Wo Anna Seghers 7. Kreuz auch nicht einfach so vom Himmel fiel: Barbarossa-Stadt Gelnhausen

 

Wie die NSDAP-Schlägertrupps deutschlandweit versuchen auch in der Barbarossa-Stadt Gelnhausen die SA-Horden besonders den Armen-Stadtteil um die Barabrossa-Burg von „Dolchstoß-Sozen“- „Gewerkschaftsbonzen“ und „bolschewistisch-jüdischen Untermenschen“ TOTAL ZU SÄUBERN und das seit mindestens Mitte der 1920er , um dann die Stadt zur Einweihung der „Adolf-Hitler-Kaserne“ schon 1937 als „ERSTE JUDENFREIE STADT IM DEUTSCHEN REICH“ dem Führer besenrein übergeben zu können – mit arisierten Betten-Geschäften, Villen hinterm Holztor, Autohäusern und Fellhändler-Liegenschaften ….

800 Menschen kamen 80 Jahre später am 26. Januar  2018 in die Stadthalle Gelnhausen. Dort fand die von der Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft, amnesty international und PaxChristi veranstaltete Lesung: „Das 7.Kreuz – Widerstand Gestern und Heute“ mit Ulrike Eifler, der Autorin & DGB-Regions-Geschäftsführerin Südosthessen, Philipp Hoffmann, dem blinden  Kasseler Bariton & Akkordeonisten und dem Gründauer Schriftsteller, Grafiker und Publizisten Hartmut Barth-Engelbart NICHT statt.  

Die 800 Menschen strömten zum Neujahrsempfang des Magistrats der Barbarossa-Stadt und ihres neuen Bürgermeisters. FunktionsträgerINNEN der Parteien, Kirchengemeinden, Vereine und regionaler Initiativen,  Schulleitungen und Kollegien,  Betriebe und Betriebs-& Personalräte, Gewerkschaften und Unternehmensverbände. Einige von ihnen wären sehr gerne zur gleichzeitig stattfindenden Lesung in der ehemaligen Synagoge Gelnhausens gekommen. Doch das (letzte) Hemd ist meist näher als die Jacke und von guten Beziehungen zum Magistrat und dem neuen Bürgermeister Daniel Klöckner hängt so Manches ab.

Um eine Jacke -über dem letzten, dem KZ-Häftlingshemd- ging es bei der Lesung aus dem 7. Kreuz in der Synagoge derweil auch und vor allem darum, welche Bedingungen erst geschaffen werden mussten & müssen, um zum letzten Hemd zu kommen.

Mark Twain hat gesagte einmal: “Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich!”

Darauf konnten sich die -trotz der Stadthallenkonkurrenz über 100 Zuhörerinnen in der voll besetzten Synagoge  und in den anschließenden Gesprächskreisen ihre eigenen Reime machen:

was verbindet die 1926er Streikaktionen der Landarbeiterinnen auf den fürstlichen Äckern des Domänen-Pächters Rullmann in Mittel-Gründau und ihr Streiklied „Rullmann gib uns die Papiere! Rullmann gib uns unser Geld!“ mit den Streikaktionen der amazon-Beschäftigten in Bad Hersfeld von Heute? Was verbindet  sie mit den Streiks und Warnstreiks der VAC-Belegschaft, der Honeyweller …. Aller MetallerINNEN?

Damals wie heute erklingen hinter (schon lange nicht mehr) vorgehaltener Hand die Kapital-Parolen : Renditen, die sich lohnen? Nur mit gewerkschaftsfreien Zonen. Und wie soll das funktionieren? Betriebsrat kaufen oder schmieren!  Mit der GroKo kann man dealen, um den Betriebsrat abzustillen, Gesetzvorlagen-Bertelsmann, worauf man sich verlassen kann …“ …  in der langen Nacht nach der Lesung sind noch viele weitere Reime entstanden:

„Unsere Jugend bracht eine Lebens-, ein Zukunftsperspektive: Bundeswehr, die NATO-olive Alternative – Freiheit & Abenteuer!“ und wenn die Mädels und Jungen drauf rein fallen, sollen wir Alten nicht ganz so laut schimpfen – wie war das denn damals mit den Pimpfen? Darüber müssen wir reden!!!!

siehe dazu auch:

Das 7. Kreuz fiel nicht vom Himmel: NAZI-Terror gegen den Volksentscheid für “Fürstenenteignung” 1926

 

Ohne dass wir es in der Synagoge extra gesagt haben, war diese Lesung auch ein Beitrag zum Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Es war ebenfalls ein Beitrag zur Unterstützung der laufenden Streik-Aktion der IG-Metallerinnen, der ver.di-Kolleginnen, denn Widerstand darf nicht erst beginnen, wenn es schon (fast) zu spät ist.

