Die “Neckermann-Reisen”-Opfer kommen & werden erneut Neckermann-Opfer

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“Neckermann-Reisen” war in den 1980ern das Synonym für erste westdeutsche neokoloniale Unternehmen in Somalia, wo nicht erst Volker Rühe als Kriegsminister durch die Wüste stolperte und dort nach Wasser und nicht nach Öl bohren durfte und in einen Brunnengrube … weil es dem “Big Brother” nur so ge- fiel. Der sicherte die Küstenregion mit den Öl- und Erdgasvorkommen (vor den Deutschen. Erst später kam dann Wintershall, doch da warn Öl und Gas schon all!).). Helmut Schmidt und Maihofer waren schon viel früher in Mogadischu. Ruckedigu, Ruckdigu, Somalia-Sand in Baaders Schuh!) .

Das waren die Vorläufer der Raubüberfälle wie der auf Jugoslawien, die seit dieser Zeit kaum noch als “humanitäre” Auslands-Einsätze getarnt weitergehen: mit Logistik, Spionage, Bodentruppen, geheimdienstlicher Wühlarbeit, Rekrutierung, Finanzierung, Ausbildung und direkt wie indirekte Bewaffnung von “Regime-Change”-Kämpfern und Putschregierungen,  Raketenstationierung, Bombardements …

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Dass in EZBankfurt jetzt die ehemalige Neckermann-Zentrale zu einer Massenunterkunft ausgebaut wurde und dort katastrophale Zustände herrschen, die sogar und besonders die ehrenamtlichen Helfer neben den protestierenden Flüchtlingen auf die Barrikaden  treiben, das ist die zynische Ironie der Geschichte.

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Hier ein Bericht von www.welcome-frankfurt.de

Am vergangenen Freitag, den 05. Februar 2016 fand unsere Veranstaltung zum Thema „Massenunterkunft Neckermann“ statt. Mit unserem Offenen Brief hatten wir auf die Berichte der Geflüchteten aufmerksam gemacht, die uns von den untragbaren Zuständen in dieser Massenunterkunft berichteten. Wir konnten und wollten nicht, als kleine Initiative, die Verantwortung für diese Informationen, die an uns herangetragen wurden, übernehmen. Deshalb hatten wir verschiedene Menschenrechtsorganisationen und auch die Verantwortlichen von Land und ASB eingeladen, um über die Möglichkeiten der Verbesserung, aber auch um über unsere Forderung nach einer unabhängigen Beobachtungsgruppe zu sprechen. Leider waren die Vertreter des Trägers der Massenunterkunft, der Arbeitersamariterbund (ASB) und des Landes Hessen nicht zugegen.

Nachdem unser Offener Brief in der Presse aufgenommen und besprochen wurde, waren auch engagierte Frankfurterinnen und Frankfurter auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. Wir freuten uns ganz über den zahlreichen Besuch bei der Veranstaltung. Es waren über 50 Menschen gekommen, auch freiwillige Helferinnen und Helfer. Sie hatten Kritik, Lob und gute Ideen mitgebracht.

Vertreter von Pro Asyl, Hessischem Flüchtlingsrat, Kinderschutzbund, der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, der Diakonie, der evangelischen Beratungsstelle am Weißen Stein, aber auch – wenn auch lediglich als private Gäste – Mitarbeiterinnen der Stabsstelle Flüchtlinge der Stadt Frankfurt am Main – waren zugegen und brachten sich in die Diskussion ein.

Besonders erfreulich fanden wir, dass die Forderung nach einer unabhängigen Beobachtungsgruppe sehr positiv aufgenommen wurde. Da uns kurz vorher eine email des Regierungspräsidiums mit dem Angebot einer Begehung der Neckermann-Unterkunft erreicht hatte, gehen wir auch mittlerweile davon aus, dass die Umsetzung unserer Forderung nicht allzu unrealistisch ist. Wir werden so schnell wie möglich eine erste Begehung mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen mit dem Regierungspräsidium vereinbaren.

