Ein aktuelles Buch über China ohne das Corona-Virus? Unmöglich!

sagt der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Wolfram Elsner, dessen neuestes Buch über China Ende Februar im WESTEND-Verlag erscheinen wird.

Kurz vor dem Erscheinen des Buches schreibt Elsner dazu seinen “Last-Minute-Prolog”:

W. Elsner “Coronavirus”

„Ja, aber das Coronavirus … !?“ – Ein Last-Minute Prolog

Ist es möglich, im Jahr 2020 ein Buch über China zu veröffentlichen, das nicht auf die Corona-Epidemie eingeht? Zu meinem Erstaunen haben viele Menschen, denen ich diese Frage kurz vor Fertigstellung dieses Buches gestellt habe, geantwortet „Aber ja!“ Begründungen: „Das Coronavirus wird überschätzt, die Sache wird schon bald in Vergessenheit geraten sein“, oder: „Wenn ich an China interessiert bin, interessieren mich doch die anderen 99,9% der Informationen, nicht die Corona-Epidemie.“ Meine persönliche Antwort blieb aber letztlich doch: „Nein, kann man nicht.“ Man mag den Ausbruch der Epidemie in China gelassen, nachdenklich, rational-überlegt beurteilen und völlig korrekt als Zufall ansehen („Es hätte auch in den USA passieren können“), wie es viele tun, die sich jeglicher Hysterie, klammheimlicher China-Häme in den Medien und erschreckend eskalierender rassistischer Chinesen-Hetze im Internet entziehen, die im Kopf klar und in der Seele unabhängig bleiben wollen.

Aber wir können nicht an der Tatsache vorbeischauen, dass es eben doch in China passiert ist, warum auch immer (dazu noch unten), dass China daraus im Jahre 2020 einen ganz erheblichen wirtschaftlichen Schaden davontragen wird (und gegebenenfalls schließlich sogar auch westliche Industrieländer in Mitleidenschaft gezogen werden) (1) und dass diese Epidemie im Prinzip geeignet gewesen wäre, das Land in ein Chaos zu stürzen – nicht weil sie besonders große Ausmaße hätte, sondern weil der Virus selbst relativ neu ist und einige neue Eigenschaften aufweist.

Wäre sie in einem anderen Land ausgebrochen, das sozial und staatlich nicht diese enormen Organisations- und Handlungskapazitäten Chinas und diese erstaunliche sozialpsychologische Stabilität hat, hätte dieses Land in ein existentielles Chaos, Paniken und Revolten eingeschlossen, bis hin zum völligen Kollaps hineinschliddern können. Interessanterweise gab es ja zeitgleich mit dem Ausbruch des Coronavirus in China detaillierte „Dokus“ von Netflix, dem US-TV-Sender CNN und Szenarien aus Forschungsprojekten der Gates-Foundation mit einschlägigen biologischen Instituten in den USA und England (dazu unten), die Epidemien- Abläufe zeigen, welche exakt auf diese Weise national existentiell werden. Die Szenarien für ….

1 Fußnote

Zum Beispiel: Handelsblatt, Finance Briefing 4.2.2020, mit ersten Schätzungen durch den Vize-Chef der chinesischen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission und durch westliche Bankenökonomen. Allerdings ist man allzu oft irreführenderweise auf nominelle Aktienkursverluste fixiert, die erst einmal nur fiktive Verluste der „1 Prozent“ beziehungsweise Umschichtungen in deren Portfolios sind und deren Transmission in die Realökonomie höchst indirekt und unsicher sind. Entscheidend wird die stattfindende

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… Staatszusammenbrüche aufgrund von Epidemien sind also bereits mit wissenschaftlicher Untermauerung durchaus durchdacht und durchgespielt, also durchaus realistisch und bekannt. (2)

Warum jedoch Chaos, Panik, Revolte oder gar Kollaps in China gerade eben nicht passiert sind, und auch nicht passieren werden, werden wir an dieser Stelle nur kurz entwickeln. Das Verständnis dafür, warum ich diese und eine weitere „steile These“ hier aufstelle, werden die Leser*innen nach der Lektüre eben dieses vorliegenden Buches entwickeln können.