Unterstützt die Streikposten, geht zu den Streikversammlungen!

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+ SOLIDARITÄTSAUFRUF + Ganztägiger Warnstreik bei der Fa. Vacuumschmelze in Hanau +

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

auch nach der fünften Tarifverhandlung am 26. und 27.01.2018 in Stuttgart konnte keine Einigung zwischen der IG Metall und den Arbeitgeberverbänden erzielt werden. Ganz im Gegenteil: Die Fronten sind verhärtet. Mehrere sehr weitgehende Kompromissvorschläge der IG Metall wurden von der Arbeitgeberseite abgelehnt oder durch weitere Gegenforderungen torpediert. Sowohl bei der Entgelthöhe, als auch bei den Arbeitszeitfragen sind die Positionen Lichtjahre auseinander. Nun sind wir gefordert und müssen zu weiteren Maßnahmen greifen um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Der Vorstand der IG Metall hat beschlossen, nun in ausgewählten Betrieben im Bundesgebiet zu 24h-Warnstreiks aufzurufen.

Die Kolleginnen und Kollegen der Vacuumschmelze in Hanau befinden sich in konkreten Vorbereitungen für einen 24h-Warnstreik und werden diesen am 31.01.2018 ab 06:00 Uhr durchführen.

Zur Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen der Vacuumschmelze rufen wir dazu auf, sich mit den Beschäftigten und ihren Forderungen zu solidarisieren und sich am 24h-Warnstreik zu beteiligen.

Insbesondere brauchen wir die Unterstützung im Rahmen der Streikversammlungen.

Diese finden statt: am 31.01.2018  jeweils um 09:00 Uhr und 15:00 Uhr im Streikzelt am Haupteingang Grüner Weg in Hanau

Darüber hinaus könnt ihr euch auch aktiv an der Arbeit der Streikposten beteiligen. Bitte teilt der Kollegin Julia Brandt (Mobil: 0151-29231110 mail: julia.brandt@igmetall.de) kurzfristig mit, ob und wann ihr an den Streikversammlungen teilnehmen und/oder die Kolleginnen und Kollegen an den Streikposten unterstützen wollt. Bitte teilt ihr auch mit, wenn ihr während der Streikversammlung Solidaritätsgrüße übermitteln wollt.

Solltet ihr euch an dem Tag nicht beteiligen können, rufen wir euch dazu auf, schriftliche Solidaritätserklärungen an die Beschäftigten der Hanauer Vacuumschmelze zu senden. Diese sendet bitte auch an Julia Brandt.

Mit solidarischen Grüßen  Robert Weißenbrunner  ,

1. Bevollmächtigter IG Metall Hanau-Fulda
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Hier einige der nur zum Teil vorgetragenen kurzen Hinweise auf den regionalen Widerstand gegen den Faschismus von Maintal über Hanau, Langenselbold, Gründau, Gelnhausen  Wächtersbach, Steinau, Schlüchtern……   :

Das 7. Kreuz  – Anna Seghers Roman, den sie seit 1933 auf der Flucht aus Deutschland zunächst im Pariser Exil begann und auf der von der Resistance unterstützten Flucht über Marseilles nach Mexiko dort fertig schrieb und veröffentlichte,

 

handelt während des Versuches der Faschisten Deutschland in eine gewerkschaftsfreie Niedrigst-Lohn-Zone für das Kapital von Kohle-, Bank- und Stahl zu verwandeln.

Der Lager-Kommandant des Osthofener SA-KZs,  Sommerfeld, nennt sich „Befreier von Seligenstadt“!

 

Wie seine Schlägertrupps versuchen auch in der Barbarossa-Stadt Gelnhausen die SA-Horden besonders die Burg von „Dolchstoß-Sozen“- „Gewerkschaftsbonzen“ und „bolschewistisch-jüdischen Untermenschen“ TOTAL ZU SÄUBERN, um dann die Stadt zur Einweihung der „Adolf-Hitler-Kaserne“ als „ERSTE JUDENFREIE STADT IM DEUTSCHEN REICH“ dem Führer besenrein übergeben zu können – mit arisierten Betten-Geschäften, Villen hinterm Holztor, Autohäusern und Fellhändler-Liegenschaften, eben nicht nur im UnderDock-Viertel um die Barbarossa-Burg.

