Warum die Dresdner Bank und nicht die DDR die Frauenkirche wieder aufbauen ließ, steht in einem Leserbrief von HaBE an die FR und der steht jetzt in Eckard Spoo’s OSSIETZKY

Bei Stegreif-Kabarett-Vorstellungen, Lesungen, Widerstandsschreibungen und anderen indoor- oder openair -Gelegenheiten hatte ich auf die SS-Hausbank und ihre Bemühungen um den “Petersdom der Deutschen Christen” hingewiesen und erklärt, warum die DDR alle anderen zentralen Denkmäler Dresdens vielen Schwierigkeiten trotzend wiederaufbaute – nur ganz bewußt die Frauenkirche nicht. Die Frauenkirche war DAS Zentrum der NAZI-“Christen”, von hier kam der Beifall zur Zerstörung der keine 200 Meter entfernten Synagoge 1938, keine 100 Meter entfernt saß Victor Klemperer in GESTAPO-Haft zum Abtransport ins KZ. Dresdner Bürger haben mir dazu viel erzählt nach meinen Kabarett-Improvisationen auf der Kirchenkuppel und in der Warteschlange vor der Frauenkirche, wo ich als “Westlicher Ostmissionar” (HimmelfahrtsKommando: “Ost-Mission is possible!”) die Eingeborenen lobte ob ihres disziplinierten schlangestehenden Drängelns in die Kirche (Wer es gelernt hat jahrelang auf den Wartburg zu warten, der wartet jetzt auch gerne Mal auf den von der Wartburg). Auf der Suche nach weiterem Material zu diesem Kabarett- Programm (“Stimmabgabe”) bin ich auf den folgenden Artikel in der Zeitschrift OSSIETZKY (Nr?/2003) im internet gestoßen und damit auch auf einen lange verschollenen Brief an die FR:
http://www.sopos.org/aufsaetze/4426d7909dd45/1.phtml

Kreuzberger Notizen

»Die Lektüre dürfte für einige in der Dresdner Bank eine echte Überraschung sein.« So liest sich heutzutage ein Persilschein. Ausgestellt hat ihn die taz am Jahrestag der Auschwitz-Befreiung auf den Namen eines Unternehmens, dessen Website angibt, als sei dies ein gewöhnlicher Vorgang gewesen und nicht Lohn einer mit dem Braunen Band der Sympathie begleiteten Mordbrennerei: »1943 – Die Kundenzahl der Bank überschreitet erstmals die Millionengrenze.« Anlaß war das bevorstehende Erscheinen der Studie »Die Dresdner Bank im Dritten Reich«.

Wer 60 Jahre nach dem OMGUS-Bericht der US-Militäradministration, der Aufsichtsräte und Vorstände der »Beraterbank der SS« Kriegsverbrecher nannte, »Überraschung!« ruft, macht sich zum Hehler eines Konzerns, dessen Chronik noch 1992 die Lingua Tertii Imperii heilhitlerte und »Halbjuden« sowie »zehn jüdische und fünf arische Herren« unter den Chefs der frühen 30er Jahre ausmachte. Der sich zum Opfer derselben Clique umlog, die ihm nach der konkursabwendenden Verstaatlichung 1931 zur Reprivatisierung 1937 samt Aufstieg zum zweitgrößten Geldinstitut im Reich verhalf. Die eigene »Entjudung« hinter sich, organisierte er da gerade das Gründungskapital der Reichswerke Hermann Göring. Was ja keiner ahnen konnte! Denn, so enthüllte der ARD- Kulturreport am 19. Februar 2006: »Die Akten wurden weggeschlossen. Angeblich seien sie verbrannt.« Komisch, daß im Oral-History-Rausch kein Guido Knopp alte Landser danach fragte, was sie einst über einen später in Nürnberg verurteilten Direktor gereimt hatten: »Hinterm ersten deutschen Tank kommt Rasche von der Dresdner Bank.«