Wäre das Ganze in einem anderen Land passiert, wäre auch die mediale Aufregung, die unseren Informationsstand und unser Bewusstsein von der Lage beherrscht, aber vermutlich nicht so groß gewesen. Dass es in China passiert ist, ist für die westlichen Medien eben doch ein ganz besonderer „Kick“ – eben weil es nun genau das Land trifft, das von Washington bis in die Berliner Medien-Hauptredaktionen, je nach politischem „Härtegrad“, entweder als der „Hauptfeind“ (so US-Politiker) oder zumindest als der Hauptrivale ausgemacht worden ist, den man gefälligst mit den verschiedensten zur Verfügung stehenden Mitteln niederzuhalten (oder gegebenenfalls niederzumachen) hat. (3)

Und vor allem wären vermutlich auch die wirtschaftlichen und organisatorischen Abschottungsmaßnahmen der westlichen Regierungen, Agenturen, Fluggesellschaften, Unternehmen und NGOs (Grenzschließungen, Reiseverbote, Rückbeorderungen von Staatsbürgern, Einstellungen von Flugverbindungen, von Produktionen und so weiter) in anderen Ländern vermutlich nicht vorgenommen worden, zumindest auf einem medizinisch rationaleren, qualitativ und quantitativ geringeren Niveau verblieben.

Was also an alledem ist noch rational, was ist schlicht hysterisch, was ist ideologisch bedingt, was ist rein feindselig motiviert? Ist das Coronavirus etwa die Gelegenheit, etwas zu schaffen, was man bisher anders nicht geschafft hat, nämlich China kleinzumachen? Einige der Fragen, die sich einige Menschen, die ich über mein Buchprojekt befragt habe, gestellt haben und die

2 Fußnote

Zum Beispiel: Larry Romanoff, „China’s Coronavirus: A Global Health Emergency is Launched. What are the Facts?”, Global Research 31.1.2020; https://www.globalresearch.ca/china-coronavirus-update/5702420; besucht 4.2.2020.

3 Fußnote

Dies ist notgedrungen durchgängiges Thema auch in den folgenden dreihundert Seiten. Andere Publikationen haben diesen Aspekt ganz in den Mittelpunkt gerückt, so zum Beispiel: Jörg Kronauer, Der Rivale. Chinas Aufstieg zur Weltmacht und die Gegenwehr des Westens , Hamburg: Konkret Literatur Verlag, 2019. Jüngst im Zeitungsformat hervorragend auf einen kurzen Punkt gebracht: Renate Dillmann, „Feindbild und Feindschaft. Medienkampagnen gegen China haben einen simplen Grund. Die Volksrepublik ist zu einem ernsthaften Konkurrenten um Weltmarktanteile herangewachsen“, junge Welt 4.2.2020;

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ich hier noch kurz behandeln werde, auf die wir aber vermutlich erst in Monaten, vielleicht Jahren, wenn sich die (des-)informationellen Nebelschwaden gelichtet haben werden, oder vielleicht auch nie, klare Antworten finden werden.

In der US-amerikanischen Grippeepidemie 2017 mit ihren 45 Millionen Erkrankten und 61.000 Toten wurde jedenfalls keinerlei Notstand ausgerufen, wurden keine Flüge in die USA gestrichen, keine Produktionen eingestellt und keine Grenzen geschlossen. (4)

Und vor allem wurden keine Hetzkampagnen ethnisch-rassistischer Art (5) gegen US-Amerikaner inszeniert.

Aber es hilft hier eben nur begrenzt der Hinweis, dass allein die „normale“ Grippe (das Influenza B Virus) jedes Jahr weltweit fünf Millionen Infizierte verursacht und 650.000 Tote – auch eine weltweite Notlage aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die es aber regelmäßig nicht in die Schlagzeilen der Medien schafft und keine „nationalen Notfallpläne“ höchster Intensitätsstufe hervorbringt. Es nützt auch nichts, das bekannte Wissen, dass die Menschheit ohnehin zunehmend am Rande eines virologischen und bakteriellen Gaus wandelt (dazu noch unten).