 

Des Weiteren haben wir mehrere Vorschläge seitens der Besucherinnen und Besucher aufgenommen und möchten diese gerne bald in die Tat umsetzen:

Es wurde vorgeschlagen einen Begegnungsraum zu fordern, in dem sich Geflüchtete und Helfende, genauso aber auch Interessierte treffen und austauschen können. Ein Besucher erinnerte uns daran, dass Frau Birkenfeld im Rahmen der Informationsveranstaltung über „Neckermann“ in Fechenheim schon im Dezember 2015 vorgeschlagen hatte, dass eine  so genannte „graue Zone“ im Neckermann-Gebäude eingerichtet werden könnte, die wir lieber „Begegnungsraum“ nennen möchten. Wir möchten nun Frau Birkenfeld daran erinnern und konkrete weitere Schritte in diese Richtung planen.

 

Ein Beitrag seitens einer Helferin bezog sich auf das gemeinsame Interesse der Geflüchteten und Helferinnen und Helfer, wenn es um menschenwürdige Verhältnisse gehe. Wir alle wünschten uns doch bessere und würdige Lebensverhältnisse. Aus dieser Perspektive wäre es sinnvoll, wenn es einen Rat der Geflüchteten und Helfenden geben könnte, bei der wir uns auf Augenhöhe über unsere Forderungen gegenüber  Staat und Trägern austauschen könnten. Auch dieser Vorschlag wurde sehr positiv aufgenommen.

 

Eine Teilnehmerin der Veranstaltung berichtete, dass es auch in Offenbach in der großen Unterkunft keine haltbaren Zustände seien und dass es dort auch schon zu einem Proteststreik gekommen sei. Davon hatten wir leider nichts mitbekommen. Wie wir uns mit den Helfenden dort vernetzen können, müssen wir noch überlegen.

 

Des Weiteren wurde der Vorschlag für eine Forderung nach einer unabhängigen Beratungsstelle in Massenunterkünften allgemein eingebracht. Wir hatten schon vor der Eröffnung der Neckermann-Unterkunft diese Forderung auf der Informationsveranstaltung des Landes und der Stadt formuliert, aber leider nicht mehr verfolgt. Wir nahmen den Vorschlag auf und werden ihn ausformulieren.

 

Bernd Mesovic von Pro Asyl führte aus, dass gerade bei den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes vieles noch unklar sei, wie zum Beispiel wie lange die Menschen dort bleiben sollen und ob ihre Asylverfahren eventuell dort abgeschlossen werden und dann von dort Abschiebungen stattfinden sollen. Während bei Unterkünften der Stadt Frankfurt vor allem über die Bedingungen gesprochen werden müsse, kämen bei den Einrichtungen der Bundesländer diese Fragen hinzu.

 

Selbstkritisch müssen wir anmerken, dass es uns im Vorfeld der Veranstaltung und im Offenen Brief nicht gelungen ist, uns positiv auf die engagierte Arbeit von freiwilligen Helferinnen und Helfern zu beziehen und uns mit ihnen zu solidarisieren. Einige Helfende haben den Offenen Brief als Kritik ihres Engagements wahrgenommen. Ein Helfer sagte auch, dass er das nicht als Kritik gegen die Helfer verstanden habe, weil es so nirgends im Offenen Brief formuliert wurde. Wir gehen davon aus, dass es auf beiden Seiten einen Perspektivwechsel braucht: wir müssen darüber nachdenken, wie wir besser auf die freiwilligen Helfenden zugehen und einige der Helfenden könnten darüber nachdenken, warum sie den Offenen Brief „als Schlag ins Gesicht“ wahrgenommen haben. Die Darstellung in der Frankfurter Rundschau, nach der es bei der Veranstaltung nur Kritik seitens der Helfenden gegeben hätte, verwundert uns aber doch ein wenig. Erstens entspricht diese Darstellung schlicht nicht der Wahrheit. Es gab Kritik, aber diese Kritik war unserer Ansicht nach erstens eine konstruktive Kritik und zweitens wurde sie auch in diesem Sinne aufgenommen und führte zu dem sehr erfreulichen Ergebnis, dass gerade die kritischen Helferinnen und Helfer sich für eine zukünftige Zusammenarbeit aussprachen. Wir können alle aus unseren Mängeln und Fehlern nur lernen und gemeinsam lernt es sich erfahrungsgemäß am besten.

