Zur Kolonial-u.Militärgeschichte Europa-Afghanistan

Natürlich gibt es in vielen Kriegen viel Schlimmeres als die über 100 “lufterschlagenen” Menschen jetzt bei Kundus. Z.B. in GAZA. Aber bei meiner Ausbildung zum Reserveoffizier wurden und waren wir auf solche Massaker kaum vorbereitet – doch, in der Einzelkämpferausbildung – da standen die entsprechenden Anleitungen sogar im Handbuch.
Ich will nur darauf hinweisen, dass ich Selbstjustiz auch nach solchen Massakern nicht richtig finde. Doch es gibt andere Kulturkreise, in denen ist Blutrache ein Grundrecht, eine Grundpflicht. Das mag man schlimm finden. Die Leute dort finden es zumindest nicht soooo falsch. Sie sagten mir, das hätte eine sehr stark abschreckende Wirkung. Es gab erstaunlich wenige Morde bei den Paschtunen. Die Bundeswehrsoldaten und – innen, die tv-dokumentiert in Sachsen- auf ihren Einsatz in Afghanistan vorbereitet werden – völlig lächerlich und “KleinKunstKabarett-Preis-verdächtig”, eben tragikomisch, haben keine Ahnung davon, wo sie eigentlich hin- und immer öfter auch umkommen.
Sie wissen genauso wenig, wofür überhaupt … die nachhaltige (Zer-)Störung der Anbindung des Nahen- mit dem Fernen Osten per Gas- und Ölpipelines, aber es geht auch um die strategische Einkreisung des Wasserreservoirs für gesamt Asien: Hindukusch, Tibetisches Hochland. Störung der beginnenden Allianz fernöstlicher Ökonomie-Riesen.

Das Ziel der EUSA ist nicht ein friedliches Afghanistan, sondern entweder die Dauerpräsenz des Militärs in einer destabilisierten Region und/oder die Heranzüchtung eines Stellvertreters mit westlich orientierter Armee und Polizei.
Das aber wird nicht gehen.( Das Seitenverkehrte hatte die UdSSR unter besseren Vorzeichen auch nicht für ewig geschafft.) Das EUSA-Model Karsai kann sich auch nur in seinem Hochsicherheitstrakt bewegen, sein “Gegner” ebenfalls. Alles armani-betuchte Marionetten, und der (besonders vom Bundeswehrverband) vielzitierte Provinz-Gouverneur in Kundus, der das Bombardement begrüßt hat als “Strafe für die Bewohner, die die Taliban unterstützen”, ist selbst von Bundeswehroffizieren, MAD und BND-Leuten als Sicherheitsrisiko eingestuft worden, denn er ist Drogenhändler, Schutzgelderpresser und arbeitet gelegentlich -je nach Kassenlage- mit den Taliban zusammen.
(Näheres dazu gibts bei steinbergRecherche, bei Hörstel, bei Scholl-Latour usw…) .

So. Nicht ich muss beantworten, ob ich es gut finde, dass eventuell neben dem General Massue auch noch einige andere hohe Offiziere der fränzösischen Armee der Blutrache algerischer Nachkommen von Massaker-Überlebenden zum Opfer fallen, weil sie Tausende von Algerierinnen im Auftrag Francois Mitterands und Charles de Gaules abgeschlachtet haben. Und obdas gut und gerecht ist oder gerächt. Was gehn uns die Franzosen an ?

Auf Kreta haben wir als deutsche Touristen weniger Phantom-Terroristen zu fürchten als eventuell die Nachkommen der zwei Händevoll Überlebenden der jeweiligen Massaker der deutschen Wehrmacht und ihre Verwandten und Freundeund das in ganz Griechenland und im gesamten Balkan – wo es bereits wieder Überlebende deutscher völkerrechtswiedriger Angrisskriegshandlungen gibt. Von der Ukraine und vielen anderen Republiken der ExUdSSR ganz zu schweigen. In manchen Regionen in Italien sollen Manöver der Bundeswehr auch nicht sonderlich willkommen sein.Man sollte sichschon etwas in die Militärgeschichte einlesen (das konnte man übrigens bei der Bundeswehr gar nicht so schlecht und in ihren Hochschulen noch besser, in den 70er,80er und 90er Jahren noch, als zumindest offiziellweniger Rambos alsStaatsbürger in Uniform gefragt waren ): in die Kolonial- und Militärgeschichte!