 

Das konnte der in den Untergrund gejagte Widerstand nicht mehr verhindern, der bis zu 70 % eingekerkert, hingerichtet, totgefoltert war.

 

„Flucht wird nur das Leben kosten..!“ sangen die Häftlinge später im KZ Börgermoor als die legendären Moorsoldaten : unter ihnen Carlo Mierendorf , der Organisator des sozialdemokratischen antifaschistischen Kampbundes „Eiserne Front“ und Wilhelm Pfannmüller, der kommunistische Altbürgermeister von Mittel-Gründau ..

 

Was blieb war die rechtzeitige Flucht ins Ausland, die Unterwanderung der SA und der Deutschen Arbeitsfront unter deren Führer Robert Ley, wie das die Widerstandskämpferin Louise Bröll in Hanau gemacht hat:  Russen vor der „Vernichtung durch Arbeit“ gerettet und auch bei Heraeus die Rüstungsproduktion sabotiert.

 

Oder wie die Breitenborner, die sich bei der SS Russen für das Ausheben von Splittergräben bestellten, die dann in die Fluchtwege einwiesen und sie nachts aus den Verstecken holten, in den Heuschobern verstauten und sie verpflegten bis zum Einmarsch der US-Army …

 

Ohne die Navigation durch den Widerstand wären die Verluste der US-Army doppelt und dreifach so hoch gewesen und der Krieg noch um viele Monate  und Tausende von weiteren Toten verlängert worden.

 

Ohne den Widerstand in Frankreich wäre die Landung in der Normandie unmöglich gewesen, ohne den Widerstand in Deutschland der rasche Vormarsch bis zur Elbe ebenfalls. Schon die Rheinüberquerung wäre lange gescheitert. Ohne die Navigation der Breitenborner zum Beispiel wären noch weitere US-Kompanien von der SS zusammengeschossen worden, bevor sie die SS zusammen mit den zwangsrekrutierten HJ-Kindern aus sozialdemokratischen & kommunistischen Familien des Gründautales in Waldensberg dem Erdboden gleich machten.

 

1926 Volksentscheid für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten … das Geld sollte wie in Österreich für Wohnungsbau, Schulen, Sportstätten, Schwimmbäder, Infrastrukturmaßnahmen verwendet werden. Frankfurt, Hanau, Langenselbold, Steinau uvam. starteten in Erwartung des sichern Erfolges der Abstimmung große Städtebaumaßnahmen zunächst auf Kredit: Römerstadt, Riederwald, Goldstein, „Zickzackhausen“, Waldstadion für die Arbeiter-Olympiade,  Hanauer Mainhafen und Hafen-Wohnviertel, Freigerichtviertel, die Langenselbolder Spessartstraße, die Arbeiterwohnviertel in Steinau usw …

 

Gegen die Hetze der Hugenberg-Presse, gegen das Votum des Reichspräsidenten von Hindenburg, der Harzburger-Front, gegen das Kapital von Kohle, Bank und Stahl, gegen den Terror der SA vor den Wahllokalen, trotz der Drohungen mit Arbeitsplatz- und Wohnungskündigungen und der Registrierung aller Wahlbeteiligten in „Roten Listen“ der NSDAP („Wenn wir drankommen, kriegen wir euch alle!“) beteiligten sich rund 40 % der Wahlberechtigten  (rund 15,6 Millionen) und davon wieder über 80% für die Enteignung …

 

Durch Gesetzesänderungen während der Volksentscheids-Kampagne wurde der Abstimmungserfolg in eine Niederlage gedreht.  Trotzdem war es ein Erfolg: SPD und KPD arbeiteten endlich zusammen, Zentrum und Liberale, sogar die Deutschnationale Volkspartei stimmten für die Enteignung, selbst der Röhm-Strasser-Flügel, die „SA-Bierzelt-Fraktion“ der NSDAP war zunächst wegen des Drucks von der Basis auch für die Enteignung.

 

Wurde aber dann zurückgepfiffen und 8 Jahre später als Risiko-Potential und von Kommunisten unterwandert kaltgestellt  und die Führung von der Eliten-SS unter Dr. Best ermordet.

