Der nächste Maidan in Nicaragua?

Die bewaffnete Jagd der “friedlichen Demonstranten” auf sandinistische Lehrerinnen, die Erschießung eines ANDEN-(Lehrkräfte-)Gewerkschafters und eines Polizisten, die bisher nicht geklärte Herkunft der Schüsse auf Sicherheitskräfte und auf Demonstranten geben einen ersten Vorgeschmack. Werden die sandinistisch orientierten Gewerkschaftszentralen wie die in Odessa gebrandschatzt?

Viele Gewerkschafts-Aktivistinnen & Vorsitzende sind auch sandinistische Abgeordnete und haben zunächst auch  -unter Protest zwar aber dann doch – für die Sozialversicherungs-Beitragserhöhung und für die Kürzung der Renten gestimmt. Fast wie in der Ukraine: berechtigter Protest wird von Geheimdiensten und Faschisten unterwandert und militarisiert, Scharfschützen schießen in die eigenen Reihen, um das der Regierung in die Schuhe zu schieben, die Lage aufzuheizen, um militärische  Reaktionen der Regierung zu provozieren.

Weltweite “Menschenrechts”-Medienkampagnen bereiten den Boden für “humanitäre & Menschenrechts-” Interventionen.

Die links-alternativ-autonome Begeisterung für die  “bunte Revolution” in Kiew gegen das oligarchische Regime Janukowitsch in der Ukraine war schier grenzenlos.

Es setzte ein  beachtlicher „Revolutions-Tourismus“ ein.  Aktivisten strömten in die Ukraine. Sogar das Zentralorgan der linken „Longo-Mai“ Bewegung, das „ARCHIPEL“ war zunächst völlig maidanisiert. Zumal sich eine der Hauptfiguren auf Hof Stopar, der Lono-Mai-Kooperative in der West-Ukraine auf die Seite der neuen Herren der Ukraine geschlagen hatte.

Gefördert wurde der Pilgerstrom von der Heinrich-Böll-Stiftung und Rebecca Harms gab in der Ukraine die Karikatur der Heiligen Johanna der Schlachthöfe und machte die Faschisten hoffähig. Im Wettstreit deutscher Stiftungen um die „Demokratisierung der Ukraine“ mischte sogar die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit . Gewinner waren letztlich die US-Dienste und US-Stiftungen, die das Land NATOISIERTEN und die Ökonomie beherrschten. Nur als Beispiel genannt: den Energie-Sektor sicherte sich mit Obamas Hilfe  Biden junior.

 

Die Linke war nicht in der Lage die Sniperschüsse auf dem Maidan richtig einzuordnen, obwohl es Indizien en Masse dafür gab, dass sie aus der auslandsdienstlich geführten rechten Ecke kamen.

 

Aber auch ohne diese zwingenden Indizien hätte die europäische Linke auf dem Hintergrund der strategischen Interessen des Westens und insbesondere der USA mit höchster Wahrscheinlichkeit die Herkunft der Schüsse schnell bestimmen können.

 

Henry Kissinger hat nicht umsonst gesagt, der Kiewer Maidan sei die Generalprobe für den Roten Platz in Moskau.

 

Vorerst ging es aber  um den gesicherten Vorstoß der NATO bis an die russische Grenze, die Vervollständigung des Sperrgürtels gegen die Russische Föderation nach Westen von Spitzbergen bis vorerst ans Schwarze Meer. Der soll aber weiter gehen bis zum Roten Meer und deshalb die Zerschlagung Iraks, der US-IS-kombinierte Überfall auf Syrien und der noch Wirtschaftskrieg gegen den Iran. Die militärische Besetzung und der andauernde Krieg in Afghanistan  soll den Versuch Chinas aufhalten, mit der Neuen Seidenstraße über Afghanistan, Iran, Irak und Syrien bis ans Mittelmeer vorzudringen.

Man kann mit höchster Sicherheit davon ausgehen, dass es im Iran zu Aufständen, zu Versuchen „bunter Revolutionen“ kommen wird. Und mit ebenso hoher Sicherheit, wird man ganze Regimenter von Exil-Iranern finden, die diese „bunten Revolutionen“ mit linken Argumenten begrüßen, propagieren. Es wird von medico international über amnesty, von diversen „kommunistischen“ oder kommunistischen europäischen oder iranischen Organisationen flammende Reden bei Solidaritätsdemonstrationen geben wie die von Milan Horacec , Jutta Ditfurt und anderer „linksalternativer“ zu Beginn der 1980er Jahre zur Unterstützung der Mudschaheddin in Afghanistan gegen die UdSSR-gestützte Regierung Nadschibulla. Breszinski hat damals schon gesagt, man würde aus Afghanistan das Vietnam für die UdSSR machen.

 

Und nun zum drohenden Maidan in Managua:

 

Was alle „linken“ Stellungnahmen, besonders die, die Willi Übelherr von Paraguay aus in alle Welt versendet, verschweigen, ist der Fakt, dass der IWF und die Weltbank Nicaraguas Regierung dazu erpresst haben, die Sozialversicherungsbeiträge zu erhöhen und die Renten zu kürzen. Das gleiche Programm, was die Troika in Griechenland unter lautstarkem Protest der „Linken“ diktiert hat und wobei Tzipras und die Syriza sich diesem Diktat gebeugt haben.