Theodor Fontanes Berichte über die britische Armee nach dem 3. Afghanistan-Krieg sollten uns zu Denken geben, oder die Berichte über den Opium-Krieg, bei dem die Westeuropäer China für den Opiummarkt “öffneten” oder Berichte über den den Boxeraufstand gegen diese westeuropäischen Besatzungsverbrechen, den der deutsche General von Waldersee niederschiessen ließ …

solche Erfahrungen mit westeuropäischen “Befreiern” haben sich die Menschen in fernen Osten immer wieder weitererzählt, auch das Auftauchen der SS und ihrer Leute in Tibet und in der Mongolei (Heinrich Harrer,Contzen, Sven Hedin usw..) im Wettlauf der fachistischen Achsenmächte mit den Angloamerikanern zu den strategischen Positionen zur Beherrschung Asiens und zur Einkesselung der UdSSR und zur Eroberung Chinas. Die Nazis haben auch versucht, die indische Unabhängigkeitsbewegung zu infiltrieren …. alles das ist nicht vergessen – von Afrika will ich hier jetzt nicht auch noch anfangen. …

Die Soldaten und Offiziere der Bundeswehr müssen damit rechnen, dass sie und ihre Familien, ihre Verbände, ihre Städte und Dörfer eventuell Ziele solcher gesellschaftlich zwingender Blutracheakte werden. Da nützt auch kein Schäuble-Schutzwall was.

Ob ich das gut finde, danach fragt mich kaum ein Paschtune, aber sie wurden ja auch nicht danach gefragt, ob sie diesen Krieg wollen, ob sie mitsamt ihrer Hochzeitsgesellschaften, Trauergemeinden, Familien bombardiert werden wollen, ob sie ihre Felder vernichten lassen wollten, ihre Schulen, Krankenhäuser, Universitäten, Museen, Kulturdenkmäler, ihre Wasserwerke, ihre Bewässerungsanlagen, ihre Bauernhöfe, Plantagen, Gärten, ihre Viehherden …

und wer sich dagegen wehrt und dazu – wie in Afghanistan es schon immer üblich war, auch Waffen bei sich trägt – vom Krummdolch bis zum Gewehr und entsprechend jetzt etwas moderneren Geräten, der ist ein “Taliban”! – durchaus auch mit eroberten Waffen ausgerüstet … Klar, wer hat das Geld, um sich welche zu kaufen – höchstens die westlich gestützten Warlords und Opium-Großdealer, die unter der Regierung Nadschibullah wie auch sogar zunächst unter den TalibanRegierungen kaum eine Chance hatten (jetzt meldet sogar schon die FR, dass in den Herrschaftsgebieten der Taliban Mädchen schon immer in die Schulen gingen- nur in nach Geschlecht getrennte- das hatten wir zum Teil in Deutschland noch bis in die 30er Jahre durchgehend und auch noch zu Beginn der Bundesrepublik. Herrschten hier etwa die Taliban ?) , wer sich gegen die Besatzung wehrt, der gilt in den Augen der Besatzer sofort als Taliban. Dann ist die absolute Mehrheit der Afghanen eben Taliban-isch ! Was heißt das in der Konsequenz, die uns der alte Fremdenlegionär und Asien-Spezialist Scholl-Latour mit schier unendlicher Geduld versucht zu verklickern: dieser Krieg ist ein Krieg gegen das Volk und er ist auch nicht zu gewinnen. Aufbauhilfe, Hilfe beim Wiederaufbau Afghanistans, das man vorher zerbombt hat? Volker Rühe hat bereits in Somalia die Olbohrlöcher als Wasserbrunnenbohrungen verkauft. Er kam dabei schwer ins Stolpern und er hat zu spät gemerkt, dass ihn die US-Army nur dort bohren ließ, wo es sicher kein Öl gab. Die US-Verbände haben nämlich gleichzeitig die Küste Somalias besetzt und den Festlandsockel, dort wo es Öl gibt. Merken Sie jetzt, warum die Somalischen Küsten von “Piraten” gesäubert werden müssen. Ohne Fregatten keine Ölbohrinseln! Und auch keine Frachthäfen für das gestohlene Tantal aus dem Grenzgebiet vom Kongobevcken und Ruanda-Burundi für die Nokia- und andere Handys für die ganzen High-Tech-fritzen “Guten Tag, mein Name ist Franz-Josef Jung, was ann ich für sie tun?” Kapitto ? Nee? Schramm drüber!