Während in China über 400 Tote zu beklagen sind, sind in den USA im gleichen Winter 2019/2020 8.200 Menschen an der Grippe gestorben, bei 140.000 Krankenhausaufenthalten. (6)

Influenza B ist eben ein besser bekanntes Virus, zu dem es bereits Impfstoffe gibt (wie überholt und unzulänglich auch immer) und dessen Mutationsfähigkeiten anscheinend nicht so ausgeprägt sind wie die des Coronavirus, dessen genetische Ausstattung ihn wohl besonders anpassungsfähig an verschiedene Wirte (Tiere, Menschen) macht. (7)

Und ein Serum wird vermutlich erst in den ersten Monaten des Jahres 2020 entwickelt worden sein – und übrigens wahrscheinlich aus der medizinischen Forschungskooperation Chinas mit Russland kommen,

4 Fußnote   L. Romanoff, siehe oben.

5 Fußnote Zum Beispiel: Michel Chossudovsky, “Coronavirus Pandemic: Economic Disruption. China Bashing and Hate Campaign against Chinese-Americans”, Global Research 4.2.2020; https://www.globalresearch.ca/coronavirus-pandemic-economic-disruption-china-bashing-and-hate-campaign-against-chinese-americans/5702706; besucht 5.2.2020.

6 Fußnote

Zum Beispiel: Tom Clifford, „5 Million Cases Worldwide, 650,000 Deaths Annually: The Seasonal Flu Virus is a ‘Serious Concern’, But the Wuhan Coronavirus Grabs the Headlines”, Global Research 27.1.2020;

https://www.globalresearch.ca/flu-bigger-concern-wuhan-virus-grabs-headlines/5701932; besucht 4.2.2020.

7 Fußnote

Zum Beispiel: Nike Heinen, „Dieses Virus ist überraschend anders“, Interview mit dem Virologen Christian Drosten, Zeit online 2.2.2020; https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-02/coronavirus-sars-test-christian-drosten-interview; besucht 4.2.2020.

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dem anscheinend momentan leistungsfähigsten medizinischen Forschungs- und Entwicklungsverbund zum Thema. (8)

Führende westliche Medien versuchen zurzeit Kapital zu schlagen auch aus einer intensiven innerchinesischen Debatte über mögliche eigene Fehler und Versäumnisse (dazu noch unten).

Hier wird krampfhaft eine System- bis hin zu einer ethnischen und Rassismus-Debatte aus dem Boden gestampft. Eines der weltweit größten “Qualitätsmedien“, das bekanntlich eher für „Bilder“ als für das Denken zuständig ist, „schlag“-zeilte zum Beispiel: „Können wir den Chinesen vertrauen?“ (9; 10)

Häme und Feindseligkeit also allenthalben. Islamisten beten sogar öffentlich dafür, das Virus möge China „auslöschen“. (11)

Auf die innerchinesische Debatte und Schlussfolgerungen kommen wir noch zu sprechen. In der „Systemfrage“ muss aber zunächst ganz besonders der (Des-)Informationsnebel gelichtet werden.

Wie noch so oft in diesem Buch kann man sich in solchen Fällen zunächst einmal relativ sicher an die Spezialorganisationen der UNO halten, in diesem Fall die WHO, die vom ersten Tag an in engster Verbindung mit den chinesischen Behörden stand und steht, und zwar auf allen Ebenen, von der ärztlichen Ebene über lokale staatliche Einheiten bis hin zu Meetings ihres Generaldirektors mit dem chinesischen Staatspräsidenten.

Die relativ unabhängige und neutrale WHO nun hat immer wieder und auf allen Ebenen höchste Wertschätzung für den chinesischen Umgang mit der Epidemie geäußert. Kein anderes Land der Welt habe solche gut ausgearbeiteten Pläne, Fähigkeiten und Maßnahmen bezüglich der öffentlichen Gesundheit (Public Health) wie China. (12)

Simple Fakten dazu, die alle westliche Medien-Häme und hochmütige Krittelei eigentlich lächerlich wirken lassen: China konnte die vollständige Genkartierung des neuen Virus bereits wenige Tage nach dem Ausbruch der Epidemie bereitstellen und hat dieses Wissen sofort transparent gemacht und international auf

8 Fußnote

Zum Beispiel: Padraig McGrath, “WHO Impressed by Chinese Response to Coronavirus Outbreak”, Global Research, 30.1.30, 2020; https://www.globalresearch.ca/who-impressed-chinese-response-coronavirus-outbreak/5702319; besucht 4.2.2020;

Pepe Escobar, “China’s Virus Response Has Been ‘Breathtaking’”, Asia Times, 30.1.2020; https://www.asiatimes.com/2020/01/article/is-china-at-its-most-vulnerable-now/; besucht 4.2.2020.