Die „linken“ Stellungnahmen verschweigen auch das Folgende:

Nach ersten friedlichen Demonstrationen hat die sandinistische Regierung Ortega diese diktierten „Reformen“ wieder storniert. Trotzdem gingen die Demonstrationen nicht nur weiter, sie wurden radikalisiert und militarisiert. Finanziert und gelenkt durch die Organisation der Ex US-Außenministerin Madeleine Albright, einer staatlich finanzierten Organisation zur “Förderung der Demokratie in Ländern der dritten Welt” oder wie wikipedia schreibt: Albright  “ist Vorsitzende des Board of Directors des National Democratic Institute for International Affairs (NDI), einer den Demokraten nahestehenden, steuerfinanzierten Einrichtung zur Demokratieförderung in Entwicklungsländern mit Hauptsitz in Washington D.C”

 

Die „linken“ Stellungnahmen ignorieren nicht nur die Einschätzungen von über 100 linken lateinamerikanischen Organisationen, die die Aktionen als Contra-Akte bezeichnen.

Sie ignorieren auch die Berichte der ANDEN, der Gewerkschaft der Lehrkräfte Nicaraguas, die systematische bewaffnete Jagden auf ihre Kolleginnen und mindestens eine Erschießung meldete.

 

Die „linken“ Stellungnahmen ignorieren vollständig die geostrategische Lage Nicaraguas:

Die USA können es nicht dulden, dass in ihrem Vorgarten sich eine Regierung nicht den Diktaten des IWF und der Weltbank unterwirft, mit denen Aufstände erreicht werden sollen, die die USA zum „Regime-Change“ instrumentalisieren können. Dass sie dafür mehr als ein paar Hundert Menschen über die Klinge springen lassen, haben die USA nicht nur in der jüngeren Geschichte  sondern in allen überfallenen und zu Targets und “failed States” erklärten Ländern unter Beweis gestellt.

Einer der jüngeren Beweise ist die von Hillary Clinton abgesegnete Belieferung des IS in Syrien mit  Giftgas aus libyschen Beständen, um dann die IS-Giftgaseinsätze der Regierung Assad in die Schuhe zu schieben. Aufgedeckt hat das der Pulitzerpreisträger und Watergate-Enthüller Seymour Hersh.

Die USA können es nicht zulassen, dass eine Mittelamerikanische Regierung seine Beziehungen zu China und Russland so vehement ausbaut, wie das die Regierung Ortega direkt vor der Haustüre der USA tut. Sie kann es nicht zulassen, dass sich eine Regierung mit solchen Beziehungen aus dem Zangengriff der USA befreit. Nach Brasilien und Ecuador, sollen jetzt Nicaragua und Venezuela folgen.

Unglücklicher Weise (für die USA) hat Venezuelas Präsident -das Beispiel Nicaragua und Griechenland vor Augen –  das “Hilfsangebot” der Weltbank und des IWF abgelehnt. Andernfalls hätte Willi Übelherr spätestens in einigen Wochen angesichts militanter Hungerdemonstrationen in Caracas „linke“ Stellungnahmen zur Unterstützung einer bunten Revolution und des Maidan von Caracas gegen den „Diktator Maduro“ verbreiten können.

In Vorbereitung und journalistisch begleitet sind Maidane  der Uiguren in China, kurdischer Minderheiten im Iran.  Für eine deutsche Beteiligung in China könnte AA-Meister Maas auf ein 700 Mann starkes Kontingent von Exil-Uiguren in München zurückgreifen, um den US-Menschenrechts-Einsatz der Uigurischen Befreiungs Front aus Guantanamo zu  unterstützen, wo die Kämpfer ja schon seit Jahrzehnten geschult werden.

 

 

Autor: Hartmut Barth-Engelbart

Autor von barth-engelbart.de

2 Gedanken zu „Der nächste Maidan in Nicaragua?“

  1. Lieber Hartmut,
    stell doch einfach die deutschen versionen der beiden texte, die ich heute verteilt habe und du sie auch erhalten hast, in deinen blog zur diskussion und einen dritten, den du auch erhalten hast:

    „Ich bin sicher, dass wir diese Diktatur besiegen werden.“
    Julio López Campos (1), uebers. Manfred Liebel

    Nicaragua schmerzt
    Claudio Katz, übers. Wilfried, 26.7.2018

    Die Linke neu erfinden!
    Juanónimo, Übers. Matthias Schindler, 19.8.2018
    http://blogs.taz.de/latinorama/2018/08/19/die-linke-neu-erfinden/

    Du musst dich jetzt nicht am namen Taz abarbeiten. Matthias Schindler hat diesen text uebersetzt.
    So entsteht vielleicht ein weiter blick fuer das Ganze in Nicaragua, was doch bestimmt deinen leserInnen hilft, klarheit zu erwirken.

    mit lieben gruessen, willi
    Asuncion, Paraguay

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