Die gesamte offentliche und private,. kommunale Infrastruktur Afghanistans wurde mit Hilfe der USA, der EU, die die “Volksmudschaheddin” gegen die UdSSR und die regierung Nadschibullah finanzierten und in Pakistan trainierten, die die Taliban aufbauten, finanzierten und trainierten – fast vollständig zerstört.Ins frühe Mittelalter gebombt.
Unter der Afganischen Regierung Nadschibullahs gab es bis 1992 noch mehrere Ministerinnen, gingen alle Mädchen in die Schulen, wurde die Landwirtschaft entwicklet. Das kostenlose Schulsystem auf- und ausgebaut, ein vorbildliches Gesundheitswesen aufgebaut usw…
Jetzt ist alles zerbombt.

Ich kann mich noch gut an die TV-Bilder erinnern, die den GRÜNEN Milan Horacek (erstJutta Ditfurt-Fan, dannJoschka Fischer-, dann Vaclav Havel-Berater) mit stolz geschwellter Brust auf einem eroberten SU-Panzer der “Volks-Mudschaheddin” zeigten.

Für mich einer der wichtigsten und unverdächtigsten aktiven Zeitzeugen ist der ehemalige afghanische Erziehunsminister einer paschtunischen Grenzprovinz zu Pakistan: Khasan Gul Tani

http://www.zeitzeugen.ch/documents/AnkuendigungKasanGulTani.pdf

(leider wurde mir nach einigen Wochen der Zugriff aus dieses Dokument gesperrt, Von wem und aus welchen Gründen weiß ich nicht)

Khasan Gul Tani hat mit mir zusammen in Frankfurt bei Heydorn (Pädagogik)und Jouhy (Psychologie und Soziologie)studiert. Er studierte im Hauptfach Physik (Lehramt). Er war der führende Kopf der “GUAS(Generalunion Afghanischer Studenten)” in der ich grundlegend über die Afganische Geschichte lernen konnte. Eine große Auseinandersetzung gab es mit Professor Ernest Jouhy-Jablonsky: Khasan und ich unterstützten die FRELIMO im Kampf gegen den Bau des Staudammes Cabora Bassa, Jouhy war für den Bau: er war der Überzeugung, dass der Staudamm erst die Voraussetzungen für die Herausbildung eines modernen Proletariats in sofern bilden würde, als mit dem Bau und der Industrialisierung Mozambiques eine Bourgeoisie entstünde, die die Voraussetzungen für eine sozialistische Revolution brächte … ein typisch eurozentristischer, linkskolonialer Gedankengang. Wo uns die fordistische und postfordistische Entfaltung der Produktivkräfte hinbringt, das können wir am noch lebendigen Leibe beobachten , wobei die Peripherie als erstes krepiert.

Khasan ist sich treu geblieben und seinen Leuten auch. Ich hatte ihn 35 Jahre lang nicht mehr und schon im Himmel gesehen oder in der Hölle. Na ja, weit davon ist er in Afghanistan so oder so nicht entfernt.
Er war wie ich der Ansicht, dass nicht alle Völker/Ethnien der Welt durch die Hölle des Manchestertums müssen, um kommunitär zu produzieren, ihren Lebensstandard zu verbessern. NEIN ! sagt der Professor: es muss ein bisschen Zwingli sein, auch Calvin muss erst rein, dann darf man , dann kann man sich befrein ! Erst Freie Marktwirtschft muss sein! Und VW muss auch noch rein ! Die Deutsche bank und die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die muss dahin, das macht doch Sinn!!!Wie fein!!! Nur sehen das die noch nicht eurozivilierten Eingeborenen nicht ein. Vielleicht kann ja die Heidemarie noch ein paar U-Plus-Lehrer für das robuste Mandat gewinnen. Erst Bomben, dann Pauken, Tabletten und Prothesen. “weltwärts!!!” früher hieß das doch noch “vorwärts” Oder ?

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

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