9 Bild 4.2.2020; https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/coronavirus-bisher-106-tote-koennen-wir-den-chinesen-vertrauen-67626562.bild.html; besucht 4.2.2020.

10 Hier mischt übrigens auch führend die Hongkonger South China Morning Post des internationalen australischen Medienmoguls Rupert Murdoch mit (siehe zum Beispiel L. Romanoff, ebd.).

11 „Dschihadisten-Kleriker: ‚Betet für die Auslöschung Chinas durch das Coronavirus‘“, Deutsche Wirtschafts-Nachrichten 4.2.2020; https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/502096/Dschihadisten-Kleriker-Betet-fuer-die-Ausloeschung-Chinas-durch-das-Coronavirus?utm_content=link_6&utm_medium=email&utm_campaign=dwn_telegramm&utm_source=mid179&f_tid=51db32ff93354bab5768fe0936a770d5; besucht 5..2.2020.

12 Zum Beispiel P. McGrath, siehe oben; siehe WHO-Originalquellen dort.

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einer gesonderten Website, die allen zur Verfügung steht, bereitgestellt. Der schnelle Anstieg diagnostizierter Fälle ist genau darauf zurückzuführen, dass daraufhin Diagnoseinstrumente überall schnell entwickelt werden konnten. Für die WHO ein positives Zeichen. (13)

China hat damit seine enorm gewachsenen Kapazitäten in Medizin und „Life Sciences“ generell unter Beweis gestellt. Kein Vergleich mit der Situation zur Zeit des Ausbruchs des SARS-Virus im Jahre 2002/2003, so die WHO. Nach Aussage des WHO-Exekutivdirektors Michael Ryan die schnellste Charakterisierung eines neuen Pathogens in der Geschichte, die zudem unmittelbar international geteilt wurde. (14)

Auch die im Westen gern gescholtene und lächerlich gemachte Stadtregierung von Wuhan hat frühzeitig alle Informationen international transparent bereitgestellt, so dass Ärzte und Forschungsinstitute weltweit ihre Diagnoseinstrumente schnell entwickeln konnten. Die chinesischen internationalen Websites werden ständig mit neuesten Informationen aktualisiert. Dazu der WHO-Exekutivdirektor:

  „China tut das Richtige und reagiert massiv. Ich bringe von meinen China-Besuchen den Eindruck einer absoluten Verpflichtung der chinesischen Regierung mit, die Gesundheit der Bevölkerung an die erste Stelle zu setzen („health of people first“). Solch intensive Meetings mit einer Verpflichtung der Regierung bis hinauf zum Staatspräsidenten hat es nach meiner Erinnerung noch nie gegeben.“ (15)

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach in einer Pressekonferenz von täglichen Treffen mit dem chinesischen Gesundheitsminister und Treffen mit dem Staatspräsidenten XI und zeigte sich „sehr ermutigt und beeindruckt vom detaillierten Wissen des Staatspräsidenten über die Epidemie und dessen persönliche Einbindung in alle Maßnahmen. Für mich eine seltene Form von Führungsverhalten.“ (16)

Man vergleiche die Ermittlungszeiten der Genomsequenzen in früheren Epidemien: Bei der Ebola-Epidemie in Afrika 2014 brauchte das führende US-amerikanische Forschungsinstitut CDC (Centers for Disease Control and Prevention) dafür zwei Monate. (17)

Bei der Schweinegrippe in den USA 2009, mit 55 Millionen Infizierten und 55.000 Toten, brauchte das CDC mehr als sechs Wochen. China schaffte es in wenigen Tagen.

13 Fußnote Ebd.

14 Ebd.

15 P. McGrath, ebd. (eigene Übersetzung).

16 Ebd. (eigene Übersetzung).

17 P. Escobar, siehe oben.

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Die sozialen und staatlich-organisatorischen logistischen Leistungen der chinesischen Quarantäne-Maßnahmen sind historisch einzigartig: Duzende Millionen Menschen werden mithilfe von Millionen von Helfern dezentral in ihren Wohnungen und Häusern mit Lebensmitteln versorgt. (18)

Entgegen einigen westlichen Darstellungen, wonach Schwache „zurückgelassen“ werden, ist die Nachbarschaftshilfe und -verbindung mit Hilfe von WeChat-Anwendungen (dem chinesischen WhatsApp) anscheinend gut organisiert. (19)

Nicht zuletzt dienen leistungsfähige Anwendungen sozialer Medien auch der schnellen Erkennung und Meldung neuer Ausbrüche von Krankheitsymptomen. Die chinesische Regierung kann die Bevölkerung nicht zuletzt mit der in China historisch bedeutungsvollen Metapher vom „Volkskrieg“ beziehungsweise einem „Langen Marsch“ (gegen das Virus) wirksam mobilisieren. Allerdings können das Bild und die historische Analogie auch nur wirken, weil sie bis in die höchste Staatsspitze hinein auch persönlich gelebt und glaubhaft umgesetzt werden.