 

Der  Kampf gegen den SA-Terror im Gründautal zwischen 1923 und 33 um die Versammlungsräume, den Gasthof „Drei Hasen“ in Haingründau, um die Mittel-Gründauer Schule: Wilhelm Pfannmüller, Marine Hannes, ( Kieler Matrosen-Aufstand,  Arbeiter-Bauern-& Soldaten-Rat, Bauarbeiter und Gewerkschafter, Fenstersturz von Haingründau), Matzen-Bäcker Karl Hechts Unterstützung der KPD und SPD

 

Kürle (SPD Gelnhausen und das Hakenkreuz über der Stadt, Absturz beim Übertünchen des Hakenkreuzes und Behandlung durch einen jüdischen Arzt, Absprache mit Rennert (KPD) zum Vergraben der Mitglieder-Karteien und Abo-Listen usw.. Ausgraben nach dem 1000jährigen und Wiederaufbau der beiden Arbeiterparteien …

 

Verteilung von Flugblättern mit dem Aufruf zum Generalstreik und Sturz Hitlers –  Polizisten Duo KuK und die SA am Bahnhof suchen die Verteiler.

Verhaftung Wilhelm Pfannmüllers  im Frühjahr 1933/ Polizeigefängnis Büdingen, Zuchthaus Marienschloss/ KZ Börgermoor / Strafbataillon 999 / 1942 Griechenland – desertiert 1944 in Jugoslawien

 

Streik der Fulda-Mädels -Opfer des HARTZ4-Vorläufers in der Weimarer Republik, Vorläufer des Hartmann-Planes für die Röhn: keine Stütze bei Verweigerung des „freiwilligen Arbeitsdienstes“ der sozialdemokratischen Notverordnungsregierung Müller.  Vergabe der Mädels an Industrie und Groß-Agrarier wie den Fürsten von Isenburg-Büdingen und seine Pächter. Residenzpgflicht , einbehaltung der papiere, damit sich die Frauen keine besser bezaghlkte Arbeit suchen konnten, Hungerlohn-Bezahlung erst nach Abschluss der Maßnahme. Dagegen streiken die Mädels mit Unterstützung der lokalen KPD und SPD. Die SA terrorisiert die Streikenden in Absprache mit Fürst und Pächter Rullmann :

Rullmann gib uns die Papiere. ……

 

Wilhelm Pfannmüller: von Tito 1945 nach Hause entlassen – per Fahrrad Rückkehr nach Mittel-Gründau zwecks Aufbau eines demokratischen Deutschland, einer demokratischen Gemeinde und für den Zusammenschluss von KPD und SPD, gegen die Teilung Deutschlands durch die West-Alliierten,  Abberufung des KPDlers Wilhelm Pfannmüller als Ankläger bei der Büdinger Spruchkammer auf Antrag des CDUlers Schwarz-Schilling 1947/ dann Wiedereinsetzung, dann 1948 wieder Abberufung. ….erneute Inhaftierung

 

Als die “Fulda-Mädels” in Mittel-Gründau auf den Feldern der fürstlichen Domäne streikten, sangen sie:

Rullmann, gib uns die Papiere

Rullmann, gib uns unser Geld

Schöne junge Burschen sind uns lieber

Als Fronarbeit auf Rullmanns Feld

 

Das ist der Refrain .

Rullmann war bis in die 30er Jahre der fürstliche Pächter der Mittel-Gründauer Domäne.

Als die “Fulda-Mädels” in Mittel-Gründau auf den Feldern der fürstlichen Domäne streikten

 

Mitte der 20er gab es im Mittel-Gründau Streik-Aktionen der Fulda-Mädchen, der „Bayern-Mädels“, die in einer Art HARTZ4 Aktion des „freiwilligen Arbeitsdienstes“ zur „Bekämpfung der Rhöner Armut“ an Groß-Agrarier vergeben wurden. Die waren extrem billig und senkten natürlich die Löhne für die örtlichen Mägde und Knechte und Saison-Erntearbeiterinnen auf der fürstlichen Domäne. Die Streikaktionen wurden von der SA bekämpft und von KPD und SPD unterstützt.

Das Streiklied wurde auch schon lange vor dem Streik von den „Mädels“ gesungen.. die Mal “Fulda-Mädels” und ein anderes  Mal “Bayern-Mädels” genannt wurden. Denn sie kamen meist aus der bayrischen Rhön.