Aufbauend auf dieser positiven Stimmung möchten wir die nächsten Tage planen. Die Begehung des Neckermann-Geländes mit Vertretern der Menschenrechtsorganisationen steht als nächstes auf dem Plan. Dann werden wir gemeinsam mit den Geflüchteten und Helfenden genau ausarbeiten, wie eine unabhängige Beobachtungsgruppe sich konstituieren könnte, nach welchen Regeln sie arbeiten wird. Im Laufe dieser Zeit werden wir weiterhin aus der Unterkunft berichten und alle Mängel, die seitens der Geflüchteten an uns herangetragen werden, in die Öffentlichkeit tragen. 

Also wie gesagt: wir bleiben dran!

 

Welcome Frankfurt

Äthiopier

  Wo kämen wir denn hin, wenn die alle kämen

den folgenden Text dürfen alle zum und am 1. Mai lesen , vorlesen, nachdrucken und verteilen. Er entstand als Vertextung der Radierung “Äthiopier” von Harald Reus – der mit dem ans Frankfurter Kreuz genagelten natodrahtgekrönten Hasen. Kurz vor der Realisierung unseres gemeinsamen Planes gegen den kommenden Bush-Krieg (Senior) den Main- Kinzig-Kreis mit Kunstflug-Blättern aus einem Sportflugzeug zu übersäen – mit Aufrufen zum Widerstand, zur Desertion, zur Kriegsdienstverweigerung hat es Harald nicht mehr im Leben gehalten, weil es ihm zu todbringend erschien und ihn erstickte.

Wo kämen wir denn da hin, wenn die alle kämen?!!

du bist gegen diese ausländer-
feindlichkeit
und schleuderst dem
mutig entgegen:
es sind gar nicht so viele
und alle kommen
sie auch nicht
und im grundgesetz…

und dann wirst du immer leiser
und kommst
auf andere themen:
sanfte energien
die gesundheit
unserer wälder
du badest im sechzigprozentbereich
der jüngsten umfragen:
ein herz und eine seele
für die natur und ein herz
für tiere
und noch eines
für die kinder

die hetze
nagt
und eine angst
frißt
sich in dir fest
der fette frieden täuscht
mit sicherheit
kannst du die dir
zwar nicht in den schoß
aber in die mitunter
schwieligen hände
gefallenen
reste der beute
aus den raubzügen
deiner herren
nicht halten

die ausgedörrten opfer
haben auch dir
den krieg erklärt
wortlos bewußtlos heimatlos
staatenlos arbeitslos
flüchtlingslos asyllos
ohne rachegedanken
obwohl du mitgelaufen bist
auch dir obwohl du
nur mitgelaufen bist
auch dir obwohl du
doch stehen geblieben bist
obwohl du dagegen warst
genau genommen
eigentlich schon immer
im tiefsten inneren
spürst du
ihr totgeschwiegenes
irgendwie irgendwo
umkommen
sichert dein
einkommen
auskommen
irgendwie
durchkommen

sie kriechen
auch als tote
auch anonymisiert
in tausenderportionen
zur tagesschau gestellt
in deine träume
unaufhaltsam

du versuchst
abzuschalten
umzuschalten
aber durch jeden kanal
drängen die zahl-
und namenlosen
siebenmillionen vierzigmillionen
verhungert vergast
verschleppt vertrieben
verdurstet verseucht
vergewaltigt verstrahlt
verbrannt verkohlt
verscharrt verendet
verelendet verfolgt
verhört verstümmelt
verdrängt
vergessen?

sie klammern sich
in die drahtseile
deiner nerven
steigen
in dir auf
auferstehung ohne gloria
der totenaufstand
treibt dich
in den notstand
dein besitzstand
übt bürgernotwehr
das soziale netz
spannst du als nato-draht
um deinen sicherheitstrakt

die hetze
nagt
die angst schleicht
aus dem alptraum
in dein hirn

immer hilfsbereite
nachbarn und kollegen
bieten dir
beim bösen erwachen
den fruchtbar noch
warmen schoß
der solidargemeinschaft
der soliden volksgemeinschaft
zur ein- rück- und umkehr
zum verkriechen
helfen dir mit schulterschluß-
klopfenden gesten
und kameradschaftlichen
denkzetteln
deine flüchtigen gedanken
zu überdenken