Chinas wissenschaftliche, technische, administrative, soziale und psychologische Bewältigung der Epidemie war bekanntermaßen anfänglich durch mehrere Faktoren massiv erschwert. Dazu gehört die Tatsache, dass die Krankheitssymptome denen der Grippe ähneln, so dass von einer neuartigen Epidemie anfänglich gar nicht ausgegangen werden konnte. Zudem fiel die Entdeckung des neuartigen Virus mit der Zeit des mehrwöchigen chinesischen Neujahrsfestes und der Neujahrsferien zusammen, dem Höhepunkt der jährlichen Reiseaktivitäten in China, einer Zeit, in der buchstäblich Hunderte von Millionen Chinesen auf Reisen gehen, um ihre Verwandten zu besuchen. Da außerdem das Virus bereits ansteckend ist, wenn die Symptome noch nicht erkennbar sind, konnte sich die Epidemie potenziell schnell über ganz China ausbreiten. Nur die schnellen, strikten und effektiven Quarantäne-Maßnahmen haben das Schlimmste verhindern können. Eine Panik, wie in den US-Szenarien beschrieben, hat es in China zu keinem Zeitpunkt gegeben.

Die Sorge der WHO gilt daher auch nicht in erster Linie China sondern der Möglichkeit, dass andere Länder mit weitaus  geringerer sozialer Organisations- und öffentlicher Handlungskompetenz erfasst werden. (20)

In Afrika könnte das Virus zu jenen sozialen Paniken und Protesten sowie staatlichen Zusammenbrüchen führen, die die US-Szenarien durchspielen.

18 Ebd.

19 Ebd.

20 Ebd.

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Und die Sorge der WHO gilt einer großangelegten Fake- und Hass-Welle im Internet, die nicht nur menschenfeindlich ist sondern auch geeignet, Massenunruhen zu provozieren. Die WHO verhandelt offenbar mit Google darüber, dass die Falschinformationen der Bevölkerungen eingedämmt und bei Suchen zum Coronavirus stets die sachlichen Informationen der WHO zuerst angezeigt werden. (21)

Nun ist wie erwähnt seit langem bekannt, dass die Menschheit viren- und bakterienbiologisch zunehmend „auf der Rasierklinge“ tanzt, da wir es mit einem jahrzehntelangen, zunehmend kritischen „Rüstungswettlauf“ zwischen immer schnelleren und „intelligenteren“ genetischen Mutations- und Adaptionsfähigkeiten und deren medizinischer Erkenntnis, Analyse und Bekämpfung mithilfe von (hinterherlaufenden) Serumentwicklungen zu tun haben. Was also China passiert ist, kann in dieser oder jener Form jederzeit überall passieren. Häme und Schlimmeres wirken da nur noch peinlich bis empörend.

Nun ist die Häufung und Konzentration der Angriffe auf China, vom Handels- und Technologiekrieg der USA bis zum „Angriff“ des Coronavirus vor diesem Hintergrund für viele eben kein Zufall. Da wird dann von durchaus ausgewiesenen Fachleuten vieles zusammen betrachtet.

Da wird zum Beispiel gesehen, wie die Einzelhandelsoligopole Carrefour (Frankreich) und Wal-Mart (USA) in China während der Corona-Epidemie über Preispolitiken Kaufpaniken auszulösen versuchen. (22)

Wofür sie dann allerdings (zum wiederholten Male) in China zu erheblichen Strafzahlungen und zum Teil Inhaftierungen von Führungsleuten verurteilt wurden und (zum wiederholten Mal) kritische Prüfungen versprechen.

Es werden auch die oben genannten ausgefeilten „Dokumentationen“ und Szenarien hinterfragt.