Die unter der Notverordnungs-Regierung des SPD-Reichskanzlers Müller eingeführten “freiwilligen Arbeitsdienste” waren in der Rhön aber auch im Odenwald, im Vogelsberg und im Spessart Vorläufer des von den Faschisten verfolgten Hartmann-Planes, der die systematische Enteignung der Kleinbauern betrieb, sie zur Umsiedlung in den “neuen Lebensraum im Osten” zwang und die Kinder als Billigarbeitskräfte in die Industrie- und Großagrarbetriebe schickte. Das war dann das Ergebnis der sogenannten “Flurbereinigung” zu Gunsten der Orts-(Groß-)Bauernführer, der Groß-Agrarier. Eine Aktion, die nach dem Krieg unter dem hessischen Landwirtschaftsminister Gustav Hacker, einem Henlein- und hohen NSDAP-Funktionär und BHE-Politiker in Koalition mit Zinns SPD (auch ein alter Kamerad, wie seine rechte Hand, der NS-Jurist Kölbel, der spätere Oberbürgermeister von Rüsselsheim, der Heimat des OPEL-Blitz für den gleichnamigen Krieg) weitergeführt wurde.

Bei diesem Bild sieht man gut, wie groß die Zustimmung der Mittel-Gründauer zur Faschistenherrschaft war. Drei führende Nazis u.a. der Pächter und sein Sohn heben die Hand zum Führergruß. Listigerweise haben die Arbeiter die Hakenkreuzfahne an den Eingang des Schweinestalles gehängt.  Im  Dorf wird bis heute gemunkelt, dass der Brand des Südflügels eventuell doch Brandstiftung war. Der Pächter war von Berlin “eingeflogen” und NSDAP-Chef geworden, nachdem der örtliche SA-Röhm-Strasser-Mann,  Metzger und Gastwirt Jean Kuhl nach der Hinrichtung von Röhm und der Entmachtung der SA de fakto abgesetzt wurde. Der Sohn des Pächters wurde dann auch  Fähnleinführer der örtlichen HJ.  Der Wiederaufbau des Südflügels wurde als “freiwilliger Arbeitsdienst” zur Stärkung der “Reichsnährstandes” geleistet. Wie man sieht, mit heller Begeisterung :-0))))))

Die “Bayern-Mädels” mussten schon beim “freiwilligen Arbeitsdienst” in den Zwanzigern die Papiere abgeben, um so zu verhindern, dass sie sich irgendwo andere besser bezahlte Arbeit suchten und sie bekamen ihren Lohn erst nach Abschluss der „Maßnahme“. Es herrschte wie heute für Flüchtlinge und auch HARTZ4er „Residenzpflicht“  „Fördern durch Fordern!“

Rullmann, gib uns die Papiere

Rullmann, gib uns unser Geld

Schöne junge Burschen sind uns lieber

Als Fronarbeit auf Rullmanns Feld

 

Wir wollen uns nicht länger bücken

Um Rullmanns Rüben zu vereinzeln

Und dann seine Rübe  pflücken

und ihn wie die Kölner Heinzel-

weibchen mit dem Arsch, dem Rücken

Nach der Arbeit noch entzücken (beglücken)

 

Rullmann, gib uns die Papiere

Rullmann, gib uns unser Geld

Schöne junge Burschen sind uns lieber

Als Fronarbeit auf Rullmanns Feld

 

Altes Brot und Rübenschnitzel

Muggefugg und kein Kaffee

Worschd und Fleisch gibt’s für die Spitzel

Und zum Kaffee Jägertee

Und für die Verräter- Worte

Extra-Lohn  und Extra-Torte

 

Rullmann, gib uns die Papiere

Rullmann, gib uns unser Geld

schöne junge Burschen sind uns lieber

als Fronarbeit auf Rullmanns Feld….

 

Wir lassen uns doch nicht vom Fürsten

und seinem fetten Kostverpächter

unterdrücken, pressen, bürsten

vom Jäger, Vorarbeiter, Wächter

wenn sie uns hinterrücks bestechen

dann kommt der Tag, wo wir uns rächen

 

Rullmann, gib uns die Papiere

Rullmann, gib uns unser Geld

schöne junge Burschen sind uns lieber

als Fronarbeit auf Rullmanns Feld

 

Im Dialekt hieß es dann auch so ähnlich:

Mir losse uns fum Ferschte

un soim fette Kostverpäschder

nedd unnerdrigge un nedd berschde

fum Jäscher nedd un nedd fum Wäschder

woann die uns hinnerriggs bestesche

doann kimmt de Taach, wou mir uns räsche

 

Berschde ist der Ost-Hessische Dialekt-Ausdruck für gewalttätig Ficken & Vögeln, für Vergewaltigen

Quellen:

Der Refrain wurde von Frau Dr. Göckel  in Mittel-Gründau überliefert.

