La ZAD gegen das Macronat verteidigen, die Öko-Kooperative bei Nantes retten

Helmut Schmidt hat  1974/75 mit dem Einsatz von GLADIO-Einheiten gedroht, wenn die revolutionäre portugiesische Regierung  die Landbesetzungen und Gründungen von Agrar-Kooperativen nicht unterbindet, die Verstaatlichung von leerstehendem Wohnraum nicht zurücknimmt und den Statonierungsvertrag mit der US-Army und die Mitgliedschaft in der NATO aufkündigt. Die Regierung hat sich damals dieser Erpressung gebeugt.wetransfer-7cb732

Das Macronat lässt 2.500 Mann der CRS mit Panzerfahrzeugen aufmarschieren.  Parallel zu ihrem Generalangriff auf die sozialen Errungenschaften der französischen Gewerkschaften mit einem bei Gerhard Schröder abgekupferten Programm  – versucht die Regierung Macron jetzt   sozialpolitisch-ökologische Projekte wie das ZAD zu zerstören. Dagegen erhebt sich Widerstand wie einst zur Rettung des Larzac, wo vor über 40 Jahren ein gigantisches Manövergelände entstehen sollte.

ERKLÄRUNG DES EUROPÄISCHEN BÜRGERINNEN FORUMS, April 2018

„La ZAD“ – ein jahrelanges Experimentierfeld für gemeinschaftliches Leben und Arbeiten – steht in Gefahr, zerstört zu werden. https://zad.nadir.org/

Das EBF fordert die französische Regierung auf, ihre Gendarmerie-Einheiten von dem besetzten Gelände „La ZAD“ in Notre-Dames-des-Landes sofort abzuziehen.

Das ökologisch wertvolle 12 Quadratkilometer große Feuchtgebiet bei Nantes war von der Regierung vor 50 Jahren für den Bau eines Flughafengeländes ausgewählt worden. Durch ihren jahrzehntelangen Kampf haben enteignete Bauern und Bäuerinnen, Besetzer-innen, Naturschützer-innen und viele Menschen in ganz Frankreich die Regierung zur Einsicht gebracht, dass das Gelände nicht dafür geeignet ist: Im Januar 2018 hat die Regierung das Projekt gestrichen.

Seit dem 9. April dringen 2.500 Gendarmen mit Panzerfahrzeugen, Tränengas, verschiedenen Granaten (bisher 11.000 Stück!), Helikoptern und Drohnen auf dem Gelände gegen den Widerstand der Besetzer-innen vor, um diese zu vertreiben; 30 Hütten und Häuser wurden bereits dem Erdboden gleichgemacht, hunderte Besetzer-innen und ca. 60 Gendarmen verletzt.

Was wie ein Rachefeldzug aussieht, wird mit der Illegalität der Bewohner-innen begründet; ihre Legitimität wird jedoch ausgeblendet. Für ihre Regularisierung verlangt die Regierung, dass jede-r die/der auf dem Gelände bleiben will, einen individuellen Antrag für die Bewirtschaftung einer der Flächen stellen muss.

Wird der Antrag angenommen, kann die Person bleiben, alle anderen müssen gehen, was zur Spaltung der Bewegung führt. Unter der massiven Präsenz der Gendarmerie sollen die Bewohner-innen gezwungen werden, ihr seit Jahren gemeinschaftlich begonnenes Zukunftsprojekt aufzugeben und das Schicksal individueller Kleinbauer-innen anzutreten.

Ein Grundbedürfnis der Menschen

Der Staat klammert sich an ein scheinbar einzig gültiges Gesellschaftssystem, das weltweit zur Vernichtung von Dorfgemeinschaften und der Natur führt. Er toleriert offenbar keinen Versuch, aus diesem zerstörerischen System auszubrechen. Die Individualisierung des Bodenbesitzes führte schon immer zur Verdrängung der „Kleinen“ durch immer größere Unternehmen, die unter dem Zwang stehen, ständig weiter zu wachsen, ohne Rücksicht auf die Natur. Sie führt zu der automatischen Auflösung gesellschaftlichen Lebens auf dem Land, einem Grundbedürfnis der Menschen.

Überall auf der Welt entstehen dennoch gemeinschaftliche Projekte, in denen der Boden nicht im Besitz Einzelner ist, sondern als Gemeingut genutzt wird. Häufig ist die kollektive Landnutzung der einzige Weg; gerade dort, wo das System versagt hat. Landlose, die zur Zeit z.B. in Spanien, Griechenland, in Brasilien oder Mexiko brachliegende Ländereien besetzt haben, werden häufig mit genau dieser Begründung von dem Land wieder vertrieben. Zur gleichen Zeit, in der die Gendarmerie gegen die Besetzer-innen in La ZAD vorgeht, werden in Andalusien die landlosen Besetzer-innen von „Cerro Libertad“ durch die Guardia Civil vertrieben. Auch sie sollen individuelle Anträge für die Bewirtschaftung des Landes stellen, fordert die andalusische Regierung. Das seit Jahrzehnten funktionierende Gemeinschaftsprojekt von Landlosen auf einem besetzten Landgut in Marinaleda (Andalusien) soll jetzt mit dem Zwang zur Privatisierung zerstört werden.

DRINGENDER AUFRUF

Wir, Gemeinschaften, Organisationen und Einzelpersonen fordern die französische Regierung auf, die gewaltsame Zerstörung der ZAD sofort zu beenden und das Gespräch über zukunftsweisende gemeinschaftliche Projekte auf diesem einzigartigen Gelände aufzunehmen. Es geht um die Erhaltung des Vertrauens in menschliche Solidarität. Gemeinschaftliche Formen des Lebens und Wirtschaftens treten der scheinbaren Alternativlosigkeit, der fatalen Individualisierung unserer Gesellschaft entgegen. Sie müssen endlich neben individuellen Lebens- und Wirtschaftsformen anerkannt werden.

Ich/Wir unterstütze/n den Aufruf: Name/Organisation:

Bitte schicken an: de@forumcivique.org oder Hof Ulenkrug; Stubbendorf 69, 17159 Dragun

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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