Es wird zum Beispiel herausgefunden, dass bei der oben genannten Studie der Gates-Foundation unter anderem das bekannte englische „Pirbright Institute“, ein führendes Institut der „Biowaffen“-Forschung, beteiligt ist, das von der Gates-Foundation auch direkt gefördert wird, aus dem vor Jahren das Virus einer Maul- und Klauen-Seuche in England „entwich“, das zahlreiche Kleinbauern ruinierte, deren Ländereien dann von der Agrarindustrie übernommen

21 Zum Beispiel: „China kämpft gegen das Virus“, Tagesschau 3.2.2020; https://www.tagesschau.de/ausland/coronavirus-wuhan-china-103.html; besucht: 5.2.2020.

22 Zum Beispiel Romanoff, ebd., mit weiteren detaillierten Angaben von Originalquellen, Studien und so weiter.

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wurden, das „waffenfähige“ Mosquito-Gene entwickelt hat und die Patente auf mehrere Coronaviren besitzt. (23)

Die Biowaffen-Idee ist übrigens im Westen selbst ins Spiel gebracht worden, in dem eine Verbindung der Corona-Epidemie mit dem Institut für Virologie der Universität von Wuhan herbeispekuliert wurde.

Interessanterweise war Wuhan auch nur wenige Wochen vor Ausbruch der Epidemie Gastgeber der „World Military Games“ mit riesigen Kontingenten ausländischer Militärs (allein 300 Militärs aus den USA). (24)

Zumindest aber scheint inzwischen klar zu sein, dass der Huanan Markt für exotische Tiere in Wuhan nicht der einzige Ursprungsort des aktuellen Coronavirus sein kann. Denn es gibt inzwischen ein solides Wissen darüber, dass das Virus mehrere verschiedene lokale Quellen hatte. Vier der fünf ersten Fälle hatten offenbar keinen Kontakt mit jenem Markt, wie eine Studie des führenden Krankenhauses in Wuhan offenbart. (25)

Damit entfiele einer der entscheidenden Grundsteine unserer jetzigen Vorstellung und des vorherrschenden Narrativs von der Corona-Epidemie.

Biologisches Wissen über die Identifizierbarkeit „natürlicher“ Epidemie-Ursachen versus Biowaffen-Einsätzen als Ursache nennt unter anderem die „Ungewöhnlichkeit“, „Einzigartigkeit“ und absolute „Neuheit“ eines Virus und eine solche geographische Streuung der Entstehung einer Epidemie als Indizien für einen Biowaffen-Einsatz. (26)

Schließlich käme als ein Indiz dafür hinzu die ethnische Spezifizität der Betroffenheit. Die Forschung über Biowaffen-Entwicklung kennt seit langem den Fakt, dass Biowaffen zum Beispiel seit dem ersten Kalten Krieg gegen die genetische Struktur etwa des „kaukasischen“ Menschentyps, dem die meisten Sowjetbürger (und russischen Bürger heute) zuzurechnen waren (und sind), entwickelt wurden.

Auffallend in der gegenwärtigen Corona-Epidemie ist ebenso, dass fast ausschließlich die Ethnie der Han-Chinesen betroffen ist, die 90% der chinesischen Bevölkerung ausmachen, und Todesfälle aus anderen Ethnien so gut wie nicht vorkommen. Man weiß auch, dass Han-Chinesen eine Häufung bestimmter, spezifischer Zellen

23 Ebd.

24 Ebd.

25 Ausführliche Quellenangaben bei Romanoff, ebd.

26 Ebd.

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in der Lunge haben, die für die Dynamik von Viren von besonderer Bedeutung sind (positiv oder negativ, je nach Virenstruktur). (27)

Hier ist nicht der Ort, solche Dinge zu bewerten, Spekulationen oder noch ungesicherte Verschwörungstheorien zu entwickeln. Es sollte aber nicht überraschen, wenn wir eines Tages, nach Monaten oder Jahren, noch einmal gänzlich andere Erkenntnisse über das Geschehen erfahren sollten.

China wird aufgrund seiner schnellen, konsequenten und effektiven Handlungsweisen und der Inkubationszeit des Virus von zwei Wochen, trotz der in der Anfangszeit noch unkontrollierbaren Reisetätigkeit und damit unkontrollierten Diffusionsdynamik, die Epidemie absehbar in den Griff bekommen. Absehbar wird China auch ein Serum entwickelt haben.