Bruchstücke der Strophen hat der Mittel-Gründauer SPDler , Landmaschinen-Schlosser und Fußballer Kurt Uffelmann in den End90ern erzählt. Ich habe sie zusammengesetzt und die Lücken ergänzend nachgedichtet.

 

 

Ein Leser auf der FB-Seite “Linksfraktionen” kommentierte, ob sich die „Fulda-Mädels” auf dem Foto unten alle als Kerle verkleidet hätten.

Wer als Kraut

mit besten Sitten

nur noch schaut

nach Arsch und Titten

wer es also nicht mehr schafft

vom Testosteronensaft

erblindet

den Artikel durchzulesen

weil er dort keine Mädels findet

muss die Jahreszahl vergessen

und im Drange

übergangen

haben

Dann sage ich dem holden Knaben

wie es damals wirklich war

im Jahr

1926

Das Foto oben zeigt die ARBEITER, die 1935 höchst wahrscheinlich  im ARBEITSDIENST aus dem ARBEITSLAGER Herrnhaag zusammen mit den üblichen Verdächtigen im Dorf abkommandiert wurden zum Wiederaufbau des Südflügels der fürstlichen Domäne – für ein VergeldsGott & Führer-Hungerlohn. Die Fulda-Mädels waren in der ZWANZIGERN als Billigersatz für die zu teuren polnischen Saison-WanderarbeiterINNEN den fürstlichen Pächtern zugeteilt worden durch den “freiwilligen Arbeitsdienst” der Reichsregierung unter dem SPDler Müller. In dieser zeit haben viele auch SPD-regierte Kreise und Städte auf Pump und mit billigstlohn Stadien, Hafenanlagen usw. bauen lassen, so z.B. den Hanauer Main-Hafen, das Michelstädter Heinrich-Ritzel-Stadion, das die NAZIS dann in Waldstadion umbenannten.

In Mittel-Gründau waren die Fulda-Mädels als Dumpinglohn Konkurrenz  auf den Feldern eingesetzt und nicht als Bauarbeiter und Zimmerer und Dachdecker. Sie wohnten in dem “Polacken-Haus” der Domäne, in dem seit über 150 Jahren die polnischen Ernte-SaisonarbeiterINNEN untergebracht waren.

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Von Lesung zu Lesung variieren die Zwischen-Texte, werden durch Beiträge der ZuhörerINNEN korrigiert, ergänzt … hier folgen auch die Links zu den Videos über die Amazon-Streik-Aktionen zu den Liedern der amazonen

Das 7. Kreuz  – Anna Seghers Roman, den sie seit 1933 auf der Flucht aus Deutschland zunächst im Pariser Exil begann und auf der von der Resistance unterstützten Flucht über Marsailles nach Mexiko dort fertigschrieb und veröffentlichte,

 

handelt während des Versuches der Faschisten Deutschland in eine gewerkschaftsfreie Niedrigst-Lohn-Zone für das Kapital von Kohle-, Bank- und Stahl zu verwandeln, Der Lager-Kommandant des Osthofener SA-KZs,  Sommerfeld, nennt sich „Befreier von Seligenstadt“!

Wie seine Schlägertrupps versuchen auch in der Barbarossa-Stadt Gelnhausen die SA-Horden besonders die Burg von „Dolchstoß-Sozen“- „Gewerkschaftsbonzen“ und „bolschewistisch-jüdischen Untermenschen“ zu befreien, um dann die Stadt zur Einweihung der „Adolf-Hitler-Kaserne“ als erste „judenfreie Stadt im Reich“ besenrein übergeben zu können – mit arisierten Betten-Geschäften, Villen hinterm Holztor, Autohäusern und Fellhändler-Liegenschaften, eben nicht nur im UnderDock-Viertel um die Barbarossa-Burg.

Das konnte der in den Untergrund gejagte Widerstand nicht mehr verhindern, der bis zu 70 % eingekerkert, hingerichtet, totgefoltert war.

 

 

„Flucht wird nur das Leben kosten..!“ sangen die Häftlinge später im KZ Börgermoor als die legendären Moorsoldaten : unter ihnen Carlo Mierendorf und Wilhelm Pfannmüller, der kommunistische Altbürgermeister von Mittel-Gründau ..

