesagt, der Staat habe Fehler gemacht. Was waren Ihrer Meinung nach diese Fehler und wie hätten sie vermieden werden können?
Präsident Assad: Ich habe gesagt, dass in jeder Situation Fehler gemacht werden können. Ich habe das auch nicht präzisiert, weil eine objektive Analyse erst erfolgen kann, nachdem die Krise beendet ist.
AFP: Herr Präsident, wären Sie ohne Russland, China und den Iran in der Lage zu wiederstehen?

 

Präsident Assad: Das ist eine hypothetische Frage, die ich nicht beantworten kann. Die Realität hat jedoch gezeigt, dass die russische, chinesische und iranische Unterstützung für Syrien sehr wichtig ist. Ohne diese Unterstützung wäre es für uns sehr viel schwieriger gewesen, aber wer kann sagen, wieviel schwieriger? Hypothetische Fragen sind kaum zu beantworten.
AFP: Nach allem was geschehen ist, können Sie sich vorstellen, dass ein anderer Präsident Syrien wieder aufbaut?
Präsident Assad: Wenn das syrische Volk das will, habe ich kein Problem damit. Ich bin nicht jemand, der an der Macht klebt. Auf jeden Fall muss mich das syrische Volk als Präsidenten wollen,
sonst wäre da wohl jemand anders. Ich habe kein persönliches Problem damit.

 

AFP: Herr Präsident, wir danken Ihnen.

DRINGEND NOT-WENDIGE VORBEMERKUNG (bevor es zum Ostereinmarsch in die Ukraine geht !?!?)

Recherchen zur Ukraine, zu B-H (((wo der EU-Gouverneur mit EinmaRSCH DROHT; WAS DER Ö-AUSSENKASPER von der ÖVP FÜR DIE uKRAINE IM GESTRIGEN zip (20.2.14)vorerst noch ausgeschlossen hat)))  wie zu Hermann Josef Abs sind äußert schwierig. Sie hängen immer direkt mit den Niederkunfts-& Geburtslügen der Bundesrepublik – von der Kronberger Währungskonferenz bis zur Berliner Luftbrücke von des Reiches, der balkanischen Erweiterung, mit OstKornkammern & Ölquellen & Krimsekt zusammen.

Sie sind auch sehr teuer.  So teuer, dass sie den Rechercheur in den Bankrott treiben. Dazu HaBE ich weiter unten Einiges geschrieben. Die jetzt wieder auf mich zukommenden Abmahn-Kosten kann ich mit meiner (Berufsverbots-bedingt-gekürzten) Rente alleine nicht schultern. Damit ich mein ABS-olut NonProfit Internet-Projekt weiter betreiben kann, bitte ich Sie/euch unter dem Kennwort “ABS-solution” um Spenden auf mein Konto Nr. 1140086 bei der VR-Bank Main-Kinzig-Büdingen , BLZ: 506 616 39

Danke. HaBE))

DAS KROKODIL Nr. 7 ist da !!!

DAS KROKODIL Nr. 7

60 Seiten Inspiration. Es ist herausgegeben u.a. von vier AF-Mitgliedern und versteht sich als notwendige Grundsatzschrift über die Freiheit des Denkens – bissig – streitbar – schön und wahr und (manchmal) satirisch: Mehr dazu hier:

http://www.das-krokodil.com/

Hier ist auch das komplette Inhaltsverzeichnis zu finden…

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

3 Gedanken zu „Syriens Präsident Bashar al-Assad im AFP-Interview zur Genfer Konferenz“

  1. Manfred Ecki sagte am 26. Januar 2014 um 13:31 :
    Dein Kommentar muss noch moderiert werden.
    Info aus einer Quelle, welche keine diktierte Meinung vertritt !
    In diesem Bericht kann der Interessent erfahren, was in Syrien wirklich für ein
    verwerfliches, politisches Verbrechen wirklich vollzogen wird.
    Es ist auch zu erkennen, wer die wirklichen Drahtzieher sind und warum diese
    angeblichen Befreiungskämpfe mit all seinen verwerflichen, mörderischen Treiben , von bestimmten, bezahlten Legionären geführt werden.
    Dass diese kriegerischen Handlungen von gewissen Quellen mit Fahrzeugen , Geld und Waffen unterstützt, ist schließlich der Beweis dafür , dass ausländische Kräfte Syrien genau so zerschlagen wollen, wie es bereits in den anderen Nordafrikanischen Ländern geschah.
    Heuchlerische Medienberichte beschuldigen die Regierung und das Militär als
    tyrannische Mörderbrut !

  2. Info aus einer Quelle, welche keine diktierte Meinung vertritt !
    In diesem Bericht kann der Interessent erfahren, was in Syrien wirklich für ein
    verwerfliches, politisches Verbrechen wirklich vollzogen wird.
    Es ist auch zu erkennen, wer die wirklichen Drahtzieher sind und warum diese
    angeblichen Befreiungskämpfe mit all seinen verwerflichen, mörderischen Treiben , von bestimmten, bezahlten Legionären geführt werden.
    Dass diese kriegerischen Handlungen von gewissen Quellen mit Fahrzeugen , Geld und Waffen unterstützt, ist schließlich der Beweis dafür , dass ausländische Kräfte Syrien genau so zerschlagen wollen, wie es bereits in den anderen Nordafrikanischen Ländern geschah.
    Heuchlerische Medienberichte beschuldigen die Regierung und das Militär als
    tyrannische Mörderbrut !

  3. Wenn man so einen Artikel liest, wird sofort die Frage beantwortet: Kann man als linke Partei in einer Regierung mitarbeiten wollen, die in dieses Kolonialkriegsgeschehen eingebunden ist wie die BRD. Als Minister in so einer Regierung mitzuarbeiten bedeutet sich kaufen zu lassen. Aus diesem Grunde bin ich gegen alle Bestrebungen, regierungsfähig zu werden.
    Lothar Ratai, Feldberg

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