»Die Dresdner Bank war praktisch die Nachhut der Wehrmacht.« Woher nur wußte es Hartmut Barth Engelbart? Der Mitautor der 1999 im Gallus-Theater uraufgeführten dokumentarischen Collage »Sie starben mitten in Frankfurt« über das KZ Katzbach/Adler-Werke AG echauffierte sich am 13. März 2002 gegenüber der Frankfurter Rundschau , die Dresdner Bank »beteiligte sich nicht nur an den wirtschaftlichen Unternehmungen der SS, sie war mit nicht weniger als sieben Vertretern im ›Freundeskreis des Reichsführers SS‹ präsent, führte nicht nur ein Bankenkonsortium an zur Finanzierung des Projektes I.G. Auschwitz, sondern stellte auch ab 1941/42 einen Rationalisierungsexperten für das spätere SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt, die Zentrale der Konzentrationslager. Sowohl in Deutschland als auch in allen besetzten Ländern Europas war sie die Hauptagentur für die zwangsweise ›Arisierung‹ von Unternehmen in jüdischem Besitz. Ab 1936 richtete sie eine eigene ›Arisierungsabteilung‹ ein …«

Daß sie längst Bekanntes lediglich mit Details unterlegt – etwa, daß der Bank mehrheitlich jene Breslauer Firma Huta gehörte, die nach der Wannsee-Konferenz »Krematorien mit integrierten Gaskammern« nach Auschwitz-Birkenau lieferte –, entlarvt die Studie ebenso als PR-Coup wie das willige Entgegenkommen zum Beispiel der Frankfurter Rundschau , das Barth Engelbart seinerzeit so empörte. Fakten generös vernebelnd hatte das Blatt an jenem 13. März 2002 den 1997 einer »unabhängigen Historikerkommission« erteilten Millionen-Auftrag der Dresdner Bank sowie ihren von ausländischen Klagedrohungen erzwungenen Aufklärungswillen gelobt: Die angekarrten 15 Kilometer Aktenmaterial »aus den Filialen im westlichen wie im östlichen Teil des Landes«, so Autorin Claudia Michels, kommen »aus Kellern, die zum Teil seit Jahrzehnten keiner mehr betreten hatte«. – Laut Kulturreport auch aus einem Kreuzberger Aktenlager.

Aus dem Fusionsbezirk erging zur Pressevorstellung der vier Bände am 17. Februar 2006 auch eine »Freundliche Handreichung zum Spektakel der Dresd-ner Bank«. Absender: Naturfreunde-Ju-gend Berlin. Nach fast zehn Jahren wolle die Bank »im Jüdischen Museum die lang verdiente Anerkennung einfahren«. Das sei, »als wenn sich eine SS-Nachfol-georganisation im Jüdischen Museum der Geschichte stellt«, so Peter Fischer, Vorsitzender des Vereins jüdischer Holocaust-Überlebender. »Wenn der Führer das noch hätte erleben dürfen«, höhnten die Naturfreunde über das – Kreuzberg dank dem Zentralrat der Juden erspart gebliebene – »makabre Schauspiel«. Mit der obsessiven Annahme statt Leugnung der Vergangenheit zimmere man aus der »barbarischen Hausgeschichte eine sehr deutsche Verantwortungs-Erfolgsstory«. Und ganz Bank, verlegt die Dresdner diese Story nicht auf eigene Kosten oder gibt sie gratis über die Bundeszentrale für politische Bildung ab, sondern betraute einen Wissenschaftsverlag, wo sie 79,80 Euro kostet.

Infamer noch als dies und die Mitfinanzierung des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche übrigens findet die Naturfreunde-Jugend »höchstens die Verleihung des von der Dresdner Bank ausgeschriebenen Victor-Klemperer-Preises. Der erste Preis ging letztes Jahr an die Bundeswehr. Und damit an die Rechtsnachfolgerin derjenigen Organisation, die den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg in Osteuropa gegen die ›Untermenschen‹ und alles ›Undeutsche‹ geführt hat.« Ausgerechnet ein Jude, so die Naturfreunde, »steht Pate für die Nachfolgeorganisation der mörderischen Vereinigung, die ihn fast umgebracht hätte. Tatsächlich hängen Frauenkirche und Victor Klemperer enger zusammen, als der Dresdner Bank bewußt sein dürfte. Er konnte am Abend vor der geplanten Deportation aus Dresden fliehen, weil sie bombardiert wurde.« Eike Stedefeldt

Henke, Klaus-Dieter (Hg.): Die Dresdner Bank im Dritten Reich. R. Oldenbourg Verlag, München 2006. 2374 Seiten, 79,80 Euro

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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