Was blieb war die rechtzeitige Flucht ins Ausland, die Unterwanderung der SA und der Deutschen Arbeitsfront unter deren Führer Robert Ley, wie das die Widerstandskämpferin Louise Bröll gemacht hat:  Russen vor der „Vernichtung durch Arbeit“ gerettet und auch bei Heraeus die Rüstungsproduktion sabotiert.

 

 

Oder wie die Breitenborner, die sich bei der SS Russen für das Ausheben von Splittergräben bestellten, die dann in die Fluchtwege einwiesen und sie nachts aus den Verstecken holten, in den Heuschobern verstauten und sie verpflegten bis zum Einmarsch der US-Army …

 

Ohne die Navigation durch den Widerstand wären die Verluste der US-Army doppelt und dreifach so hoch gewesen und der Krieg noch um viele Monate  und Tausende von weiteren Toten verlängert worden.

Ohne den Widerstand in Frankreich wäre die Landung in der Normandie unmöglich gewesen, ohne den Widerstand in Deutschland der rasche Vormarsch bis zur Elbe ebenfalls. Schon die Rheinüberquerung wäre lange gescheitert. Ohne die Navigation der Breitenborner zum Beispiel wären noch weitere US-Kompanien von der SS zusammengeschossen worden, bevor sie die SS zusammen mit den zwangsrekrutierten HJ-Kindern aus sozialdemokratischen & kommunistischen Familien des Gründautales in Waldensberg dem Erdboden gleich machten.

 

Volksentscheid für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten … das Geld sollte wie in Österreich für Wohnungsbau, Schulen, Sportstätten, Schwimmbäder, Infrastrukturmaßnahmen verwendet werden. Frankfurt, Hanau, Langenselbold, Steinau uvam. starteten in Erwartung des sichern Erfolges der Abstimmung große Städtebaumaßnahmen zunächst auf Kredit: Römerstadt, Riederwald, Goldstein, „Zickzackhausen“, Waldstadion für die Arbeiter-Olympiade,  Hanauer Mainhafen und Hafen-Wohnviertel, Freigerichtviertel, die Langenselbolder Spessartstraße, die Arbeiterwohnviertel in Steinau usw …

 

Gegen die Hetze der Hugenberg-Presse, gegen das Votum des Reichspräsidenten von Hindenburg, der Harzburger-Front, gegen das Kapital von Kohle, Bank und Stahl, gegen den Terror der SA vor den Wahllokalen, trotz der Drohungen mit Arbeitsplatz- und Wohnungskündigungen und der Registrierung aller Wahlbeteiligten in „Roten Listen“ der NSDAP („Wenn wir drankommen, kriegen wir euch alle!“) beteiligten sich rund 40 % der Wahlberechtigten  (rund 15,6 Millionen) und davon wieder über 80% für die Enteignung …

Durch Gesetzesänderungen während der Volksentscheids-Kampagne wurde der Abstimmungserfolg in eine Niederlage gedreht.  Trotzdem war es ein Erfolg: SPD und KPD arbeiteten endlich zusammen, Zentrum und Liberale, sogar die Deutschnationale Volkspartei stimmten für die Enteignung, selbst der Röhm-Strasser-Flügel, die „SA-Bierzelt-Fraktion“ der NSDAP war zunächst wegen des Drucks von der Basis auch für die Enteignung.

Wurde aber dann zurückgepfiffen und 8 Jahre später als Risiko-Potential und von Kommunisten unterwandert kaltgestellt  und die Führung von der Eliten-SS unter Dr. Best ermordet.

 

SA-Terror im Gründautal zwischen 1930 und 33: Kampf um die Versammlungsräume, den Gasthof „Drei Hasen“ in Haingründau, um die Mittel-Gründauer Schule: Wilhelm Pfannmüller, Marine Hannes, ( Kiler Matrosen-Aufstand, Arbeiter-Bauern und Soldaten-Rat, Bauarbeiter und Gewerkschafter, Fenstersturz von Haingründau), Matzen-Bäcker Karl Hecht

 

Kürlk (SPD Gelnhausen und das Hakenkreuz über der Stadt, Absturz beim Übertünchen des Hakenkreuzes und Behandlung durch einen jüdischen Arzt, Absprache mit Rennert (KPD) zum Vergraben der Mitglieder-Karteien und Abo-Listen usw.. Ausgraben nach dem 1000jährigen und Wiederaufbau der beiden Arbeiterparteien und der schwur,  beide Parteien nach dem Krieg zu vereinen…

 