Experten gehen davon aus, dass die Sache nach drei Monaten, im Frühjahr 2020, ausgestanden sein wird. Wenn einige wichtige Viren- und Bevölkerungsparameter bekannt sind, kann Epidemiologie durchaus exakte Vorhersagen der Verläufe erlauben, denn ihre Modelle sind hochentwickelt. Man wird wie üblich zunächst die Verringerung der Wachstumsraten der Infizierungen und Todesfälle und danach den absoluten Rückgang beider bis auf null erleben.

Wenn das Virus einen ethnisch spezifischen Charakter hat („Biowaffe“?), wird er auch nicht nach Afrika überschwappen und auch nicht nach Ostasien oder Lateinamerika. Sollte sich eines Tages die Biowaffen-Spekulation bewahrheiten, dann war Chinas Botschaft auch diesbezüglich frühzeitig und klar: „Mit uns ist das nicht zu machen.“ In jedem Fall wird China die gefährliche Epidemie in kürzest möglicher Zeit mit den fortgeschrittensten sozialen, staatlichen und logistischen Mitteln so bewältigt haben, wie kein anderes Land, das wir kennen, sie hätte bewältigen können, und es wird die multiplen (wirtschaftlichen, technologischen, biologischen und so weiter) Herausforderungen durch gleichzeitigen Handels- und Technologiekrieg, durch Wettrüsten, militärische Umzingelung und schließlich durch die Virenepidemie bewältigen.

Die ökonomischen Konsequenzen werden ebenfalls nach ein bis zwei Jahren überwunden sein. Unabhängig davon läuft eine für das heutige China typische heftige und konstruktive Debatte in China selbst über die Implikationen der Epidemie für die Zukunft Chinas. Wenn der Chefredakteur der offiziösen Global Times im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo schreibt „Dieser Ausbruch hätte in einem Land wie China nicht passieren dürfen, das über

27 Ebd.

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fortschrittliche medizinische Standards und soziale Organisations-fähigkeiten verfügt“, (28) so ist das keineswegs eine „(post-)stalinistische“ oder „kulturrevolutionäre Kritik und Selbstkritik“, wie die westlichen Medien zu skandalisieren versuchen, sondern Standard heutiger gesellschaftlicher Diskussion in China. Dass man „dem Westen“ bei alledem, was man hier macht, nicht gefallen wird und nicht gefallen muss, ist ohnehin inzwischen verbreitetes Gedankengut der Chinesen.

Daraus folgt, dass die Epidemie, auch wenn sie nach menschlichen, sozialen und staatlichen Möglichkeiten schnellstmöglich überwunden sein wird, für China langfristige strukturelle Konsequenzen haben wird. Egal, ob der Huanan-Markt der Auslöser war oder ob sich vielleicht ganz andere Ursachen herausstellen, China wird die Krise absehbar nutzen für einen weiteren Modernisierungsschub. Dieser wird den Umgang mit Tieren, traditionellen Märkten, Essgewohnheiten und damit verbundenen Verhaltensweisen betreffen. Zu „Public Health“ und sozialen Organisationsformen, zu alten Traditionen bei Tierhaltung und Essen, die nicht mehr zu den Bedingungen moderner Massengesellschaften und den Bedingungen moderner Virologie und Epidemie-Gefahren passen, wird in China in den nächsten Jahren bekannt-heftig diskutiert und reformiert werden. China wird moderner, bewusster und damit gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.

Ich hatte „steile Thesen“ versprochen. Hier sind sie. Und warum ich sie aufstelle, werden die Leser*innen bei der Lektüre dieses Buches sehen.

„Können wir den Chinesen vertrauen?“ Diese lächerliche Frage eines Blattes für Kindergemüter (das sich fälschlicherweise „Zeitung“ nennt), werden wir dann beantworten können: „Ja, und wie!“ Aber ist nicht am Ende doch „das System“ Schuld? Auch das wabert in unserem Unterbewusstsein nach „normalem“ (keineswegs nur „blödem“) Medienkonsum. Und diese „System“-Frage werden wir mit vielen überraschenden Aspekten abhandeln können, wenn wir die nächsten 250 Seiten Fakten zusammengetragen haben.

28 Zitiert nach Tagesschau 26.1.2020; https://www.tagesschau.de/ausland/coronavirus-china-107.html; besucht 5.2.2020.

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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