du machst dein hirn
herz und haus zu
trotz BAP und
nackt im wind und
mach meinen kumpel nicht an
an auto und jacke
trotz brüder und schwestern
und mach das tor auf
mauerst du mit
am schutzwall
auf tausend kellen speis
kommt eine abspeisung
der zehntausend kehlen
mit einer handvoll reis
und zwischen maschinengewehr-
garben
ab und zu
ein päckchen dritte-welt-kaffee
ein kännchen tee zur andacht
die benefiz-ell-pee-ce-dee
dein päckchen nach süden
mit gaben
der nächstenliebe
der nächste!
auf tausend leibesvisitationen
im sammellager
kommt eine visite
zum fest der liebe:
ihr kinderlein kommet
oh kommet doch all

aber damit braucht dir
keiner zu kommen
keine kameltreiber ziegen-
hirten männer und fraun

da stehst du drüber
auf- und abgeklärt
hast du auch wichtigeres
zu tun

da stehst du
über dem abgrund
noch
bis er dich einholt
bis sie dir hochkommen
bis du
den süßlichen geruch
aus den kaminen
der erdteilgroßen krematorien
nicht mehr überriechen kannst
das schreien
hast du überhört
die leichen
hast du durchgezählt
und übersehen
und ihren hunger
hast du überfressen

jetzt
wo die unterseite
deines wohllebens
an deine türe klopft
ohne ordentliche papiere
eingeschleppt wie eine seuche
aufgedunsen
in lagern zerwaltet
ohne die schönen mitleids-
kinderaugen
der misereorbrotfürdiewelt-
plakate ohne heroisch
geschwungenes
widerstandsgesicht
mit gewehr in der hand
an der wand
deines schlafzimmers
wird die weissagung
eine toten indianers
zur dekoration
der ausweisung
eines noch lebenden inders
beginnst du unheimlich
neue und alte
vokabeln zu lernen:
querulant
simulant
asylant
wirtschaftsasylant

sie kommen
in der überzahl
dröhnt dir der schlachtruf
der vaterlandsverteidiger
vertriebenenzertreter und
-vertreiber
nachkriegsgeschädigten
sozialbesitzstands-
und volkstumswahrer
im ohr

sie kommen
sie mißbrauchen
unsre häuser
unsre frauen
unsre kinder
unser geld und
unser gutes recht
wo recht zu unrecht wird
wird widerstand zur pflicht

sie kommen
die meisten kommen
um
die wenigsten kommen
an
und du schließt ab-
kommen
im hinterkopf
über bessere verteilung
nicht des wohlstands
sondern seiner opfer
damit auch die wenigen
nicht mehr
entkommen können:
gerechte zuteilung
der asylantenkontingente
ab in den container

auf dem weg zur arbeit
registrierst du
ohne hintergedanken:
das benzin kostet immer
noch unter einer mark
du überholst einen sechzehntonner
vom südfruchtkontor
bananen zum schleuderpreis
beim zweiten frühstück
stellst du fest
der kaffee ist billiger geworden

1986 »Vertextung ‘Der Äthiopier’«,
Radierung von Harald Reus,
die ebenfalls 1986 entstanden ist.

aus Geschichten bis ihr schwarz werdet und unter-schlag-zeilen: befreite worte & gebrochene reime zur lage – mit dem Vorwort von Ingrid & Gerhard Zwerenz

und 047 und 009und

17 und so weiter  .. die aktuelleren Anti_Kriegs-Gedichte und Lieder HaBE ich u.a.hier reingeschrieben: es gibt aber noch viele aus 2015 & 2016

Mit von der Leichen Kinder kriegen familienfreundlich Krieg- & Siegen: HaBE nur das Beste zum Feste

Veröffentlicht am 16. Dezember 2014 von Hartmut Barth-Engelbart

Vor 100 Jahren schon einmal: das Mordsgeschäft fürs Kapital

Veröffentlicht am 19. Juni 2013 von Hartmut Barth-Engelbart

HaBE: zum Feste das Beste:
ein kleines Werkverzeichnis-
Der Gesundheitsminister warnt:
Lesen kann süchtig machen.
Ich halte hier mal die Klappe(ntexte bereit):

Veröffentlicht am 6. Dezember 2011 von Hartmut Barth-Engelbart

 

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