Verteilung von Flugblättern mit dem Aufruf zum Generalstreik und Sturz Hitlers – Bahnszene Polizisten Duo KuK und die SA am Bahnhof, Flucht Wilhelm Pfannmüllers, heimliche Übernachtung beim bereits abgesetzten sozialdemokratischen Niedergründauer Bürgermeister Bode. Pfannmüller stellt sich der Gestapo am nächsten Tag, um seine Frau und die Kinder zu retten. Hochverratsprozess Zuchthaus Marienschloss 8Rovckenberg) dann KZ Börgermoor, dann Straf-Bataillon 999- ab 1942 Griechenland, Jugoslawien, desertiert im Dezember 1944 zu den Tito-Partisanen .. Rückkehr Mai 1945 …

 

Streik der Fulda-Mädels -Opfer des HARTZ4-Vorläufers in der Weimarer Republik, Vorläufer des Hartmann-Planes für die Röhn: keine Stütze bei Verweigerung des „freiwilligen Arbeitsdienstes“ der sozialdemokratischen Notverordnungsregierung Müller.  Vergabe der Mädels an Industrie und Groß-Agrarier wie den Fürsten von Isenburg-Büdingen und seine Pächter. Residenzpgflicht , einbehaltung der papiere, damit sich die Frauen keine besser bezaghlkte Arbeit suchen konnten, Hungerlohn-Bezahlung erst nach Abschluss der Maßnahme. Dagegen streiken die Mädels mit Unterstützung der lokalen KPD und SPD. Die SA terrorisiert die Streikenden in Absprache mit Fürst und Pächter

Rullmann gib uns die Papiere.

 

Abberufung des Kommunisten Wilhelm Pfannmüller als Ankläger bei der Büdinger Spruchkammer auf Antrag des CDUlers Schwarz-Schilling 1947/ Abberufung, Wiedereinsetzung, 1948 wieder Abberufung.

 

Gegen den Terror der von amazon beauftragten SECURITY in den Unterkünften in Bad Hersfeld, gegen die gezielten Schikanen der Chefetage gegen die Belegschaft und gezielt gegen Kolleginnen, die sich dagegen wehren, bildete sich eine kleine Widerstands-Gruppe, die sich bei verdi Unterstützung suchte.  So um 2008  sind es rund 20, heute sínd es in Deutschland weit über Tausend verdi-Mitglieder bei amazon. Die unterstützen sich mit ihrer sogenannten Partisan-Streik-Methode und ihren  Blockaden europaweit an allen amazon-Standorten. Für Lohnsteigerungen, Arbeitszeitverkürzung, Tarifbindung, Betriebsräte …..

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/daheim-und-unterwegs/video-christian-kraehling-ueber-seine-arbeit-bei-amazon–100.html

Gegen die Tarifflucht der wechselnden Besitzer der VAC haben die Kolleginnen dort erfolgreiche Streiks durchgeführt, Massenentlassungen verhindert oder wenigstens reduziert.

Die Restbelegschaft der Honeywell hat sich Schließung des Standorts Maintal-Dörnigheim erfolgreich verhindert …

 

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

Ein Gedanke zu „Wo Anna Seghers 7. Kreuz auch nicht einfach so vom Himmel fiel: Barbarossa-Stadt Gelnhausen“

  1. Großen Dank für eure Veranstaltung in Gelnhausen. Durch den Bericht von HaBE habe ich soviel erfahren vom bewundernswerten Widerstand während des Fashismus, auch wie bedeutend er war zur Unterstützung der US-Amerikaner. Und die Gegenwart nicht vergessend: der Bericht über die Streiks bei Amazon.
    Ich kannte z.B. nicht Louise Bröll. Solche Heldinnen und Helden dürfen nicht vergessen werden! Sie sind ein Vorbild, dessen bewusst zu werden, die Öffentlichkeit viel zu wenig erfährt.
    Das ist beispielsweise in Cuba ganz anders, da ist es Staatsräson, an die vergangenen KämpferInnen für die nationale Befreiung zu erinnern…die Deutschen hätten allen Grund, aus der Zeit des Faschismus und Krieg die richtigen Schlüsse zu ziehen: nie wieder! stattdessen wird zur Staatsräson erklärt, bedingungslose Solidarität mit dem Besatzer- und Apartheid-Staat Israel. Verkehrte Welt.
    Das Foto bei eurer Einladung: EINER verweigert sich. Großartig. Eure Veranstaltung, so wie der Bericht tragen dazu bei, aus der Vergangenheit die Konsequenzen für eine humane Zukunft zu ziehen.

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